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Samstage für gesundes Altern: Neue Informationsreihe des Familienbündnisses gestartetVon Cholesterin bis Altersdiabetes

ROMROD (ol). Das Wetter ist diese Woche ideal – ideal, um gesund zu altern. Denn: Eine Stunde Bewegung am Tag kann wahre Wunder bewirken. Also, raus an die frische Luft und 60 Minuten lang spazieren gehen. Das zumindest ist der Rat der Experten, die beim „Samstag für gesundes Altern“ in Romrod viele Tipps und Informationen für die knapp 100 Besucher im Gepäck hatten.

Veranstaltet wurde der „Samstag für gesundes Altern“ vom Vogelsberger Familienbündnis. Das knüpft damit an eine erfolgreiche Veranstaltungsreihe an, nämlich an die „Samstage gegen das Vergessen“. Die wurden in allen 19 Städten und Gemeinden des Kreises angeboten, rund 2000 Leute insgesamt informierten sich dabei über das Thema Demenz. Nun ist der Bereich weiter gefasst, es geht ganz allgemein um altersspezifische Gesundheitsthemen.

Der „Samstag für gesundes Altern“ läutete auch gleichzeitig das Jubiläumsjahr des Familienbündnisses ein. Das wurde nämlich vor zehn Jahren gegründet – und zwar in Romrod. Folgerichtig fand im dortigen Bürgerhaus nun auch der erste „Samstag für gesundes Altern“ statt. Und auch die „Samstage gegen das Vergessen“ waren in Romrod gestartet, wie Landrat Manfred Görig in seinem Grußwort in Erinnerung rief. „Wenn wir über Altersgesundheit reden, gehören Vorbeugung und Früherkennung von Demenz natürlich weiterhin dazu“, sagte Manfred Görig. „Heute sollen aber auch viele weitere Themen rund um die Gesundheit im Alter ihren Platz haben.“

Blick auf das Podium: Rede und Antwort standen Allgemeinmediziner Jochen Müller, Demenz-Experte Ingo Schwalm und Monique Abel vom Pflegestützpunkt des Vogelsbergkreises. Fotos: Sabine Galle-Schäfer/Vogelsbergkreis

Der Landrat freute sich, gleich drei Experten auf dem Podium begrüßen zu können: den praktizierenden Hausarzt Jochen Müller, Demenz-Experte Ingo Schwalm und Monique Abel vom Pflegestützpunkt des Vogelsbergkreises. Und die mussten eine ganze Reihe von Fragen beantworten. „Wir bieten Hilfe, wenn es irgendwo brennt“, warb Monique Abel für den Pflegestützpunkt des Vogelsbergkreises. Dort können sich Menschen beraten lassen, die ihren Alltag nicht mehr alleine bewerkstelligen können. Da geht es zum einen um ganz praktische Ansätze wie den behindertengerechten Umbau der Wohnung, zum anderen auch um Hilfe bei der Pflegeeinstufung. Die kostenlose Beratung findet in der Regel im Landratsamt in Lauterbach statt, bei Bedarf kommen die Mitarbeiter aber auch ins Haus der Hilfesuchenden.


Bluthochdruck als Volkskrankheit Nummer eins

Breiten Raum in der Fragerunde, die vom Sprecher des Familienbündnisses, Hans Dieter Herget, moderiert wurde, nahm das Thema Demenz ein. „Demenz ist nicht die schlimmste Krankheit. Bluthochdruck ist die Volkskrankheit Nummer eins. Bluthochdruck ist der Killer“, warnte Fachkrankenpfleger Ingo Schwalm. Wie mit Demenz-Kranken umzugehen ist, dafür gibt es laut Schwalm kein Rezept. „Jeder Mensch, jede Demenz ist individuell.“ Wichtig sei, Geduld zu haben, man müsse auf die Kranken zugehen. „Empathie ist das Zauberwort.“ Wichtig sei aber, dass pflegende Angehörige entlastet werden. Tagespflegeeinrichtungen für Demenz-Kranke seien daher „Gold wert“. Schwalm: „Nur wer sich selbst pflegt, kann auch andere pflegen.“

Aber nicht nur Demenz ist ein Stichwort, das in Verbindung mit zunehmendem Lebensalter immer wieder fällt, auch der Cholesterin-Wert gewinnt an Bedeutung. „Allein dieser Wert sagt nichts aus“, erklärte indes Hausarzt Jochen Müller. „Viel wichtiger ist der Blutdruck-Wert. Und der Bauchumfang. Diese beiden Werte sind wesentlich entscheidender“, so der Mediziner, der natürlich auch Fragen rund um Diabetes beantworten musste. „Wir werden nicht alle Diabetiker, das ist vielmehr genetisch vorangelegt und vom Verhalten abhängig“, erklärte er. Und außerdem könne jeder von uns vorbeugen – eben mit einer Stunde Bewegung am Tag.

Blick ins Romröder Bürgerhaus: Gut besucht war die Auftaktveranstaltung der „Samstage für gesundes Altern“.

Bei Kaffee und Kuchen konnten die Besucher das ein oder andere Thema am Tisch noch vertiefen. Zudem konnten sie sich an zahlreichen Ständen weitere Informationen holen. Vertreten beim „Samstag für gesundes Altern“, waren der VdK Romrod, SHG Albatros (MS Selbsthilfegruppe), der Pflegestützpunkt des Vogelsbergkreises, Best Care Heim Betriebs GmbH, Ulrichstein, Diabetiker Hessen, Sozialstation Alsfeld/Romrod, DRK Lauterbach, Ambulante Dienste Rambachhaus, Alsfeld, Traueroase, Tagespflege Anima Grebenhain und SozioVita. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Chor „Haste Töne“.


Ein Gedanke zu “Von Cholesterin bis Altersdiabetes

  1. >> Wichtig sei aber, dass pflegende Angehörige entlastet werden. Tagespflegeeinrichtungen für Demenz-Kranke seien daher „Gold wert“.<<
    Wie steht es denn um die Tagespflege für Demenz-Kranke oder anderweitig Pflegebedürftige im Vogelsbergkreis? Und wie um die Entlastung pflegender Angehöriger allgemein, inklusive Beratung, Selbsthilfegruppen, Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege usw.? Gar nicht zu reden von den alleinstehenden Senioren, die nicht einmal auf Angehörige zurückgreifen können? Ja, Reden bei Kaffee und Kuchen ist Silber. Ansonsten ist betretenes Schweigen Gold. Dann merkt vielleicht niemand, dass "erfolgreiche Veranstaltungsreihen" die fehlenden Versorgungsstrukturen für eine wachsende Zahl pflege- und unterstützungsbedürftiger Senioren samt der pflegenden Angehörigen nicht ersetzen können. Seit zehn Jahren gibt es bereits das "Bündnis für Familie" mit seinen diversen Handlungsfeldern. Zehn Jahre lang Kaffee und Kuchen und viele warme Worte. Und großes Hallo, wenn irgendwo mal ein privater Träger eine Handvoll Plätze im Tages- und Nachtpflegebereich oder einmal monatlich für zwei Stunden außerhäusliche Beschäftigung für Demenzkranke anbietet.

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