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Schülerinnen und Schüler der AvH fast vier Wochen lang unterwegs in den USAEinmal mit allem: die vielen Facetten Amerikas

LAUTERBACH (ol). Amerika – Land der unbegrenzten Möglichkeiten oder Trump-Country? Home of Burgers oder doch eher große Sportnation?! Amerika kann alles sein – so viel steht fest. 17 Schülerinnen und Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule hatten vor kurzem Gelegenheit, ihre eigenen Antworten zu finden und einen Teil des Riesenlandes kennenzulernen. Sie nahmen Teil am Schüleraustausch mit der Union High School, La Porte City in Iowa, lebten zwei Wochen lang in amerikanischen Familien und bereisten weitere zehn Tage Chicago und New York, so heißt es in der Pressemitteilung der Schule.

Geplant, vorbereitet und begleitet wurde die Tour von Gerhard Steinebach, der den Schülerinnen und Schülern ein sehr abwechslungsreiches und interessantes Programm zusammengestellt hatte. Für viele der 15- bis 18-jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen war es die erste Reise über den großen Teich. Im letzten Jahr bereits hatten Schülerinnen und Schüler aus Amerika das Lauterbacher Gymnasium besucht – nun also der erste Gegenbesuch, teils ein Wiedersehen, teils neue Begegnung – ein Abenteuer in jedem Fall. Wie leben die Amerikaner? Wie ist ihr Schulsystem? Was tun sie in ihrer Freizeit? Und gibt es wirklich ständig Fast Food?!

Klischee Fastfoodnation bestätigt

„Die Kinder wachsen dort viel selbständiger auf“, so die einhellige Meinung der Lauterbacher Gäste. Sie seien im Lauf des Tages mehr auf sich gestellt und müssten im Haushalt viel mehr Dinge erledigen: Kochen und waschen, Fahrdienst für jüngere Geschwister – all das gehöre ganz selbstverständlich dazu. Dass junge Amerikaner bereits mit 16 den Führerschein machen und ganz normale Mittelstandsfamilien pro fahrendem Mitglied mindestens ein Auto in der Garage haben, ist da natürlich von Vorteil. Autofahren ist bei der Weite des Landes selbstverständlich, die nächsten Nachbarn wohnen weit entfernt, Autos mit großer Ladefläche werden staatlich gefördert, sodass ein junger Mensch im führerscheinfähigen Alter auch schon mal einen kleinen Truck zu Weihnachten bekommt. Über so etwas konnten sich die Gastschüler aus Deutschland nur wundern.

Was viele bestätigt sahen, ist das Klischee von der Fast-Food-Nation: „Es gibt irgendwie ständig was zu essen, Fast-Food-Ketten sind überall und haben großen Zuspruch. Die Familien essen häufig auch gar nicht zusammen. Jeder kocht, kauft oder nimmt sich was, wann er mag“. Doch auch von ganz normalen Abendessen mit frisch zubereiteten Mahlzeiten berichten die jungen Leute.

Die Gruppe aus Lauterbach und die Gastgeber in La Porte City verstanden sich offenbar richtig gut! Foto: Gerhard Steinebach


Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Schulen

Die Schule nimmt einen großen Teil im Leben der amerikanischen Jugendlichen ein, erzählen die Reisenden. Das Schulsystem fördert einen überaus hohen Zusammenhalt eines ganzen Jahrgangs, der Nachmittagsunterricht ebenso, dazu die große Bedeutung des Schulsports: „Die Schule steht im Zentrum von allem“, stellten die Lauterbacher fest. Auch nach Unterrichtsschluss sind viele junge Leute in Kleidung mit Schullogo unterwegs, sie identifizieren sich stark mit ihrer Bildungseinrichtung. „Ganz okay, aber etwas übertrieben“, finden das die deutschen Gäste, die sich mitunter auch über den Unterricht gewundert haben. Laptops werden von der Schule gestellt, es wird viel damit gearbeitet, allerdings sehen die deutschen Besucher das nicht unbedingt als Vorteil: Technisch versierter seien ihre amerikanischen Mitschüler nicht, und häufig bestehe die Arbeit auch aus bloßem Googeln und Kopieren. Viel größeren Wert offenbar lege man in den Schulen auf Fitness und Sport.

Eine neue Erfahrung für die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland war die Sicherheit an den Schulen – ohne entsprechende Berechtigungskarte darf man im Schulgebäude nicht einmal auf dem Weg zur Toilette unterwegs sein, und das Schulgebäude wird nach Unterrichtsbeginn abgeschlossen. Überhaupt, so die Erfahrung, spielen Sicherheit und das Bedürfnis danach eine große Rolle. Bei dem Großvater einer Gastgeberfamilie hingen sieben Gewehre im Eingangsbereich – funktionsfähig, aber auch als Garderobe zu gebrauchen. Den laschen Umgang mit Waffen fanden die Deutschen eher beängstigend.

Zweiter Teil der Reise: Ab in die großen Städte

Vom kleinen Iowa in die großen Städte ging es im zweiten Teil der Reise: Chicago und New York standen auf dem Programm, und erstaunlicherweise fanden viele der deutschen Gäste Chicago viel schöner als New York. Die Stadt am Michigansee lernten sie unter anderem per Boot kennen: Die „Architecture River Cruise“ brachte sie zu den mehr als fünfzig bedeutenden Gebäuden entlang des Chicago Rivers. Dabei wurde deutlich, wie Chicago von einer kleinen Siedlung innerhalb von nur hundert Jahren zu einer der größten Städte der Welt wurde. Per Hop-On-Hop-Off-Bus entdeckten sie weitere Teile dieser beeindruckenden Stadt, sie besuchten ein John-Deere-Werk, ein Planetarium und ein Aquarium und genossen den Sonnenuntergang auf dem Hancock Building, das ihnen einen 360°-Blick über Chicago bot.

New York empfanden die jungen Leute aus dem Vogelsberg als sehr laut, sehr voll, sehr hektisch, sehr hoch und sehr, sehr weitläufig. Eine Stadt mit vielen Gesichtern – nicht nur schönen, wie der immer etwas beißende Geruch und die vielen Kakerlaken. Der Central Park indes eine Oase inmitten dieses Treibens, und die Touristenattraktionen beeindruckend. Die Gruppe stattete natürlich dem Empire State Building einen Besuch ab, spazierte den Hudson River entlang, war im American Museum of Natural History und im Metropolitan Museum of Arts. Sie shoppten unter anderem am Times Square, schlenderten durch Little Italy und China Town und schauten sich dieses Mal den Sonnenuntergang vom Dach des Rockefeller Centers aus an. Selbstverständlich besichtigten sie auch Ground Zero und das noch relativ neue 9/11 Memorial.

Auch ein Besuch des Werkes des Nutzfahrzeugeherstellers John Deere stand auf dem Programm der Lauterbacher in Chicago. Foto: Gerhard Steinebach


Gegenbesuch aus den USA schon im nächsten Jahr

„Die Schülerinnen und Schüler haben dabei nicht nur wahnsinnig viele neue Eindrücke bekommen“, berichtete Gerhard Steinebach, „auch ihre Sprachkompetenz und das Interesse an der englischen Sprache sind mit diesem Aufenthalt in den USA deutlich gewachsen.“

Ob die jungen Leute wohl wieder an den einen oder anderen Ort zurückkehren möchten?! Keine Frage, das steht fest. Zunächst jedoch steht im kommenden Jahr wieder ein Gegenbesuch aus den USA auf dem Programm. Und im Jahr 2019 gibt es die nächste Gelegenheit für die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, neue Facetten der USA zu entdecken.