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Kolumne "Rike's Report" am Samstag: Ein weher Abschied bis auf Weiteres - die finale KolumneLast but not least..

Seit nunmehr über einem Jahr beglücke ich Millionen Leser mit den Gedanken einer Studentin. Wäre zumindest schön. Tagtäglich halte ich die Augen offen, suche nach Themen und diskussionsbringenden Knackpunkten. Dinge, die ich mitteilen und mitgeben möchte. Trotz meines für manche Geschmäcker vermutlich erfahrungsarmen Lebens, scheinen die ein oder anderen Gefallen daran gefunden zu haben, meinen Worten zu lauschen. Und dennoch gibt es Zeiten im Leben, in denen man auf etwas verzichten muss, um anderem seine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Und diese Zeit ist nun gekommen.

Es gibt Freitagabende, an denen sitze ich bis spät in die Nacht an meinem Report. Die Brille auf der Nase und drei Zeilen auf dem Bildschirm vor mir. Wie den berühmtesten Schriftstellern, so ergeht es auch mir Normalo nicht anders: Das Schreiben kommt und geht wie es gerade will. Ebenso die Inspiration. Es gibt Momente, in denen die Ideen nur so aus mir heraussprudeln. Meist zu ungünstigen Zeiten, wie etwa im Halbschlaf nachts um halb drei oder in der Vorlesung über Bindegewebe. Doch es gibt auch Tage, an denen will sich kein Wort, geschweige denn ein anständiger Satz mir zuliebe erbarmen. Gerade in stressigen Zeiten, wenn sich Histologieskripte, Muskelfunktionen und physikalische Versuche über Ultraschallwellen auf meinem Schreibtisch stapeln, wird mir das zum Verhängnis.

Als Medizinstudent hat hat keine Freunde. Keine Beziehung. Keine Hobbys. So sagen zumindest viele. Zu Beginn meines Studentenlebens hielt ich das für puren Unfug. Inzwischen weiß ich: Ein großes Fünkchen Wahrheit steckt dann doch drin, in all den Vorurteilen. Zu den Menschen mit unermesslich großem Freundeskreis habe ich noch nie gehört – zu meinem Glück, muss ich doch nur einer handvoll Auserwählten regelmäßig erklären weshalb ich keine Zeit und Muse für allabendliche Cocktail-Runden habe. Mein Partner hat sich inzwischen damit abgefunden, mich zwischen Spaghettikochen und den Pausen des Samstag-Abend-Blockbusters, nach den Knochenpunkten des Humerus auszuquetschen. Was ihm ganz offensichtlich mehr Freude bereitet als mir.

Was damals leicht verhaltenes Lächeln hervorrief, ist jetzt Alltag

Dass ich keinerlei Freizeit habe, dem muss ich dennoch widersprechen: Mindestens ein Kinobesuch im Monat, tägliche Runden durch den Park und der quälende Gang zum Fitnessstudio sind mein Ausgleich zum Musculus sternocleidomastoideus und seinen Freunden. Ich gebe zu, dass ich so manches Mal am Morgen zweifelnd in meinem Bett sitze und mich frage: „Ist es das wirklich alles wert?“ Doch ebenso oft kann ich mir antworten: „Das ist es!“

Mit der Zeit ist mir bewusst geworden, dass das Medizinstudium keineswegs eine Nebensächlichkeit ist, zu deren Zweck man sich wenige Stunden in der Woche in die Universität bequemt. Die perfekten Worte hat wohl einer meiner Professoren gewählt, der uns in der ersten Studiumswoche sagte: „Sie denken alle sie wissen wie man lernt, nur weil Sie Abitur gemacht haben. Meine lieben Leute, Sie haben keine Ahnung was Lernen bedeutet. Jetzt studieren Sie Medizin.“ Was damals leicht verhaltenes Lächeln hervorrief, ist jetzt Alltag. Laut Untersuchungen ist bei keinem anderen Studium die Fülle von Wissen derartig groß. Eine Fülle die nicht nur immens ist, sondern sich auch von Woche zu Woche verändert und erweitert. Das bedeutet, dass man nicht nur bücherwälzend Knochen auswendig lernen und biochemische Prozesse verstehen muss. Es bedeutet auch, immer auf dem neusten Stand zu bleiben, was die wissenschaftliche Zukunft bringt. Medizin ist nicht nur ein Fach, das man studiert. Es ist eine Lebenseinstellung.

Um dem Gerecht zu werden, ist sowohl Kopf, als auch Herz gefragt. Und vor allem: Zeit. Da der Tag leider nur 24 Stunden hat und trotz Kaffeekonsum mein Bett allabendlich nach meiner Anwesenheit verlangt, ist es leider oft gar nicht so einfach alles unter einen Hut zu bringen. Vor allem nicht, wenn samstags um 12 Uhr eine Kolumne ansteht. Denn auch dieser möchte ich gerecht werden. Auch diese möchte ich nach bestem Wissen und Können schreiben und am Ende des Tages zufrieden sagen können: „So soll es sein. So kann es bleiben. So hab ich es mir gewünscht. Alles passt perfekt zusammen. Weil endlich alles stimmt.“

Eine Entscheidung, die nicht leicht fiel

Doch in den letzten Wochen hat sich bemerkbar gemacht, dass ich weder meinem Report die Aufmerksamkeit schenken kann, die ich gerne möchte, noch meinem Studium. Und wie so oft im Leben, kam ich ins Grübeln. Stundenlang. Tagelang. Nächtelang. Und sah ein, dass jeder irgendwann Prioritäten setzen muss, auch wenn es einem vielleicht nicht gefällt. Kurzum: Ich habe mich nach vielem Hin und Her schweren Herzens dazu entschlossen, meine Kolumne ad acta zu legen. Zumindest bis auf Weiteres.

Anders als ich, wird mein Lebensabschnittsgefährte vermutlich froh über die Entscheidung sein. Denn nun werde ich nicht mehr alle 14 Tage sticheln: „Hast Du denn schon meine Kolumne gelesen?“ – und er wird nicht mehr antworten müssen: „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe stets auf morgen..“

Ich danke Ihnen für die Unterstützung in den letzten Monaten, die zahlreichen Feedbacks und konstruktive Kritik! Und ich verspreche: irgendetwas wird man von mir noch hören.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Rike

Ein Gedanke zu “Last but not least..

  1. „….irgendetwas wird man von mir noch hören.“
    Schelmisch gefragt: War das eine Drohung oder ein Versprechen? ;)
    Ich denke, die geneigten Leser sind durchaus gerne bereit, darauf zu warten, daß „Rikes Report“ irgendwann wieder erscheint – es muß ja keineswegs regelmäßig sein, sondern es reicht sicherlich aus, wenn Franz von Sales, der Schutzpatron der Schriftsteller, wieder mal ne Muse rüberschickt zu Ihnen ;)
    Abgesehen davon drücken wir sehr gerne die Daumen für einen erfolgreichen Studienabschluß :)

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