ALA-Fraktionschef Michael Riese. Foto: cdl/archiv

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Die Linke schätzt im Vogelsbergkreis einen steigenden Bedarf an kleinen bezahlbaren Wohnungen aufgrund der Veränderung der AltersstrukturBedarf preiswerten Wohnens im Vogelsberg

VOGELSBERGKREIS (ol). Die Versorgung mit bezahlbarem und angemessenem Wohnraum ist vor allem in den Ballungsgebieten ein drängendes Problem der Bürger in Hessen.


Weil gleichzeitig in den ländlichen Regionen Leerstand besteht, heißt dies nicht, dass dort keine Probleme in der Wohnungssituation bestünden, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreistagsfraktion der Linken.

Vor diesem Hintergrund habe der Kreistag auf seiner Sitzung im November 2016 auf Initiative der Linken beschlossen, dass der Kreisausschuss im Fachausschuss über die Wohnungssituation im Vogelsberg berichtet. Am kommenden 2. März wird diese Sitzung nunmehr stattfinden.

Im Jahr 2012 habe im Prognos-Familienatlas der Vogelsbergkreis im Bereich ‚Wohnsituation und Wohnumfeld‘ Platz 7 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten bundesweit eingenommen. Zu den wesentlichen Kriterien, die zu diesem super guten Ergebnis führten, zählten seinerzeit ‚die Erschwinglichkeit von Wohneigentum‘ und der Anteil von ‚Familienwohnungen mit mehr als drei Räumen‘, so Michael Riese von der Linksfraktion.

Auf der anderen Seite habe 2011 die Liga der freien Wohlfahrtspflege einen gravierenden Mangel kleiner und bezahlbarer Wohnungen festgestellt. Viele Menschen und Einrichtungen suchten rund um Alsfeld und Lauterbach vergeblich kleine Wohnungen. Nach Auskunft der Wohnungsbaugenossenschaft in Alsfeld habe sich die Situation nicht gebessert. 2011 fielen circa 5,5 Prozent in die Kategorie kleiner Wohnungen. Nur 31 Prozent aller Wohnungen waren 2011 zu Wohnzwecken vermietet (also nicht von den Eigentümern bewohnt) und nur 8,5 Prozent aller Gebäude bieten mehr als drei Wohnungen, erklärt Riese weiter.

2012 habe das Pestel-Institut für den Vogelsbergkreis festgestellt, dass rund 6.070 Haushalte im Vogelsbergkreis Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten. Auf Nachfrage der Linksfraktion im Kreistag habe seinerzeit die Wohnungsbauförderstelle des Kreises keine Auskunft über die Anzahl der Sozialwohnungen im Vogelsbergkreis gegeben.

Vor dem Hintergrund der Altersentwicklung stelle sich auch das Problem des Angebots  von Senioren-Wohnungen. Bereits 2013 habe die Studie ‚Wohnen65plus‘ für den Vogelsbergkreis einen zukünftigen Mangel von 4.250 altersgerechten Wohnungen prognostiziert. Im Oktober 2015 habe eine Studie des Pestel-Instituts die Einschätzung wiederholt, dass im Vogelsbergkreis vor allem Sozialwohnungen fehlen würden, stellt Riese fest.

Anfang 2016 habe der Schlitzer Bürgermneister Schäfer ein Wohnungsbauprogramm für den ländlichen Raum gefordert und unter anderem vorgeschlagen, leer stehende innerstädtische Einzelhandelsgeschäfte in kleine Wohnungen umzuwandeln.

Mit der kommenden Ausschusssitzung verbinde die Linke die Erwartung, dass es solide und aktuelle Informationen über die Wohnungssituation im Vogelsberg gibt und notwendige Maßnahmen der Kommunalpolitik beraten werden können, merkt Riese abschließend an.

2 Gedanken zu “Bedarf preiswerten Wohnens im Vogelsberg

  1. Genau, wenn der Markenkern des Vogelsberkreises werden soll, das Altenheim von Hessen zu sein, sind Ihre Maßnahmen genau die richtigen.

    Wenn es darum gehen soll, junge Familien mit Glasfaseranbindung im lebenswerten Vogelsbergkreis anzusiedeln, sind eher andere Maßnahmen geboten.

    Ich stimme Ihnen daher nur teilweise zu.

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  2. Das Problem ist schon da, und es wird nicht besser, wenn sich nichts tut. Die Wohnsituation in großen Teilen des Vogelsberges ist immer noch ausgelegt auf große Häuser für mehrköpfige Familien. Und schlimmer noch: die stehen häufig irgendwo auf den Dörfern. Alte Menschen leben jedoch höchstens zu zweit oder meist alleine. Mit dem Autofahren wird es im Alter auch nicht besser, aber der ÖPNV ist nicht dafür ausgelegt, in jedem Dorf 3 Leute abzuholen. Es wird nicht anders gehen, als daß die Leute in die größeren Vogelsbergorte umziehen. Nur dort fehlt es noch an Wohnraum. Es wird Zeit, daß die Politik aufwacht und aufhört Neubaugebiete für Einfamilienhäuser zu erschliessen. Die nehmen bloß Platz weg. Wir brauchen Wohneinheiten mit kleinen Wohnungen.

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