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Weißstorch-Freunde zählen 493 Brutpaare mit 1078 Jungen - davon aber nur zwei Paare im VogelsbergkreisNeuer Storchenrekord in Hessen

HESSEN (ol). Die Zahl der Weißstörche ist in Hessen gestiegen. Derzeit gibt es im Vogelsbergkreis laut dem Naturschutzbund (NABU) aber lediglich zwei Paare. Das soll sich im kommenden Jahr ändern und ein Storchenpärchen den Leonardsturm in Alsfeld besiedeln.

Eigentlich sollten die Störche noch in diesem Jahr durch eine neue Nestplattform auf der Turmspitze angelockt werden. Dann stellte sich heraus, dass das Wagenrad leider morsch ist und eine neue Unterkonstruktion her muss. Als hätte der Storch von der Aktion der Alsfelder Wind bekommen, kam er aber zwischendurch schon einmal zum Probesitzen vorbei. Im Gründchen hat eine Initiative bereits Ende Februar ebenfalls ein Storchennest aufgestellt, damit sich die Tiere dort niederlassen.

Der NABU hat kürzlich die hessenweite Statistik der Weißstörche veröffentlicht. Auch im Jahr 2016 ist der Wappenvogel des NABU weiter auf Erfolgskurs. Bernd Petri und Klaus Hillerich, Sprecher der NABU-Landesarbeitsgruppe Weißstorch, können deshalb für Hessen eine erfreuliche Jahresbilanz ziehen, heißt es in einer Pressemeldung. „Mit 493 Weißstorchpaaren haben wir in 2016 einen neuen Rekord erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Brutpaare um 17 Prozent angestiegen“, so Petri. Die hessischen Weißstörche hätten in diesem Jahr insgesamt 1.078 Jungtiere großgezogen.

Hillerich, der die Weißstorcherfassung in Hessen koordiniert, freue sich besonders über den großen Zuwachs in der Wetterau: „Hier konnten wir mit 70 Brutpaaren 22 mehr als im Vorjahr bei der Jungenaufzucht beobachten“. Erfreuliche Nachrichten gebe es auch aus Nordhessen: Im Landkreis Kassel zählten die Weißstorchfreunde erstmals vier Brutpaare. Das Mekka der hessischen Störche sei aber nach wie vor der Landkreis Groß-Gerau, wo in diesem Jahr 419 Jungvögel von 206 Brutpaaren aufzogen worden seien.

Der NABU-Ornithologe Petri gibt zu bedenken, dass die Bestände des Weißstorchs in Hessen noch lange nicht stabil seien. „Ohne die Kerngebiete im Hessischen Ried bei Biebesheim, in den Altneckarschlingen bei Groß-Gerau, bei Wiesbaden-Schierstein, in der Wetterau und im Main-Kinzig-Kreis gäbe es im sonstigen Hessen noch keine stabilen Weißstorch-Vorkommen. Alles hängt nach wie vor von den Ausbreitungszentren in Südhessen ab“, so Petri. Der Gesamtbestand befinde sich immer noch in einer Phase, in der die Weißstörche frühere Brutgebiete Mittel-, Ost- und Nordhessens wieder besiedelten. Dieses sensible Ausbreitungsstadium müsse unbedingt gestärkt werden. „Der Weißstorch ist in Hessen trotz kontinuierlicher Bestandszunahme und stetigem Zuwachs von Brutpaaren nach wie vor als ‚gefährdet‘ einzustufen“, erklärte Petri.


Die Storchenzahlen würden jährlich von vielen hessischen Storchenfreunden der „Arbeitsgruppe Weißstorchberingung in Hessen“ unter Leitung von Hillerich zusammen getragen. „Ohne die ehrenamtliche Mitarbeit vieler Storchfreunde wäre es gar nicht möglich, die Bestände des weißen Schreitvogels so genau zu beobachten und zu kontrollieren“, erläuterte Hillerich. Für die Zukunft des Weißstorchs in Hessen seie vor allem der Erhalt von Feuchtgrünland von entscheidender Bedeutung.

„Störche brauchen möglichst viele nasse Wiesen in Nestnähe, um genug Futter für ihre Jungen finden zu können“, erläuterte Petri. Der Lebensraumverlust steige in Hessen immer noch rasant an. Vor allem der Umbruch von Grünland zu Maisäckern für die Energieerzeugung von Biogas sei eine große Gefahr für die weitere Entwicklung der Bestände. Mit dem Verlust von Feuchtgrünland verschwinde nicht nur der Lebensraum des Weißstorches, sondern auch der vieler anderer Tier- und Pflanzenarten. „Der Storchenschutz ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt auf unseren Wiesen“, so Petri.

Weißstorchzahlen (Brutpaare) in 2016 nach Landkreisen
Bergstraße: 28 (27),

Groß-Gerau: 206 (184),

Darmstadt-Dieburg: 31 (19),


Wiesbaden: 31 (28),

Offenbach: 2 (1),

Main-Taunus 6 (6),

Main-Kinzig: 47 (41),

Fulda: 7 (6),


Wetterau: 70 (48),

Gießen: 19 (18),

Lahn-Dill: 2 (2),

Marburg-Biedenkopf: 16 (11),

Waldeck-Frankenberg: 1 (1),


Hersfeld-Rotenburg: 10 (9),

Vogelsberg: 2 (2),

Schwalm-Eder: 10 (8),

Kassel: 4 (2),

alle anderen Landkreise ohne Weißstorchbruten. Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Jahr 2015.