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Vortrag der Sternenwelt Vogelsberg über Planeten und den Mond wieder ein voller Erfolg„Fernsehen tue ich gerne – aber eben 100 Millionen Kilometer entfernt“

STUMPERTENROD (mb). Bereits zum vierten Mal in diesem Jahr hat der Sternenwelt Vogelsberg e.V. an diesem Samstag zum Neumondtreffen eingeladen. Über das Thema „Mond- und Planetenbeobachtung“ referierte Gründungsmitglied Reinhard Braden in den voll besetzten Räumlichkeiten der Stumpertenröder Sternwarte. Viele der Zuhörer verweilten auch nach dem Vortrag noch zu einer Diskussionsrunde – einer echten Planetenbeobachtung machte das Wetter leider einen Strich durch die Rechnung.

Etwa 50 Gäste hörten gespannt Bradens Vortrag über die Planeten und unseren Mond zu und ließen sich über die verschiedenen Techniken und Tücken einer erfolgreichen Planetenbeobachtung aufklären. So ist zum Beispiel einer der größten Feinde von Astronomen das sogenannte Seeing: Durch Luftunruhen können Objekte am Himmel oft nicht scharf gesehen werden. Aber den Planeten Venus kann man beispielsweise oft tagsüber mit einem gewöhnlichen Fernglas beobachten, wobei man niemals den Sonnenfilter vergessen darf.

Am Samstag hätten die Besucher der Sternwarte die Planeten Mars und Jupiter beobachten können, allerdings war der Himmel bedeckt und es drohte zu regnen. Somit musste der Abend auf den Vortrag beschränkt werden. Die Hobby- und Berufsastronomen der Sternenwelt Vogelsberg e.V. waren vor und nach dem Vortrag bemüht, die Fragen der Gäste zu beantworten. Die Besucher kamen auch in den Genuss einer kleinen Führung durch die Warte.

50 Zuschauer füllten das Gebäude der Sternenwelt.

50 Zuschauer füllten das Gebäude der Sternenwelt.

Braden selbst hat Mathematik und Physik auf Lehramt studiert und arbeitete vor seinem Ruhestand in der Software Entwicklung. Auf die Astronomie kam er durch seinen Vater und sein erstes Beobachtungsinstrument war ein Linsenfernrohr. Auf die Frage nach seinen Hobbys antwortet Braden schmunzelnd „Fernsehen tu ich gerne und regelmäßig, aber eben 100 Millionen Kilometer weiter als der Durchschnitt.“ Die Sternwarte verfügt über vier Teleskope: Zwei Spiegelteleskope, den Dobson und das Schmuckstück, das in der Kuppel steht, das Cassegrain. Außerdem verfügt die Warte noch über ein Spiegelteleskop und ein Sonnenteleskop. Das Cassegrain verfügt sogar über ein ganz besonderes Add-On: Einen Föhn. „Wenn die Linsen der Teleskope gereinigt werden oder die Wärmeverhältnisse sich ändern, dann kommt dieser für das Trocknen zum Einsatz“, so der erste Vorsitzende Walter Gröning.

Das Cassegrain muss manchmal mit einem Föhn getrocknet werden.

Das Cassegrain muss manchmal mit einem Föhn getrocknet werden.

Insgesamt hat die Sternenwelt etwa 100 Mitglieder, etwa fünf bis sechs davon bieten regelmäßig Führungen für Interessierte an. Denn mit vorheriger Anmeldung sind diese auch außerhalb der Neumondtreffen zu bekommen. „Bei privaten Führungen bieten wir auch kleine Vorträge an“, so Braden. „Seitdem wir die Neumondtreffen seit Januar um die regelmäßigen Vorträge erweitert haben, kommen noch mehr Interessierte zu uns. Das freut uns wirklich sehr.“ Die Mitglieder kommen übrigens aus den verschiedensten Regionen Hessens, wie Offenbach, Reiskirchen oder Wiesbaden. Im Sommer kommen sogar oft Gäste aus Dänemark, um die wenigen Nachtstunden im Vogelsberg zu verbringen.

In der Kuppel befindet sich das Cassegrain.

In der Kuppel befindet sich das Cassegrain.

Die Sternwarte selbst wurde 2008 offiziell eröffnet. Braden erzählt: „Am Anfang war hier ein Sportlerheim mit Sportplatz. Wegen den guten Bedingungen haben wir uns dann regelmäßig auf diesem Platz getroffen und gecampt. Irgendwann wurden die Treffen allerdings so groß, dass die hygienischen Umstände sehr schlecht wurden.“ Daraufhin hat die Gemeinde Feldatal beschlossen, das Gebäude auszubauen und nun verfügt es über eine Küche, Dusch- und WC-Räume sowie drei Schlafplätze. Mit den Einnahmen der Neumondtreffen unterstützt der Verein die Gemeinde bei der Zahlung der Nutzungskosten. Zweimal im Jahr veranstaltet die Sternenwelt zudem ein Teleskoptreffen mit gemeinsamen Zelten. Hier sind alle willkommen – vom Hobbyastronom bis zum professionellen Astrophysiker. Dies spiegelt sich auch in der Konstellation der Mitglieder wider: Neben den studierten Astrophysikern Walter Gröning oder Kai Nöske, der bereits am Hubble gearbeitet hat, gehen viele der Mitglieder ganz anderen Berufen nach und beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit den Sternen.

Werden wir jemals Kontakt zu anderen Lebewesen haben?

Gröning befasste sich beim letzten Neumondtreffen mit der Frage, ob es andere Lebensformen im Universum gibt. „Allein 100 Milliarden Planeten in der Milchstraße sind habitabel. Im Universum gibt es hunderte Milliarden weitere Sonnensysteme. Warum sollen wir alleine sein? Beweisen können wir es trotzdem nicht.“ Gröning schließt mit großer Wahrscheinlichkeit aus, dass die Menschheit jemals Kontakt zu anderen Lebewesen aufnehmen könnte, dafür sind die Distanzen zu unvorstellbar. Auch gehe die Entwicklung weg von der Erforschung des Weltraums in Richtung der virtuellen Welt. „Es werden noch ganz unvorstellbare Dinge entwickelt werden – vorausgesetzt die Menschheit zerstört sich vorher nichts selbst.“

„Moderne Astronomen arbeiten nicht mehr direkt am Teleskop“

Nöske von der Sternenwelt Vogelsberg arbeitet am Haus der Astronomie in Heidelberg und hat bereits in den USA mit dem Hubble Teleskop gearbeitet und sich in Chile in den Anden aufgehalten. „An dem Teleskop arbeiten mehrere hundert Wissenschaftler. Unsere Aufgabe war es das Teleskop technisch auf dem besten Stand zu halten.“ Hubble ist ein Satellitenteleskop mit einem Lauf von etwa 12-13 Metern. Ein großer Vorteil gegenüber anderen Teleskopen: Es ist kein Streulicht vorhanden und somit kommt es nicht zum sogenannten Seeing. Nöske erzählte außerdem von seiner Zeit in Chile: „Man sitzt in einem Computerraum und steuert von dort aus das Teleskop. Die dort gewonnenen Daten verarbeitet man dann zu Hause. Der Ulrichsteiner beschäftigt sich vor allem mit Galaxien und der Chemie und Entwicklung von Sternen. Eine seiner größten Erfolge war die Entdeckung einer sogenannten inneren Uhr der Galaxien: Alle Galaxien entwickeln sich etwa gleich schnell, je nachdem wie groß sie sind. Große Galaxien zum Beispiel entwickeln sich schneller und mehr Sterne auf einmal, allerdings ist ihr Gas auch entsprechend schnell verbraucht und ihre Entwicklung somit zu Ende. Auf die Idee, sich mit den Sternen zu befassen, kam Nöske übrigens bei einer Schlittenfahrt bei Nacht in Ulrichstein.

Ein Astrocamp in Südafrika

Auch lustige Ideen sind in der Sternenwelt entstanden. Während einem der Astrocampings kam zum Beispiel die Idee auf, in Südafrika eine Sternenwelt zu erbauen. Einer kannte einen Farmbesitzer, ein Anderer baute die Teleskope zusammen – und so stehen mittlerweile vier Beobachtungsinstrumente auf der Farm eines südafrikanischen Bauern, der sich darüber freut, dass seine Gästebetten stets gefüllt sind. Der große Vorteil an Afrika: Die Milchstraße lässt sich von dort viel besser beobachten und durch die fast nullprozentige Luftfeuchtigkeit gibt es dort kaum Seeing. Auch gibt es viel weniger Lichtstörung. Wolken bemerkt man dort nur, wenn die Sterne plötzlich verschwinden, denn die Nebelschwaden sind durch das wenige Licht nicht weiß angestrahlt.