Gruppenbild mit Stengel: vor einer der beiden neuen Windkraftanlagen. Fotos: mb

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Offizielle Einweihung der zwei neuen Windkraftanlagen bei Zeilbach„Windenergie reduziert Schulden“

ZEILBACH (mb). Knapp zwei Jahre dauerte die Planungs- und Bauphase, aber am Freitagnachmittag war es soweit: Da fand die offizielle Einweihung der zwei neuen und rund 210 Meter hohen Windkraftanlagen bei Zeilbach durch die Gemeinde Feldatal und die ausführenden Firmen statt.

Einmal mehr mit dem Windkraft-Unternehmen RENERTEC hat die Gemeinde Feldatal die zwei Windkraftanlagen im „Zeilwald“von dem Windkraftanlagen-Produzenten ENERCON aufstellen lassen. Das ging nicht geräuschlos ab: Kurz vor der endgültigen Genehmigung gab es viele Proteste, die Anlagen seien zu lärmintensiv, noch mehr Belastung würden die Bürger nicht ertragen, denn es stehen immerhin schon 14 Windkraftanlagen in Sichtweite der Zeilbacher Gemeinschaft.

Bürgermeister Dietmar Schlosser wies auf regelmäßige Bekanntmachungen hin, lenkte aber zum Schluss ein und es wurde sich, zusammen mit der Firma RENERTEC, auf eine Anlage weniger geeinigt. Um diese und weitere Themen drehte sich auch der Freitagnachmittag in Zeilbach.

Nach einer Besichtigung der Anlagen durch alle Beteiligten folgt eine kurze Runde zu Kaffee und Kuchen, um alle Akteure und Bürger über den Stand der Dinge zu informieren. Dietmar Schlosser appelliert dabei an die Wichtigkeit von erneuerbaren Energien. Den Anfang der Windenergie im Feldatal setzte die Jakobsmühle in Windhausen in den 90er Jahren. Die Gemeinde befasse sich schon immer mit dem Thema Windenergie als saubere Energiequelle. Aber auch für Deutschland sei diese mit der Energiewende ein wichtiges Thema geworden. Dietmar Schlosser distanziert sich klar von der Atomstromversorgung und den damit verbundenen Lasten, die wir in die Zukunft transportieren.

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Treffen in der Natur, wo für die Fundamente ein großes Loch gegraben wurde.

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Weiterhin macht er die Zuhörer auf die Vorteile der Windkraftanlagen innerhalb der Feldataler Kommunen aufmerksam. „Die Energiewende wird von oben gelenkt“, so Schlosser. Über den sogenannten „Teilregionalplan Energie Mittelhessen“ würden bestimmte Gebiete in  Hessen als für die Windenergieanlagen geeignete Gebiete markiert. In Mittelhessen sind das zwei Prozent der Flächen und auch in Feldatal seien Flächen ausgewiesen. „Wenn wir diese Flächen nicht nutzen, dann tun es andere – sehen tun wir die Anlagen dann aber trotzdem“.

Die Gemeinden Mücke und Ulrichstein planen bereits weitere Anlagen. Von den 16 Windkraftgeneratoren, die seit 2012 am Biehnes stehen, seien zehn von einer anderen Gemeinde und vier von Privatpersonen aus Zeilbach. Mit den neuen Anlagen könne das Feldatal den Haushalt ausbalancieren und die Schulden der Gemeinde auf Dauer tilgen. Und dies sei sicher das Ziel der Mehrheit der Feldataler Bürger.

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„Windenergie reduziert Schulden“: Bürgermeister Schlosser bei seiner Erklärung.

Dabei sei die Genehmigung einer solchen Windkraftanlage gar nicht mal so einfach. Denn neben verschiedenen Instanzen, die ihr OK für den Bau der Anlagen geben mussten, befand sich die Gemeinde im stetigen Austausch mit den Entscheidungsträgern, mit dem Ziel den Bau der Anlagen auf kommunale Flächen zu lenken, um spätere Einnahmen für die Gemeinde in Zukunft erzielen zu können.

„Ich kann verstehen, dass viele gegen die Anlagen sind“
Gleichzeitig zeigt Bürgermeister Schlosser aber auch Verständnis für die Gegner der Anlagen. Ihm sei bewusst, dass diese nicht grundsätzlich gegen erneuerbare Energie stünden, jedoch aber gegen die Lärmbelastung und die Veränderung des Landschaftsbildes.  Allerdings dürfe man neben den Vorteilen für den Klimaschutz, die Einnahmen der Gemeinde und den bereits vorher erwähnten Bau von Anlagen durch andere Kommunen nicht außer Acht lassen.

Denn seine Pflicht als Bürgermeister und auch die der Beigeordneten und Gemeindevertreter sei es einen ausgeglichenen Haushalt zu erwirtschaften und die Gebühren für die Bürger nicht zu erhöhen. Trotz allem sei  „Windenergie auf Teufel komm raus“ nicht die richtige Lösung, die Vorteile für die Menschen vor Ort müssten stimmen und deswegen habe die Firma RENERTEC auch auf den Bau der dritten Anlage verzichtet.

„Die Anlagen werden einen Ertrag von 90.000 Euro jährlich erbringen“
Insgesamt sehe man über Zeilbach weitaus mehr Anlagen laufen, als zur Kommune Feldatal gehören und die daher keine Erträge erzielen. In Anbetracht der Tatsache, dass das Land Hessen weitere Vorranggebiete für diese Flächen ausgewiesen hat, sei es doch besser, wenn man auf Anlagen aus der eigenen Kommune und damit verbundene Einnahmen, als auf Anlagen ohne Vorteile für die Bürger, blicke.

Die zwei neuen Anlagen im „Zeilwald“ bei Zeilbach seien damit ein großer erster Erfolg für das Engagement für Windenergie. Die Anlagen der Firma Enercon produzieren mit mittlerweile 3MW-Leistung sauberen Strom. Die Zusammenarbeit mit der Firma RENERTEC sei zufriedenstellend verlaufen und auch mit allen anderen Beteiligten habe es einen stetigen Austausch gegeben.
Auch Geschäftsführer Christoph Eckert und Projektleiter Fritz Gemmer der Firma RENERTEC klärten die Zuhörer über die Beschaffenheit und den Bauvorgang der neuen Anlagen auf und übergaben anschließend das Wort an die Bürger. Nachdem die Genehmigung der Anlagen am 16. Januar 2015 kam, habe sich der Bau der beiden Anlagen von April bis November  vollzogen, woraufhin die Rotorenblätter anfingen sich zu drehen – seit Januar laufen diese nun reibungslos.

Für den Aufbau der Windräder musste das Gebiet rund um die Anlagen gerodet werden, allerdings werden diese anschließend durch die Mitarbeiter von Riedesel wieder aufgeforstet. Beschwerden habe es bisher aus keiner Kommune gegeben. Die neuen Windkraftanlagen der Firma Enercon seien zudem nun eine Leistungsklasse höher als die vorherigen 14 Anlagen. Die Leistung wurde von 2,3 auf drei Megawatt gesteigert. Projektleiter Fritz Gemmer bedankte sich für die tolle Zusammenarbeit und wies auf die noch fehlende Abnahme des Aufzugs durch den TÜV hin. „Deswegen haben wir heute auch noch keine öffentliche Besichtigung gemacht. Diese werden wir dann im Sommer mit einer kleinen Feier plus Besichtigungsmöglichkeit nachholen“. Er plädiert auf die tolle Partnerschaft mit dem Feldatal und weist auf die optimale wirtschaftliche Nutzung in der Kommune hin. „Viele Standorte werden unwirtschaftlich betrieben“.

„Eine öffentliche Einweihung wird es im Sommer geben“ Auf besorgte Fragen der Bürger betreffend die Lärmbelastung konnten der Geschäftsführer und Projektleiter von RENERTEC diese beruhigen. „Die Abnahme durch einen Gutachter wird zeitnah erfolgen. Wir sind allerdings positiv eingestellt, dass die Grenzwerte sogar unterschritten werden“. Die neuen Rotorenblätter wurden mit einem „Add-On“ ausgestattet – sogenannte Sägezahnblatthinterkannten verringern die Lärmbelastung und steigern die Energieeffizienz. „Die beiden neuen Anlagen sind doppelt so effizient wie vier der alten“, so Projektleiter Fritz Gemmer. Zudem steht eventuell ein für die Feldataler Bürger vergünstigter Stromtarif in Aussicht. „Dies macht die aktuelle Gesetzeslage allerdings noch nicht möglich“.

In einer abschließenden Rede bedankt sich Ortsvorsteher Horst Hugo Geiß noch einmal bei der Firma RENERTEC für die tolle Zusammenarbeit und einer Spende in Höhe von 10.000 Euro für den örtlichen Spielplatz.