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Überraschende Wende: Lauterbach kauft Parkplatzgelände am Bahnhof Nord doch nichtNeues Nachdenken über den Bahnhofsplatz

LAUTERBACH (aep). Es sollte eigentlich der platzende Knoten werden, eine Entscheidung, mit der alle zufrieden wären: Der lange diskutierte Ankauf des Lauterbacher Bahnhof-Grundstücks sollte am Montagabend in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss beschlossen werden. Es sah nach Einvernehmen aus, zumal der Kaufpreis erheblich gesunken war. Aber dann stellt die CDU nochmal die Frage: „Und dann? Was ist mit den Folgekosten?“ Nun ist der Beschluss noch einmal zurückgestellt. Es darf diskutiert und vorgeplant werden.

Es geht immer noch um jene knapp 6000 Quadratmeter Bahnhofsgelände, über deren Ankauf das Lauterbacher Stadtparlament seit über einem Jahr diskutiert. Jene Fläche hinter dem Bahnhofsgebäude, auf der heute Pendler gerne ihr Auto abstellen. Zuerst schien der Kaufpreis zu hoch, dann der Nutzen zu gering – am Montagabend zur Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss aber schien der Kauf auch für außen stehende Beobachter beschlossene Sache: Noch 29.500 Euro verlangte die Bahn AG für das Gelände, das in jedem Fall auch künftig für Bahnreisende zur Verfügung gestellt werden soll – nach gut 100.000, mit denen die Verhandlungen einmal begonnen hatten. Ausnahmsweise dufte der Ausschuss selbst auch die endgültige Entscheidung fällen, statt nur eine Empfehlung auszusprechen. Das bedeutet, dass der Beschluss mehr als Formsache angesehen wurde.

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Und die Folgekosten? Die CDU blieb auch in der jüngsten Sitzung skeptisch und setzte einen weiteren Aufschub durch.

Da meldet sich für die CDU Felix Wohlfarth zu Wort und bringt noch einmal die Folgekosten zur Sprache, die der Kauf mit sich bringen würde. Man sehe ja durchaus eine Notwendigkeit, diese Fläche seitens der Stadt zu nutzen – aber erst brauche man ein Konzept. Denn immerhin beinhalte der Kauf rund 24.000 Euro jährliche Folgekosten. Der fällige Beschluss sollte also zurückgestellt werden, um Kosten und Konzept zu ermitteln – und der bereits enthaltene Kaufpreis solle im Haushaltsplan erst einmal mit einem Sperrvermerk versehen werden.

Das sah Berthold Habermehl seitens der SPD ganz anders: „Wir sind weit günstiger als erwartet dazu gekommen“, frohlockte er und riet: Nun müsse die Stadt das zum Verkauf stehende Gelände erst einmal sichern, um es entwickeln zu können. Auch Daniel Schmidt zeigte gute Laune ob dieser Entwicklung: „Das ist Stadtentwicklung, die wir nun dort betreiben können!“ Auch er verfiel in den allgemeinen Tenor des Danks in Richtung Verwaltung, die den Preis so herunter handelte. Die Fläche sei für die Nutzung des Bahnhofs von elementarer Bedeutung.


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Wie wichtig ist das Bahnhofsgelände für Lauterbach? Darüber wird nun noch einmal disktutiert: Es geht um Folgekosten.

Doch bei der CDU meinte man die Frage nach folgenden Kisten ernst, verdeutlichte Dr. Jens Mischak, der auch andere kostenträchtige Projekte in Lauterbach verwies: „Es sind die Folgekosten, die uns auffressen.“ Das beginne auf dem Grundstück sofort nach dem Kauf, weil dann ein Buswendeplatz eingerichtet werden solle, der die letzten Jahrzehnte nicht nötig schien. Auch der Untergrund müsste hergerichtet werden: „Das sieht schlimmer aus als ein Handgranaten-Wurfstand.“

Deshalb laute die Formel der CDU: erst berechnen und dann beschließen. Dafür gab es dann auch eine Mehrheit von fünf zu vier Stimmen – mit Kopfschütteln bei der SPD: „Alles noch mal von vorn!“