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Windkraft: Seismograf bei Zell bringt Bewegung in Romröder StandortdiskussionWas Windkraftanlagen mit Erdbeben gemein haben

ZELL (ol). Eine Messstation für Erdbeben bringt derzeit Wind in die Flächenplanungen für erneuerbare Energien der Stadt Romrod – und möglicherweise Wasser auf die Mühlen der Windkraftgegner. Denn der Seismograf braucht Ruhe im Boden, um Unruhen registrieren zu können. Windkraftanlagen aber lassen den Boden schwingen. Die Frage ist: Welche Auswirkungen hat das?

Bereit seit 2002 ist die die Apparatur des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie westlich von Zell in dem Hochbehälter am Krätenberg untergebracht und zeichnet Bodenbewegungen auf. Dabei werden über ein Seismometer Schwinggeschwindigkeiten ermittelt und mittels Computertechnik an eine Zentrale nach Wiesbaden übermittelt und in Echtzeit ausgewertet. Wie Dr. Matthias Kracht vom Hessischen Erdbebendienst informierte, konnten dort schon Erdbeben aufgezeichnet werden – zuletzt am 2. Dezember an der A5 bei Homberg/Ohm in zehn Kilometern Tiefe eines mit der Stärke 1,8 (Magnitude).

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Unauffällig, aber aktiv und bald möglicherweise ein Politikum: das seismische Messgerät im Hochbehälter bei Zell. Fotos: privat

Überwachung des Erdbebengebietes Südhessen

Die Kernaufgabe der Messstation liegt bei der Überwachung des Erdbebengebietes Südhessen am Rand des Oberrheingrabens. Insgesamt acht gleichartige Anlagen wurden um dieses Gebiet installiert, die Nördlichste davon bei Romrod. „Es wurde im Bereich des Vogelsberges ein ruhiger Standort mit entsprechender Infrastruktur gesucht“, erklärt Dr. Kracht zur Auswahl des Standortes.

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Eine Liste zeigt auf, wo die Erde gebebt hat:

http://www.hlug.de/start/geologie/erdbeben/aktuelle-ereignisse.html

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Aber Windkraftanlagen könnten die Erdbebenmessstationen stören, weil die diese Schwingungen im Boden erzeugen. „Die Frequenzen, die durch den Betrieb der Windkraftanlagen erzeugt werden, sind genau die, die auch für die Erdbebenlokalisierung gemessen werden sollen“. Seine Behörde arbeitet derzeit an einer Empfehlung für Abstandsregelungen von Windkraftanlagen zu Erdbebenstationen, die möglicherweise bis zu zehn Kilometer betragen könnten.

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Die Karte aus dem Regierungspräsidium zeigt, wo es Anfang Dezember zehn Kilometer unter dem Vogelsbergkreis gebebt hat.

Laut Regierungspräsidium in Gießen gilt derzeit ein Abstand von fünf Kilometern. „In Abstimmung mit der Obersten Landesplanungsbehörde gilt ein Abstand von fünf Kilometern um bestehende Erdbebenstationen als Restriktionskriterium für die Ausweisung von regionalplanerischen Vorranggebieten zur Nutzung der Windenergie“, so Gabriele Fischer. Sie hob hervor, dass eine Verlegung von Anlagen oder technische Vorkehrungen vor Ort Konflikte auslösen könnten.

Das Phänomen betrifft auch die Planungen des Regierungspräsidiums Gießen und der Stadt Romrod zu vorgesehenen Flächen für Windkraftanlagen bei Zell. Die beiden Fraktionen der Romröder Stadtverordnetenversammlung kommentierten die neuen Erkenntnisse abwartend. „Unsere Fraktion wird die geplanten Regelungen des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie wertfrei hinnehmen müssen“, so der CDU/FWG-Fraktionsvorsitzende Thilo Naujock. „Letztendlich bleibt abzuwarten, ob eine Empfehlung des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie auch umgesetzt wird.“ Gegebenenfalls müsse man sich wegen der Windkraftanlagen erneut mit dem Thema befassen, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende Arndt Planz.

 

 

Foto:
Klein und unscheinbar: Der Seismograph im Hochbehälter bei Zell