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SeniorenheimWechsel bei Menetatis in Grebenau: Ex-Chefs schildern ihre Sicht der Dinge

ALSFELD/GREBENAU (akr). Vor einigen Wochen berichtete Oberhessen-live, dass es im Menetatis- Seniorenzentrum in Grebenau wieder einen Wechsel in der Einrichtungsleitung gab. Renate Buß trat die Nachfolge von Tobias Thieme an, der zuvor Marco Schmitt an der Führungsspitze ablöste. Auf Nachfrage von OL erklärte Menetatis-Geschäftsführerin Sandra Leps damals, warum Buß‘ Vorgänger die Einrichtung verlassen haben sollen – und genau die haben sich nun bei OL gemeldet, um zu den Aussagen von Leps Stellung zu nehmen.

Seit dem 1. Mai 2021 haben die Pflegeheime der Cura-Sana-Gruppe in Grebenau und Freiensteinau einen neuen Betreiber – und zwar die Menetatis GmbH mit Sitz in Bedburg. Insgesamt drei Leitungen hat es in der Einrichtung in Grebenau seither gegeben. Zunächst war es Marco Schmitt, der zuvor auch die Leitung des Cura-Sana-Hauses innehatte. Er wurde schließlich zum 1. September 2021 von Tobias Thieme abgelöst, der dann aber auch das Seniorenzentrum verlassen hatte.

Auf Nachfrage von Oberhessen-live erklärte die Menetatis-Geschäftsführerin Sandra Leps in dem Artikel von Anfang April, dass mit der Übernahme der ehemaligen Cura-Sana-Einrichtung eine große Umstrukturierung auf dem Programm gestanden hätte und der ehemalige Leiter Marco Schmitt schnell für sich entschieden hätte, dass er das nicht „möchte“. Leps betonte, dass eine solche Umstrukturierung, also ein Wechsel der Betreiber, schon ein „Kraftakt“ sei.

Für Marco Schmitt klang diese Aussage so, als hätte er keine Lust gehabt, einen solchen „Kraftakt“ auf sich zu nehmen. Das sei aber nicht der Fall gewesen. „Eine Umstrukturierung kann ein Neuanfang sein, gerne hätte ich mich dieser Aufgabe gestellt und diese auch bewältigt“, erklärt Schmitt, der sich aber
aus persönlichen Gründen dafür entschied, das Anstellungsverhältnis zu beenden.

Bedingt durch den Insolvenzantrag der Cura Sana seien bis zur Übernahme durch die Menetatis vier Monate in vorläufiger, beziehungsweise in der Insolvenz vergangen. Diese Übergangszeit zu bewältigen, ohne Personal aus Existenzängsten zu verlieren, das sei ein „Kraftakt“ gewesen. „Der Kraftakt fand also im Vorfeld statt“, betont Schmitt. Diesen habe er aber durch die gute Zusammenarbeit mit dem „Stammpersonal“ und Tobias Thieme, der damals noch die Pflegedienstleitung innehatte, meistern können. So habe man es damals geschafft, dass alle Mitarbeiter von der Menetatis übernommen worden seien, wie Schmitt erzählt.

Die Sicht von Tobias Thieme

Auch sein Nachfolger Tobias Thieme, der vor Buß die Einrichtungsleitung übernommen hatte, nimmt zu den Aussagen der Geschäftsführerin Stellung. Leps erklärte gegenüber OL, dass Thieme „durch und durch Pflegedienstleiter“ sei und dieser sich mit der Aufgabe der Leitung „selbst übernommen“, aber sein Bestes gegeben“ habe. Da seine ehemalige Stelle als Pflegedienstleiter aber schon von Janine Pempel besetzt war und es auch ein „persönlicher Rückschritt“ gewesen wäre, wie Leps erklärt, habe er sich entschieden, die Einrichtung zu verlassen.

Dass Thieme „durch und durch Pflegedienstleiter“ war, das bestreitet er nicht, schließlich habe er den Beruf des Pflegedienstleiters auch mit Herzblut ausgeübt, so wie es jeder, der in der Pflege arbeitet, laut Thieme auch machen sollte. Er sei aber keineswegs als Einrichtungsleiter überfordert gewesen, so habe er nämlich die Aussagen von Leps interpretiert. Thieme habe sich nicht „selbst übernommen“, wie er betont.

Es sei von Anfang an sein Ziel gewesen, als er 2017 im Seniorenheim in Grebenau anfing – damals noch unter Cura Sana – später mal die Einrichtungsleitung zu übernehmen, denn er habe schon immer als Einrichtungsleiter arbeiten wollen, deshalb machte er von 2013 bis 2015 auch ein duales Studium zum Einrichtungsleiter. Doch auch er habe sich aus persönlichen Gründen dazu entschieden, das Arbeitsverhältnis selbst zu beenden – so wie Schmitt.

„Ich arbeite gerne als Leitung. Wenn ich den Job nicht ernst nehmen würde, wäre ich fehl am Platz. Die Aussage, dass ich überfordert war, ist vehement abzustreiten“, betont Thieme, der mittlerweile auch schon wieder längst als Einrichtungsleitung arbeitet, und zwar in Schwarzenborn, während Schmitt bei der gleichen Trägerschaft in Herbstein die Leitungsposition innehat. „Wir fühlen uns dort beide sehr gut aufgehoben“, so Thieme und Schmitt.

Nachdem Thieme gekündigt hatte, hatte sich Menetatis nach jemand „ganz neuen“ umgeschaut, der nicht ‚vorbelastet‘ von einer anderen Trägerschaft war, wie Leps damals erklärte und wurde schließlich mit Renate Buß fündig. Doch auch sie hat mittlerweile das Seniorenzentrum in Grebenau verlassen. „Es ist richtig, Frau Buß hat Ihren Arbeitsvertrag zum 15.05.2022 gekündigt“, erklärt Mathias Neumayer, geschäftsführender Gesellschafter von Menetatis auf Nachfrage von OL.

Ein Gedanke zu “Wechsel bei Menetatis in Grebenau: Ex-Chefs schildern ihre Sicht der Dinge

  1. Das ist genau das Bild, das der private Altenpflege-Sektor seit Jahren bietet. Ständig wechseln die Träger der Einrichtungen und mit ihnen das Führungspersonal. Die Qualität der Pflege bleibt beim Umstrukturierungs-Monopoly weitgehend auf der Strecke. Und von einer effektiven Heimaufsicht können die Bewohner nur träumen. Das überforderte Pflegepersonal stellt die Pflegebedürftigen mit Psychopharmaka ruhig (https://www.abendblatt.de/ratgeber/article233532441/demenz-beruhigungsmittel-mediziner-pflege-depression.html). 60% der Pflegeheime fallen negativ auf. Und den Rest erledigt dann die Behandlungspflege mit im Durchschnitt 8 verschiedenen Medikamenten, deren unabgestimmte Nebenwirkungen die Senioren früh unter die Erde bringen.

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