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Pläne für Lehrkräfteakademie auf Bücking-Gelände vorgestellt - Übergabe im April 2024 geplant„Wir bauen Zukunft in vielerlei Hinsicht“

ALSFELD (ls). Nicht nur, dass es gute Nachrichten so kurz vor Weihnachten sind, es ist außerdem ein Aushängeschild für die Stadt: Die Hessische Lehrkräfteakademie bekommt einen Neubau auf dem Alsfelder Bücking-Gelände. Im Rathaus wurden nun die Pläne des Vorhabens offiziell vorgestellt.

Acht Jahre nach dem verheerenden Großbrand wird dem brachliegenden Areal am Stadtrand von Alsfeld neues Leben eingehaucht: Bis 2024 soll dort auf etwa 6.000 Quadratmetern ein vierstöckiger Neubau samt Parkflächen entstehen, in dem die Lehrkräfteakademie einzieht.

Das teilen die Kultusstaatssekretär Manuel Lösel, Bürgermeister Stephan Paule, die Vizepräsidentin der Lehrkräfteakademie, Heide Steiner, Erster Kreisbeigeordneter Jens Mischak, CDU-Landtagsabgeordneter Michael Ruhl und die VR-Bank Vorstandsmitglieder Ralph Kehl und Helmut Euler auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Alsfelder Rathaus offiziell mit. Dazu wird das Gelände der Bank durch das Kultusministerium für 15 Jahre angemietet. Dass die Akademie tatsächlich auf das Bücking-Gelände zieht, hatte OL bereits am Mittwoch berichtet.

Lehrkräfteakademie kommt aufs Bücking-Gelände

„Ein Umzug ist nicht nur eine Herausforderung für alle Beteiligten, sondern vor allem auch eine große Chance, langfristig die richtigen Weichen zu stellen. Ich freue mich sehr, dass wir in Alsfeld eine Immobilie finden konnten, die den Anforderungen der Belegschaft an modernes Arbeiten gerecht wird und gleichzeitig die Lehrkräfteakademie mit ihren vielfältigen Aufgaben weiter stärkt“, erklärte Kultusstaatssekretär Manuel Lösel.

Mit der Verlagerung komme man zudem einem der zentralen Anliegen in dieser Legislaturperiode nach: der Stärkung des ländlichen Raums. Als klar wurde, dass die Lehrkräfteakademie aus Frankfurt nach Alsfeld und Gießen ziehen wird, habe man sich auf die Suche nach geeigneten Standorten begeben, die nicht nur eine gute Bahnanbindung aufweisen, sondern auch an der Autobahn liegen und nach Möglichkeit in der Mitte von Hessen. Anfragen seien aus vielen Städten in ganz Hessen gekommen. „Einer der diesbezüglich sehr rührig gewesen ist, war der Alsfelder Bürgermeister“, sagte Lösel. So sei die Stadt schnell in den Fokus gerückt.

Früh, so sagte Lösel, habe Paule die Stadt als geeigneten Standort vorgestellt und Vizepräsidentin Steiner, die selbst aus Kirtorf stammt und das Alsfelder Gymnasium besuchte, bestätigte später, dass die erste Anfrage auf 2015 zurück ging, konkreter wurde es dann 2016. Bei einem Besuch in der Innenstadt habe Lösel festgestellt, dass es fast schon nicht mehr schöner als Alsfeld geht. In der Stadt selbst sei die Entscheidung am Ende zwischen zwei möglichen Standorten getroffen worden, das Bücking-Areal habe sich durchgesetzt. Am Dienstag wurde der Vertrag unterschrieben.

Kultusstaatssekretär Manuel Lösel im Alsfelder Rathaus. Alle Fotos: ls

„Der Standort war perfekt“, sagte der Kultusstaatssekretär. Das Areal liegt nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt, es gibt eine direkte Anbindung auf die A5 und fußläufig sei man in wenigen Minuten in der Innenstadt.

Neubau als Stück Innovation

„Es ist für die Mitarbeiter besonders wichtig, dass wir in direkter Nähe zum Bahnhof liegen. Das ist ein großer Pluspunkt für die Beschäftigten, die künftig nach Alsfeld pendeln werden. So können wir mit möglichst vielen der jetzigen Kolleginnen und Kollegen an den neuen Standort umziehen“, sagte Steiner. Insgesamt sollen die 430 Verwaltungsmitarbeiter der Lehrkräfteakademie, die sich derzeit auf die Hauptstelle in Frankfurt und die Außenstellen in Kassel, Gießen und Wiesbaden verteilen, ab August 2024 in Alsfeld und Gießen arbeiten.

Allerdings sei schon jetzt klar, dass fünf bis zehn Prozent der Mitarbeiter nicht mitgehen würden, weshalb man auf der Suche nach neuen Mitarbeitern sei, erklärte Steiner. Sie selbst habe die Region früh verlassen und freue sich nun als Erwachsene wieder zurück zu kommen. Der Umzug und der Neubau sei auch für Sie eine Herausforderung, doch man lerne jeden Tag dazu. „Alsfeld ist mit dem Neubau ein Stück Innovation.“

Bürgermeister Stephan Paule machte deutlich, dass es sich um einen besonderen Tag für die Stadt handele.

„Mit dem Neubau werden wir den Ansprüchen an ein modernes Arbeiten gerecht. Wir setzen auf eine flexible Nutzung der beiden Standorte. Deshalb erarbeiten wir derzeit ein Konzept, das auch mobiles Arbeiten vorsieht und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördert“, erläuterte Lösel. Konkret heißt das: Homeoffice wird ermöglicht, nicht immer seien alle Mitarbeitenden im Büro – was sich in der Anzahl der Arbeitsplätze zeigt.

 Über 200 Arbeitsplätze, 6.000 Quadratmeter Nutzfläche

Neben mehr als 200 Arbeitsplätzen stehen Besprechungszimmer mit weiteren 230 Plätzen zur Verfügung. Auf jeder Ebene des viergeschossigen Gebäudes, das sich auf drei Flügel aufteilt, werde es zentrale Treffpunkte für die Belegschaft geben. Ein besonderer Schwerpunkt liege auf modernen, die Teamarbeit fördernden Büroräumen, wie Open Space. Hinzu komme ein Außenbereich im Erdgeschoss mit großzügiger Terrasse.

Der Gebäudekomplex, einschließlich der 164 Parkplätze, umfasse eine Nutzfläche von knapp 6.000 Quadratmetern. Es sei vorgesehen, dass das Gebäude und die überdachten Parkflächen mit einer Photovoltaikanlage zur Eigenstromversorgung belegt werden.

Grafik: Lageplan der neuen Lehrkräfteakademie/VR Bank Hessenland

Der ungenutzte Teil des Gesamtgrundstücks von etwa 11.000 Quadratmetern lasse weitere Entwicklungen zu – denkbar seien beispielsweise andere Behörden oder aber ein Ärztezentrum. „Vor uns liegt ein ambitionierter Bauzeitenplan“, betonte Mirco Otto der Geschäftsfeldverantwortliche, der VR Bank. Die bauvorbereitenden Arbeiten seien bereits für März 2022 geplant, der Baubeginn sei voraussichtlich im Sommer geplant. Die Übergabe sei bis zum 1. April 2024 vorgesehen, damit anschließend der Umzug erfolgen kann.

Unter Federführung von Otto, sei der Zuschlagsentscheidung des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH) eine intensive Konzeptentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Alsfelder Architekturbüro Schmidt & Strack vorausgegangen. Das Ergebnis könne sich sehen lassen. „Wir bauen Zukunft in vielerlei Hinsicht“, erklärte Vorstandsvorsitzender Helmut Euler. Das Projekt liege ihm besonders am Herzen, da man zur Bildung beitrage, das mache ihn stolz.

Der Neubau der Lehrkräfteakademie sei kein Projekt für die kurze Dauer, sondern ein Projekt für die Zukunft, zu dem die gut 40.000 Mitglieder der Bank beitragen. Der Bank-Vorstand sei davon überzeugt, dass mit der Ansiedlung der Lehrkräfteakademie ein weiterer Meilenstein zur positiven Förderung der Region vollzogen wird, hieß es vonseiten des Geldinstituts. Der Kreislauf der regionalen Wertschöpfung zeige sich schließlich auch in den Gewerbesteuerzahlungen, maßgeblich an die Stadt Alsfeld von jährlich etwa eine Millionen Euro.

Auch Erster Kreisbeigeordneter Jens Mischak und CDU-Landtagsabgeordneter Michael Ruhl waren vor Ort. Beide freuten sich, dass nach dem Finanzamt mit dem Neubau der Akademie nun die zweite Landesbehörde seinen Weg in den Kreis finde. „Wir haben noch mehr Ministerien und noch viel Platz“, sagte Mischak. Die Akademie tue Alsfeld und der ganzen Region gut.

„Die Verlagerung von Behörden in den ländlichen Raum ist strukturpolitisch die richtige Entscheidung“, betonte Bürgermeister Stephan Paule an dem für ihn besonderen Tag. „Ich freue mich umso mehr darüber, dass ein Standort der Lehrkräfteakademie, zu der mich auch frühere berufliche Bande verbinden, mit über 200 Arbeitsplätzen hier in Alsfeld entsteht.“

Schon früh habe er auf das Bücking-Gelände als Standort aufmerksam gemacht und freue sich, dass somit eine innerstädtische Leerstelle gefüllt werde. Außerdem sei es gut, wenn „kleinere Städte eine Mischung von Arbeitsplätzen anbieten zu können. Akademische Arbeitsstellen in dieser Größenordnung sind selten“, sagte Paule. Auch deshalb habe die Lehrkräfteakademie eine besondere Bedeutung für die Stadt.

Kurzer Blick auf die Geschichte

Nach dem verheerenden Brand im Jahr 2013 lag das Gelände lange Zeit brach. Im Dezember 2017 wurde die VR-Bank Hessenland durch den Kauf des zum damaligen Zeitpunkts brachliegenden, fast 24.000 Quadratmeter großen Geländes samt Brandruine zum neuen Eigentümer, die Sondermannhalle war bereits Eigentum der Bank. In enger Abstimmung mit der Stadt, so erklärte Vorstandsvorsitzender Helmut Euler damals, sollte eine sinnvolle und zukunftsweisende Verwendung gefunden werden. Genaue Pläne gab es nicht, allerdings kursierten mehrere Spekulationen.

Schon im Oktober 2019 gab es Mutmaßungen, wonach eine neue Polizeiwache auf dem Bücking-Gelände entstehen könnte. Mittlerweile steht fest, dass die Polizei keine neue Wache bekommen wird. Stattdessen wird die alte saniert und erweitert.

Stadträtin Anita Schlorke, Heide Steiner, Vizepräsidentin Hessische Lehrkräfteakademie, VR-Bank-Vorsitzender Ralph Kehl, Kultusstaatssekretär Manuel Lösel, Bürgermeister Stephan Paule, Helmut Euler, Vorstandsvorsitzender VR Bank, Erster Kreisbeigeordneter Jens Mischak, der Geschäftsfeldverantwortliche Mirco Otto und CDU-Landtagsabgeordneter Michael Ruhl.

Als 2020 dann bekannt gegeben wurde, dass die Hessische Lehrkräfteakademie nach Alsfeld ziehen soll, war es Paule, der auf das Bücking-Gelände als einen möglichen Standort verwies und der bereits im September 2016 die Landesregierung wegen Behördenverlagerung angeschrieben und dabei auch die Lehrkräfteakademie ins Spiel gebracht hatte.

3 Gedanken zu “„Wir bauen Zukunft in vielerlei Hinsicht“

  1. Ja, endlich Innovation und eine Weiterentwicklung für Alsfeld.

    Jetzt noch FTTH Anschlüsse und wir sind save für die nächsten 15-20 Jahre hier.

    16

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