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Änderung des Bebauungsplans sorgt für Diskussionen im StadtparlamentÜber das Für und Wider von Photovoltaikanlagen

ELBENROD (ls). Die beide Ortsteilfeuerwehren von Hattendorf und Elbenrod haben sich zusammengeschlossen und sollen jetzt ein gemeinsames, neues Gerätehaus bekommen. Im Juni diesen Jahres sollen die Bauarbeiten los gehen und eigentlich herrschte über die Grundsatzentscheidung auch Einigkeit bei den Stadtverordneten, doch die Ausgestaltung – oder besser: Das Für und Wider einer möglichen Photovoltaikanlage – sorgte nun doch nochmal für Diskussionen.

Eigentlich sollte nur der Bebauungsplan geändert werden, doch das neue Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehren Elbenrod und Hattendorf sorgte in der Sitzung des Alsfelder Stadtparlaments doch nochmal für Diskussionen – oder besser gesagt ein Aspekt des Klimaschutzes. Es ging um die mögliche Einplanung einer Photovoltaikanlage auf dem geplanten Neubau, um die Vorteil und Nachteile, die für Diskussionen sorgten. Dazu allerdings später mehr.

Die Brandschützer aus beiden Ortsteilen haben sich zusammengeschlossen und stellen eine gemeinsame Einsatzabteilung im Brandfall. Bislang fehlt allerdings noch ein neues Feuerwehrgerätehaus, da die beiden alten Gebäude nicht mehr zeitgemäß sind. Entstehen soll das Feuerwehrhaus mit einer Fahrzeughalle samt zwei Stellplätzen, einem Umkleideraum, Sanitäranlagen und einem Schulungsraum mit Platz für etwa 30 Menschen auf der freien Fläche „An der Hirtsecke“ in Elbenrod.

Neues FFW-Gerätehaus Elbenrod/Hattendorf: Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2021 beginnen

Nachdem im vergangenen Jahr die Förderzusage vom Land Hessen erteilt wurde, wartet die Stadt derzeit noch auf die Baugenehmigung, die Arbeiten für den Rohbau, Heizung, Sanitäranlagen, Lüftung und Elektro wurden ausgeschrieben und auch vergeben. Mitte Juni sollen die Bauarbeiten beginnen, erklärte Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule dem Stadtparlament.

ALA-Antrag stieß nicht auf Gegenliebe

„Obwohl wir gestern in der Bauausschusssitzung schon erfahren haben, dass unsere Vorschläge zur energetischen Aufrüstung des Feuerwehrneubaus in Elbenrod auf wenig Gegenliebe bei Bürgermeister Paule und den anderen Fraktionen stoßen, haben wir trotzdem nochmals den Antrag eingebracht“, sagte ALA-Mitglied Konrad Rüssel vor dem Stadtparlament. Gemeint war damit ein Änderungsantrag des Bebauungsplans, der Passivhausstandards beinhaltet und eine Photovoltaikanlage auf dem gesamten Dach und der Ostfassade.

Die Problematik der Emissionsminderung sei für die ALA-Fraktion von zentraler Bedeutung, führte Rüssel aus. Vorgaben zur Energieeffizienz und Nutzung von erneuerbaren Energien würden aber im Bebauungsplan fehlen. Aus Sicht der Fraktion sei es bei der Diskussion im Ausschuss hauptsächlich um die Wirtschaftlichkeit gegangen, dabei hätten die ursprünglichen Architekturpläne auch eine Nutzung von PV-Anlagen vorgesehen. Dabei hätte es sich um sechs Paneele auf dem Dach der Fahrzeughalle. „Dass diese Minivariante nicht wirtschaftlich ist, liegt auf der Hand“, erklärte Rüssel.

Dennoch sei das neue Feuerwehrhaus in Elbenrod durchaus mit der Feuerwache in Alsfeld vergleichbar, wobei eine wirtschaftlich arbeitende PV-Anlage auf dem Dach installiert wurde. Da in Elbenrod eine mit Strom betriebene Wärmepumpe zum Einsatz kommen soll, könne eine PV-Anlage hier gut und wirtschaftliche ergänzt werden. „Die Kombination Photovoltaik plus Wärmepumpe ist überhaupt das System, das in den nächsten Jahren für viele Gebäude im ländlichen Raum zur Ausführung kommen muss“, sagte Rüssel. Das gelte auch für städtische Gebäude, um bis 2030 die Emissionen um 65 Prozent zu verringern. Ein wichtiger Baustein seien hier auch die Privathäuser, allerdings könne das Gerätehaus in Elbenrod als künftiges Vorzeigeprojekt gelten.

Paule: Feuerwache und Gerätehaus kein Vergleich

Das neue Gerätehaus sei nicht mit der Feuerwache in Alsfeld zu vergleiche, konterte Paule darauf. Einerseits habe die Feuerwache in Alsfeld eine größerer Dachfläche zur Verfügung und andererseits sei der Grundbedarf dort erheblich höher, da die Feuerwache auch täglich mit hauptamtlich Beschäftigten besetzt sei. Es sei richtig, dass die Photovoltaikanlagen zunächst eingeplant wurden, sie allerdings an dieser Stelle nicht rentabel seien und deshalb – auch von Fachleuten – nicht empfohlen wurden.

In der Zeit in der SPD und ALA die politische Verantwortung trugen, seien von 2003 bis 2013 – also in zehn Jahren – lediglich sieben Anlagen auf städtischen Dächern installiert worden, die nicht einmal im Eigentum der Stadt seien, sondern privaten Investoren gehören. Zum Vergleich führte der Bürgermeister die sechs Jahre von 2015 bis 2021 an: Dort wurden 29 private und 224 städtische Anlagen errichtet. „Dass die Stadt in diese Hinsicht zu wenig tut ist falsch. In den letzten sechs Jahren wurde dahingehend mehr getan als in zehn Jahren davor“, sagte Paule.

Auf der Grünfläche soll das neue Feuerwehrgerätehaus seinen Platz finden. Foto: Screenshot OL

Hier gelte es vor allem, dass man die großen Dachflächen mit Photovoltaik ausstatte, so wie es bei der Feuerwache in Alsfeld gemacht wurde. 99 Anlagen haben dort Platz gefunden. Auch auf der neuen Kita in Alsfeld wurde Photovoltaik mit eingeplant, der Bauhof habe bereits Anlagen bekommen und die Kita Bechtelsberger Strolche soll bei der bevorstehenden Sanierung ebenfalls ausgestattet werden.

Als ALA und SPD politische Verantwortung trugen seien die städtischen Gebäude auf die Tragfähigkeit von PV-Anlagen geprüft worden, erklärte ALA-Fraktionschef Michael Riese darauf. Die meisten Gebäude hätten sich als nicht tragfähig erwiesen. Paule zähle bei seiner Ausführung Gebäude auf, bei denen es sich um Neubauten handele und die es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab – ein Vergleich könne man entsprechend schlecht ziehen. dennoch gab Riese Paule Recht: Photovoltaik lohne sich auf großen Flächen eher und gehöre deshalb bei allen städtischen Bauvorhaben von vornherein mit eingeplant.

Übereinstimmende Meinungen bei den anderen Fraktionen

Das gehe allerdings nur, wenn es es die baulichen Voraussetzungen und die Umgebung zulassen würden, führte Dieter Welker von der UWA aus. Hier müsse im Einzelfall entschieden werden, und in Elbenrod würde es die bauliche Substanz nicht zulassen, da die Anlagen zum Teil im Schatten liegen würden. CDU-Fraktionschef Alexander Heinz erinnerte daran, dass es hier im Grund darum gehe, für die beiden ehrenamtlichen Ortsteilfeuerwehren, endlich auch entsprechende Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit zu schaffen.

Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Achim Quehl äußerte sich zu den Diskussionen, führt allerdings an, dass man sich eingestehen müsse, dass eine PV-Anlage hier einfach nicht passe. „Ich könnte, wenn ich wollte, aber wollen können, kann ich nicht.“ Während der Änderungsantrag der ALA mehrheitlich abgelehnt wurde, wurde der Änderung im Bebauungsplan mehrheitlich zugestimmt – einzig die ALA enthielt sich.

3 Gedanken zu “Über das Für und Wider von Photovoltaikanlagen

  1. An die Redaktion,
    Es sind keine 29 bzw. 224 Anlagen
    sondern es handelt sich hierbei um Kwp (Kilowatt Pik) bei 2 Anlagen. Im Vergleich sind es nur 7 Anlagen die eine Leistung von 212 Kwp haben.

  2. Warum ist denn eine Wärmepumpe in Verbindung mit der Photovoltaik sinnvoll? Wenn ich auf dem Dach Strom erzeuge, ist das – für mich als Privathaushalt – sinnvoller, wenn ich den mit Speicher erzeuge und möglichst viel davon selbst verbrauche.
    Wenn ich für die Wärme im Winter noch ein kleines Blockheizkraftwerk nutze, das nebenbei noch Strom produziert, bin ich doch wirtschaftlich gesehen, besser bedient, als über die Wärmepumpe – gerade in älteren Häusern.

  3. Die Ausführungen des Herrn Rüssel sind richtig Wärmepumpe und Photovoltaik gehören zuasmmen.Es sei nicht rentabel von Fachleuten ? empohlen ha ha ha.

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