
Umfrage in Vogelsberger Rathäusern / Teil 2 zum Thema NahversorgungBürgermeister antworten: Wo Automaten-Läden sinnvoll wären
VOGELSBERGKREIS (-) Automaten-Läden als Alternative zum fernen Supermarkt in Vogelsberger Dörfern sind bereits seit ein paar Jahren im Gespräch. Der regionale Anbieter Smart Retail Solutions GmbH, so die These, könnte mit Teo-Läden Lücken in der Versorgung schließen. Aber wo und wie? Vogelsberger Bürgermeister geben in einer kleinen Umfrage Auskunft, ob die Idee realistisch ist: Wird „Teo“ gebraucht?
Die Antworten fallen recht unterschiedlich aus. Mancher Rathaus-Chef sieht die Dörfer eigentlich ausreichend versorgt: durch kleine, örtliche Supermärkte vor Ort oder in der Nähe. Mancher wünscht sich dagegen in bestimmten Dörfern unbedingt eine Verbesserung des Angebots – gerne auch durch einen Automatenladen. Das soll auch Menschen helfen, die nur eingeschränkt mobil sind. Manche sind aktiv auf der Suche.
Lautertal: „Thema bewegt die Menschen“
Zu ihnen gehört zum Beispiel Lukas Becker, Bürgermeister in Lautertal mit knapp 2300 Köpfen. Das Thema bewege „die Menschen nach wie vor stark“, sagt er. „Im Rahmen einer Bürgerumfrage im Jahr 2025 wurde der Wunsch nach einer örtlichen Nahversorgung sehr häufig geäußert.“
Das ist Anlass zum Handeln, erklärt er: „Derzeit befinden wir uns in Lautertal hierzu im Gespräch mit möglichen Betreibern, um auszuloten, wie ein solches Modell in unserer Kommune erfolgreich umgesetzt werden könnte. Aus diesem Grund kann ich aktuell noch keine weiteren konkreten Angaben machen.“
Grebenau: wenig Bedarf, keine Aussicht
Sein Kollege Lars Wicke in Grebenau sieht keine Aussicht auf einen Teo-Laden im Gründen. „Wenn man die Bevölkerung fragt, gäbe es sicher Interesse an „ einem TEO Markt“, erklärt er. „Allerdings haben sich die Läden aus den Stadtteilen vor Jahren , teilweisen Jahrzehnten, nicht verabschiedet, weil sie die Nachfrage nicht bedienen konnten. ‚Große Märkte‘ in den Mittelzentren haben die nötige Kaufkraft in den Dörfern aufgesogen.“
Beim Aufkommen der To-Idee gab es auch eine Anfrage, damals waren aber 1500 bis 1800 Einwohner im Ort gefordert. „Aus diesem Grund gibt es im Vogelsberg keinen Teo – entweder die Dörfer sind zu klein oder es gibt normalen Einzelhandel.“
Grebenau selber hat 800 Einwohner. Aus diesem Grund hatte Tegut kein Interesse an einem Standort im Gründchen. Außerdem hatten wir damals noch zwei Edeka Märkte in Grebenau direkt. Heute gibt es noch einen dieser beiden Märkte, und einen Netto Markt, der vor 2,5 Jahren eröffnet hat.“
Antrifftal: vergebliche Nachfragen nach Nahversorger
Vergeblich bemühte sich der Antrifftaler Bürgermeister Dietmar Krist. Er erklärt: „Es ist immer ein entscheidener Standortvorteil, wenn man ein Angebot zur Nahversorgung vor Ort bieten kann, um Dinge des täglichen Bedarfs kaufen zu können. Gerade für den Teil der Bevölkerung, der nicht so mobil ist und auf Unterstützung angewiesen ist, aber auch für alle anderen kann das eine Alternative zum großen Einkaufsmarkt sein. Man kann dort in Ruhe und zu jederzeit einkaufen. Das ist dann auch für die Pendler interessant.
In der Vergangenheit hatte ich schon etliche Anstrengungen unternommen, um die Nahversorgung zu verbessern.
Vor etlichen Jahren waren die ehrenamtlich geführten Dorfläden eine gute Alternative. Ich hatte daher schon vor Jahren Kontakt mit den Lebensmittelketten aufgenommen, ob die Möglichkeit besteht, in der Fest- und Sporthalle in Ruhlkirchen einen sogenannten Dorfladen einzurichten. Leider war die Antwort unisono, dass wir zu klein sind und sich dies nicht rechnet. Zudem liegen wir im 10km-Radius zu Alsfeld, Neustadt und Treysa, wo überall bereits ein reichhaltiges Angebot vorhanden ist.
Meine Idee war dann, ob nicht die Möglichkeit besteht, dass diese Ketten einen Lieferservice anbieten, da man inzwischen vereinzelt auch seinen Einkaufswagen online bestücken und dann vor Ort abholen kann. Dies funktioniert in großen Städten sehr gut. Auch hier war die Antwort der Lebensmittelversorger, dass sich dies nicht rechnen würde und sie dies deshalb nicht anbieten würden.“
Gemünden: vergebliche Anfrage
Auch der Gemündeter Bürgermeister Daniel Wittenberg hat Ähnliches vergeblich versucht, erklärt er. Zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2022 habe er über das Onlineportal bei Tegut mal den Vorschlag eingereicht, „nachdem ich telefonisch dorthin verwiesen wurde“.
Er habe den Ortsteil Ehringshausen vorgeschlagen, da die Ortsteile Burg- und Nieder-Gemünden mit einem Netto Markt versorgt sind. „Daraus wurde allerdings nichts.“
Derzeit kein Bedarf in Ulrichstein und Schwalmtal
Keinen Bedarf sieht indes der Ulrichsteiner Bürgermeister Steffen Scharmann, der auf Nachfrage erklärt:
„Im Stadtgebiet von Ulrichstein bestehen bereits heute verschiedene Verkaufsautomaten sowie kleinere Selbstbedienungsangebote. Darüber hinaus wird die Nahversorgung derzeit insbesondere durch den vorhandenen Nahkauf in der Kernstadt getragen, der für viele Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Anlaufstelle darstellt. Grundsätzlich stehen wir neuen Technologien und innovativen Konzepten zur Sicherstellung der Nahversorgung sehr ergebnisoffen gegenüber. Automatisierte und personalfreie Verkaufsformen können insbesondere im ländlichen Raum interessante Ergänzungen darstellen und dabei helfen, bestehende oder zukünftige Versorgungslücken zu schließen.
Bislang haben wir uns jedoch noch nicht intensiver mit entsprechenden Konzepten beschäftigt. Gleichzeitig setzen wir weiterhin bewusst auf eine kunden- und bürgernahe Versorgung durch Menschen, sofern diese auch künftig gewährleistet werden kann und sich keine veränderten Bedarfe insbesondere in den Ortsteilen ergeben.“
Auch Schwalmtals Bürgermeister Timo Georg erklärt kurz und bündig: „In Schwalmtal gibt es zwei Dorfläden, so dass derzeit kein Bedarf für automatisierte Läden besteht.“
Schlitzerland Versorgung „insgesamt gut aufgestellt“
Ähnlich die Antwort aus Schlitz, wo der Fachbereichsleiter Stadtmarketing, Oliver Rohde erklärt:
Die Nahversorgung im Schlitzerland ist derzeit insgesamt gut aufgestellt. Neben einem bestehenden Tegut-Markt verfügen wir im Stadtgebiet über weitere Supermärkte und Discounter. Ergänzend dazu gibt es in Ortsteilen regionale Anbieter mit SB-Automaten, die das Angebot insbesondere im ländlichen Raum sinnvoll erweitern.
Einen losen Erstkontakt zur früheren Handelskette Tegut beziehungsweise zum Konzept der Teo-Märkte gab es in der Vergangenheit sowohl durch die Stadtverwaltung als auch durch einen Ortsbeirat. Vor dem Hintergrund der aktuellen Versorgungslage sowie bereits bestehender Teo-Standorte im näheren Umfeld, wie beispielsweise in Michelsrombach, blieb es bislang allerdings bei diesem ersten Austausch.
Hombergs Bürgermeisterin möchte Möglichkeiten prüfen
Prüfen würde Hombergs Bürgermeisterin Simke Ried gerne den Bedarf, weil sie gewissen Bedarf erkennt. Sie erklärt:
„Sowohl im Kernstadtbereich, als auch in den Stadtteilen ohne Nahversorgungsangebot sollte die Ergänzung durch ein 24/7-Lebensmittelgeschäft geprüft werden, um insbesondere die eingeschränkt mobilen Bürgerinnen und Bürger besser zu unterstützen. Als wesentliche Herausforderungen sind jedoch die in der Regel höheren Preise sowie das deutlich eingeschränkte Sortiment zu nennen. Vor diesem Hintergrund bevorzugen viele Personen – sofern möglich – weiterhin die Mitnahme durch Dritte zu oder den Einkauf durch Dritte in herkömmlichen Versorgungsstrukturen.
Aufgrund der ländlich geprägten Struktur von Homberg (Ohm) besteht der Vorteil, dass in allen Stadtteilen Grundnahrungsmittel wie Eier, Milch und weitere Produkte innerhalb der unmittelbaren Nachbarschaft bezogen werden können. Ergänzend hierzu trägt der Einsatz eines mobilen Bäckerwagens zur lokalen Versorgungsstruktur bei.“
Ein Vorstoß bei Tegut sei gescheitert, „aufgrund der erwarteten geringen Kundenfrequenz in Homberg (Ohm).
Lauterbach: Interesse in Wallenrod
Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller erklärt:
„In der Vergangenheit bestand der Wunsche aus der Bürgerschaft des Stadtteils Wallenrod – als einer der größeren Stadtteile – hinsichtlich einer Nahversorgung, da der bestehende Lebensmittelversorger in der Vergangenheit geschlossen hat. Die Wege in die Kernstadt sind für die überwiegenden Stadtteile nicht weit und gut erreichbar. In zwei Lauterbacher Stadtteilen hat es bereits Bestrebungen gegeben, einen Tegut…teo anzusiedeln. Aufgrund der mindestens erforderlichen Einwohnerzahl kam dies jedoch jeweils nicht zustande.“
Alsfeld: Interesse, aber Gespräche blieben ohne Erfolg
Grundsätzlichen Bedarf in manchen Ortsteilen Sicht auch Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule – derzeit aber ohne Aussicht Erfolg. Er erklärt:
Grundsätzlich ist die Stadt Alsfeld in der Summe im Bereich Lebensmittelversorgung sehr gut aufgestellt und hat eine Versorgungsquote von über 160 Prozent. Das heißt, es besteht theoretisch eine Überversorgung, würde man nur die Einwohner Alsfelds betrachten. Als Mittelzentrum, Schul-, Arbeits- und Einkaufsstandort haben wir jedoch auch eine Versorgungsfunktion für z.B. benachbarte Kommunen in der Region. Theoretischen Versorgungsbedarf gibt es daher in Alsfeld und den Stadtteilen nicht.
Praktisch gesehen wäre es selbstverständlich für die Menschen in den Stadtteilen angenehm, insbesondere Menschen mit eingeschränkter Mobilität, sich weiterhin selbst durch einen Einkauf vor Ort versorgen zu können.
Auch wir haben daher seitens der Wirtschaftsförderung bereits in der Vergangenheit Kontakt zu Anbietern wie z.B: Tegut mit seinem Konzept „TEO“ aufgenommen um auszuloten, ob z.B. Leusel, Angenrod oder Lingelbach als möglicher Standort in Frage käme. Trotz deren verkehrlichen Anbindung und dem möglichen Einzug benachbarter Stadtteile und anderer Kommunen bestand (bisher) jedoch letztlich kein Interesse an einer Umsetzung. Selbstverständlich sind wir weiterhin offen für derartige Konzepte in den Stadtteilen.“
Warum „Teo“ derzeit kein Thema ist im Vogelsbergkreis
Das Thema ist zur Zeit etwas theoretisch, da Smart Retail Solutions GmbH, gegründet als Tochter der Tegut-Handelskette, nach deren Ende mit der Umstellung zu tun hat. In einem weiteren Beitrag zum Thema erklärt die Sprecherin Jessica Becker gegenüber Oberhessen-live Gründe für die Zurückhaltung im Vogelsbergkreis.
von Axel Pries
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