Gesellschaft0

Taugt "Teo" zur Versorgung auf dem Land? Das Unternehmen gibt EinblickWarum es in Vogelsberger Dörfern noch keine Automaten-Läden gibt

VOGELSBERGKREIS (-) Als die Tante Emma-Läden aus den Dörfern verschwanden, war das Bedauern groß. Weil viele Menschen für den kleinen Einkauf gerne einen Laden in der Nähe hätten. Der trägt sich aber nicht. Eine Lösung bieten Geschäfte, die ohne Personal auskommen. „Teo“ heißt so ein Konzept, mit dem die Tegut-Kette die Initiative ergriff. 40 dieser Automatenläden gibt es – aber keinen im Vogelsbergkreis. Warum eigentlich? Das Unternehmen gibt Einblick.

„Teo“ hat es bekanntlich derzeit nicht leicht. Als Tochter der Tegut-Kette gegründet, war die Firma Smart Retail Solutions GmbH (auf Deutsch: Intelligente Einzelhandelslösungen) mit dem Projekt „Teo“ zur selbstständigen Schwester gewandelt, aber mit der Aufgabe von Tegut ist vieles wieder offen. „Wir befinden uns in einer Klärungsphase“, erklärt die Sprecherin Jessica Becker auf Anfrage. Zur Zeit sei das mit 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch überschaubare Unternehmen mit der „Optimierung der bestehenden Läden“ beschäftigt. „Eine Expansion haben zur Zeit nicht im Blick“, meint sie. Zudem laufe wegen der Veränderung der Unternehmen derzeit eine Prüfung durch das Kartellamt.

Leute sind weite Strecken gewohnt

Vor diesem Hintergrund mag sie zur Zeit keine Hoffnung machen, meint aber: „Es ist nie ausgeschlossen, dass ein ‚Teo‘ irgendwo angesiedelt wird. Der Vogelsbergkreis sei allerdings nicht die optimale Gegend dafür, obwohl es Gemeinden mit wenig Angebot gibt. Das liege einerseits daran, dass die Nachfrage nicht groß genug sein könnte: „Die Leute sind es gewohnt, mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren. Sie fahren lieber weiter zu Supermärkten, weil es dort mehr Auswahl gibt.“ Es gebe ja auch Bürgerbusse, die diese Märkte anfahren.

Foto: Ben Pakalski / www.pakalski-press.de

Weite Strecken bergen große Kosten

Es gibt nach ihrer Darstellung handfeste wirtschaftliche Gründe für eine Zurückhaltung. Der Vogelsberg ist dünn besiedelt, die Wege zwischen den Dörfern sind weit. „Teo“ sei ja verhältnismäßig klein, und die automatisierten Läden müssten versorgt werden – sprich: regelmäßig per Lastwagen beliefert werden. Wenn aber ein Lastwagen nur für einen einzelnen „Teo“ weit übers Land fahren müsste, sei das zu teuer.

Auch bei den automatisierten Minimärkten müsse man die Lieferketten beachten, vor allem bei verderblichen Lebensmitteln, die besondere Beachtung brauchen. „Wir müssen auf die Route achten“, sagt die Sprecherin. Belieferung, Wartung, Reinigung, letztlich die Investition in die Technik: Das seien auch für diese Läden Kosten, die reinkommen müssen.

Zumal das Unternehmen für die Teo-Märkte größere Ansprüche hege.So heißt es auf der Website: „Wir revolutionieren die Zukunft des Einzelhandels für ein modernes Einkaufserlebnis.“ Man wolle preislich mit Supermärkten vergleichbar sein, sagt Jessica Becker. Und wenn man auch mit Discountern nicht mithalten kann, „sind wir doch weit, weit weg vom Tankstellenladen.“

Dass es gewissen Bedarf gibt, sieht sie auch. „Wenn Bürgermeister auf uns zukommen, ist das ein gutes Zeichen.“ Es gab schon Anfragen aus dem Vogelsbergkreis und auch aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Es kann sich also noch einiges entwickeln: „Wir sind noch in der Pionierphase.“

von Axel Pries

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.

Einloggen Anonym kommentieren