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Landratswahl 2023Vogelsberger SPD stellt keinen Landratskandidaten

VOGELSBERG (ol). Bei der Landratswahl im Herbst 2023 wird die Vogelsberger SPD keinen eigenen Kandidaten stellen – dafür aber einen Kandidaten für die Landtagswahl. Ende September soll der bekannt gegeben werden. 

Das teilte jetzt der SPD-Kreisvorsitzende Patrick Krug mit, nachdem in einer gemeinsamen Sitzung von Kreisvorstand, Kreistagsfraktion und den Vorsitzenden der Ortsvereine ein entsprechender Beschluss gefasst wurde. Zuvor hatte in der vergangenen Woche bereits die CDU Vogelsberg angekündigt den jetzigen Ersten Kreisbeigeordneten Jens Mischak als Kandidaten und möglichen Nachfolger ins Rennen um das Amt des Landrats zu schicken.

„Das Herz sagt ja, der Kopf sagt nein – das fasst den Inhalt von vielen Gesprächen, die der Entscheidungsfindung über den Sommer vorausgegangen sind, gut zusammen“, begründete Krug die Entscheidung seiner Partei. Natürlich habe die SPD den Anspruch, den Vogelsbergkreis weiterhin zu gestalten. „Rein emotional betrachtet hätte es daher nahegelegen, auch bei der kommenden Landratswahl wieder mit einer eigenen Kandidatur ins Rennen zu gehen. Nüchtern und bei Lichte betrachtet sprachen aber die besseren Argumente gegen eine Kandidatur, gerade auch um unserer Verantwortung als Teil der Kreiskoalition und damit als gestaltende Kraft gerecht zu werden“, sagte Krug.

So arbeite man seit nunmehr über sechs Jahren im Landkreis gut und vertrauensvoll mit der CDU und deren Landratskandidaten Jens Mischak zusammen, den man gemeinsam 2016 und 2022 zum hauptamtlichen Ersten Kreisbeigeordneten gewählt und damit das Vertrauen in seine Arbeit bekundet habe.

Interessen des Kreises vor eigene Partei stellen

Das diese Zusammenarbeit erfolgreich sei, belege die gute Entwicklung des Vogelsbergkreises in den letzten Jahren, die beispielhaft daran deutlich werde, dass die Einwohnerzahl des Landkreises im letzten Jahr erstmals seit langen Jahren wieder gestiegen sei. „Ein Wahlkampf um das Amt des Landrats zwischen zwei Bewerbern aus der Kreiskoalition birgt natürlich die Gefahr, dass die gute Arbeit ins Stocken gerät und es zu Konflikten und Reibungen kommt“, erklärt Krug. Das könne der Vogelsbergkreis nicht gebrauchen.

Das hätten in der Vergangenheit auch andere Parteien so gesehen, denn bei allen Landratswahlen im Vogelsbergkreis in den letzten knapp 20 Jahren gab aus den Reihen der jeweiligen Kreiskoalitionen, an denen ganz unterschiedliche Parteien beteiligt waren, immer nur eine Kandidatur. „Vielleicht ist die Überzeugung, dass die Interessen des Kreises immer vor denen der eigenen Partei stehen müssen, eine Art Vogelsberger Stil“, rief Krug in Erinnerung.

Zudem stehe auch der Vogelsbergkreis durch die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, wirtschaftlichen und finanziellen Verwerfungen durch Inflation und Energiekrise, die weiterhin spürbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie oder den Kampf gegen den Klimawandel vor besonderen Herausforderungen, die den vollen Einsatz der Kreispolitik verlangen würden. Ein mehrmonatiger Wahlkampf innerhalb der Koalition um das Amt des Landrats könne hierdurch noch größere negative Auswirkungen haben.

Natürlich sei man sich in der Diskussion bewusst gewesen, dass man als politische Partei auch Verantwortung für eine lebendige Demokratie trage, zu der gehöre, dass es bei Wahlen bestenfalls die Auswahl zwischen mehreren Bewerberinnen und Bewerbern gäbe, zumal die SPD bisher die einzige Partei im Vogelsbergkreis sei, die bei jeder vergangenen Landratswahl einen Kandidaten gestellt habe und mit Manfred Görig auch der aktuelle Landrat SPD-Mitglied sei.

Als Teil einer Mehrheitskoalition sei man eben aber auch gefordert, der Verantwortung, die man für die weitere Entwicklung des Landkreises habe, gerecht zu werden.

SPD will Landtagskandidaten stellen

„Wir haben uns nach reiflicher Überlegung und Abwägen aller Argumente für Letzteres entschieden. Politik für den Vogelsbergkreis und seine Menschen macht die SPD aber auch weiterhin. Wir werden uns auch zukünftig inhaltlich und personell an entscheidender Stelle in der Kreispolitik einbringen. Darüber hinaus konzentrieren wir uns voll darauf, dass bei der am gleichen Tag stattfindenden Landtagswahl es endlich einen Politikwechsel in Hessen gibt und der Vogelsberg wieder durch einen sozialdemokratischen Abgeordneten im Hessischen Landtag vertreten wird“, betonte Krug und kündigte an, dass der SPD-Kreisvorstand Ende September einen Landtagskandidaten nominieren und vorstellen werde.

Abschließend wies Krug darauf hin, dass die Entscheidung der SPD, mit keiner eigenen Kandidatur zur Landratswahl anzutreten, frei und selbstbestimmt getroffen worden sei. „Es gab von Seiten der CDU keine Forderung an uns, auf eine Kandidatur zu verzichten. Auch gibt es keine zusätzliche Vereinbarung zu der im veröffentlichten Koalitionsvertrag enthaltenen Regelung zur jetzigen und zukünftigen Besetzung des hauptamtlichen Kreisausschusses. Der Verzicht auf eine Kandidatur ist alleine die aus den geschilderten Beweggründen resultierende freie Entscheidung der SPD.“

4 Gedanken zu “Vogelsberger SPD stellt keinen Landratskandidaten

  1. Spätestens mit dem letzten Absatz der Presseerklärung von Herrn Krug wird klar, dass es sich um ein „abgekartetes Spiel“ handelt, das bereits zum Zeitpunkt der letzten Koalitionsverhandlungen „bedacht“ wurde.

    Gleichzeitig den Umstand zu erwähnen, dass jedoch ein Kandidat der SPD für die Landtagswahl aufgestellt wird, offenbart das Armutszeugnis der gesamten Argumentation.

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  2. Also die Begründung ist doch wirklich lächerlich. Wenn alle so denken, dann ist die Demokratie bald am Ende. Oder ist es der Plan, die SPD in die CDU zu überführen? Es sind zwei Parteien, Koalition hin oder her!

    Herr Krug als Kreisvorsitzender der SPD will sich offenbar gegen den von Görig aufgebauten Kreisbeigeordneten Mischak keine blutige Nase holen. Wenn er sich zu fein ist für den Job, sollte er zurücktreten. Übrigens macht es mit der gleichen Argumentation auch keinen Sinn, sondern gefährdet ebenfalls die gute Koalitionsarbeit, einen Landtagskandidaten aufzustellen.

    Bitte Herr Krug: treten Sie sofort zurück!

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  3. der romröder wird wieder linker wie schon mal und kandidiert als landrat (verbesserung der rente), programm bedarf es keines, und phrasen dreschen ist gar nicht so schwer; passend zum einzigen landratskandidaten ist das schwarzer, aber trauriger humor (tempora mutantur et nos in illos mutamur – ein dr. der juristerei muss sowas verstehen)!

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  4. Warum auch einen Landratskanditaten stellen. SPD und CDU tauschen halt nur die Gesichter.
    Hoffentlich stellen andere Parteien einen Gegenkandidaten. Könnte interessant werden, wenn die Wähler die Partei wählen und nicht die Person.

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