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150 IG-Gegner protestieren vor FeuerwacheBürgerdialog zum Industriegebiet mündet in Chaos und Protest

ALSFELD (akr). Ein Bürgerdialog für die Eifaer zum geplanten Industriegebiet „Am weißen Weg“ sollte es werden – dazu hatte jedenfalls der Ortsbeirat Eifa am Donnerstagabend in die Feuerwache in Alsfeld eingeladen. Doch es kam alles anders. Tumultartige Szenen, lauter Protest, und erhitzte Gemüter gab es vor der Feuerwache zu sehen und zu hören.

80 Menschen hätten an dem Bürgerdialog teilnehmen dürfen, doch es war fast die doppelte Anzahl, die am Donnerstagabend ihren Weg zur Feuerwache fanden. Um 19 Uhr hätte die Veranstaltung eigentlich starten sollen, für diese Uhrzeit hatte der Ortsbeirat Eifa jedenfalls eingeladen. Doch noch eine andere, anonyme Einladung zum Bürgerdialog machte die Runde – und auf dieser war bereits für 18.30 Uhr eingeladen. Ergo: Der Saal war schon voll und zahlreiche Menschen standen vor der Tür und wurden nicht mehr reingelassen. Die Stimmung vor der Tür kochte.

„Holt die anderen da raus und lasst die Eifaer rein“, rief ein Mann sichtlich verärgert. Und mit seinem Ärger war er nicht allein. Denn es hatten sich nicht nur Bürger aus Eifa einen Platz im Saal gesichert, sondern auch aus Alsfeld und den umliegenden Dörfern. „Die Alsfelder bekommen keine Chance, das ist nicht fair, es betrifft uns alle“, rief ein anderer Herr lauthals. Es herrschte Unverständnis und eine angespannte Atmosphäre.

Denn es waren eben nicht nur Bürger aus Eifa gekommen, sondern auch zahlreiche Mitglieder der Bewegung „Alsfeld – Region mit Zukunft.“ Die Bewegung habe sich eine halbe Stunde vorher draußen treffen wollen, sprich um 18.30 Uhr, wie Mit-Initiatorin Nicole Dörr erklärte. Aber jemand anderes aus einer „anderen Gruppe“ habe diesen Termin mit 18.30 Uhr übernommen und das in der OZ veröffentlicht, sodass alle Leser der Zeitung gedacht hätten, es würde schon um 18.30 Uhr anfangen. Es sei nicht die Bewegung „Alsfeld – Region mit Zukunft“ gewesen, die diesen Termin verbreitet habe.

Ein anonymer Flyer mit der „neuen“ Uhrzeit 18.30 Uhr, der plötzlich die Runde machte.

Schon vor 19 Uhr waren also alle 80 Plätze belegt. Aufgrund der geltenden Corona-Regelungen hatten die Veranstalter und die Stadt schon im Vorfeld festgelegt, die Anzahl auf 80 Teilnehmer zu begrenzen. Kurzerhand entschieden sich die Teilnehmer, bei denen es sich zum Großteil um Gewerbegebiet-Kritiker handelte, den Sitzungssaal zu verlassen – getreu der Devise: „Alle oder Keiner“. Es verließen aber nicht alle den Saal, etwa 25 bis 30 blieben, wie Bürgermeister Stephan Paule und Ortsvorsteher Rainer Feldpusch im Nachgang gegenüber OL erklärten. Der Reporterin unseres Magazins war es selbst in den Wirrungen des Abends um den vollen Saal nicht gelungen, die Veranstaltung drinnen mitverfolgen zu können, weil auch ihr zeitweise kein Einlass gewährt wurde.

Die Kritiker forderten, die Veranstaltung doch nach draußen zu verlegen, damit alle daran teilnehmen könnten. Doch die Veranstalter blieben bei ihrem Plan vom Bürgerdialog, zeigten anhand einer Powerpoint-Präsentation den aktuellen Planungsstand zum Industriegebiet – was draußen nicht gegangen wäre – und beantworteten die Fragen der noch im Sitzungssaal gebliebenen Teilnehmer. „Es gab auch spitze und kritische Nachfragen, aber alles lief gesittet und ordentlich“, sagte Paule.

Auch Plakate wurden mitgebracht.

Für ihn sei es der gezielte Versuch gewesen, aus einer Informationsveranstaltung eine politische Protestveranstaltung zu machen. Die Gegner könnten von ihm aus eine eigene Veranstaltung planen, aber eben nicht eine andere „kapern“. Dass es an diesem Abend lauter werden könnte, dass hätte sich Feldpusch denken können. Er hätte aber nicht gedacht, dass sich so „viele anstecken lassen“ und den Raum verlassen, sagte er. Eine größere Räumlichkeiten, sodass mehr Menschen hätten teilnehmen können, habe es nicht gegeben, erklärte Paule. Ursprünglich war die Turnhalle in Eifa als Örtlichkeit vorgesehen, doch da sind derzeit Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht. „In der Turnhalle wäre noch weniger Platz gewesen“, erklärte Paule.

Während im Sitzungssaal der Feuerwache der geplante Bürgerdialog lief, äußerten die rund 150 Menschen unter der Moderation der Schwestern Sina und Nicole Dörr aus Eifa ihre Gedanken zum Industriegebiet, stellten verschiedene Forderungen auf und äußerten ihre Wünsche – beispielsweise nach früherer Beteiligung der Bürger, dass diese ernst genommen werden sollen, und dass einen Bürgerentscheid zum Industriegebiet geben soll.

Der Protest vor der Feuerwache verlief friedlich – auch, wenn es zwischendurch etwas lauter wurde, beispielsweise, als die Menschen lauthals riefen „Paule raus“ und den Rathauschef aufforderten, nach draußen zu kommen und mit ihnen in den Dialog zu treten. Er kam aber nicht, denn er nahm oben gemeinsam mit dem Ortsbeirat an der Sitzung teil, so wie es von Anfang an geplant war.

9 Gedanken zu “Bürgerdialog zum Industriegebiet mündet in Chaos und Protest

  1. wo liegt denn eigentlich dass Problem, dass zeigt doch nur, dass das Interesse der Bevölkerung sehr hoch ist. Wenn man es auf das Wesentliche reduziert, war es doch nur ein organisatorisches Problem, weil im Vorfeld offensichtlich nicht mit soviel Zuspruch gerechnet wurde. Wenn man zu einer öffentlichen Infoveranstaltung im Vorfeld einlädt und sich in Sachen Teilnehmer verkalkuliert und deswegen der Platz nicht für alle reicht, kann man doch denen keinen Vorwurf machen, die rechtzeitig gekommen sind. Der Platz hätte so oder so halt einfach nicht für alle Interessierten gereicht – egal ob Befürworter, Gegner oder neutraler Betrachter der sich einfach nur informieren will. Von daher einfach eine Neuauflage die allen gerecht wird.

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    1. Sehe ich auch so – müssen die Grünen Krakeler halt früher da sein oder damit leben, das andere den Platz haben.

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  2. Ein echter Bürgerdialog mit ALLEN interessierten Bürgern zur Not auch unter freiem Himmel wäre sicherlich wichtiger und ehrlicher gewesen als eine vorgefertigte PowerPoint-Präsentation.
    Ich kann die Politik der Stadt Alsfeld nicht mehr ernst nehmen. Das bisschen Opposition, welche es noch gibt, wird, vor allem auch in den „asozialen“ Medien, diffamiert bis aufs äußerste. Selbst die Presse wurde gestern Abend an der Ausübung ihrer Arbeit gehindert, wie im Artikel zu lesen ist.
    Hier wird auf Gutsherrenart durchregiert und normale Bürger werden als Chaoten dargestellt. Ich bin wirklich schockiert, wie selbstherrlich und unreflektiert diejenigen Personen mittlerweile agieren, die eigentlich dem Volk dienen sollen.

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    1. Wir brauchen die Natur bzw. Ackerfläche und kein Industriegebiet.
      Ich bezweifle, dass die Befürworter des IG sich ausreichend für das Klima und Nachhaltigkeit interessieren. Das betrifft uns alle.

      Die vereinzelten Protestrufe waren nicht dialogfördernd und genauso daneben wie die IG Befürworter. Dennoch lassen sich erhitzte Gemüter wegen der schlechten Organisation der Veranstaltung nachvollziehen.

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      1. Da stimme ich absolut zu. Die „Paule raus“-Rufe waren unnötig und dem bürgerlichen Protest nicht zuträglich.
        Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass unser BM in den dringend gebotenen Dialog getreten wäre

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  3. Ein echter Bürgerdialog mit ALLEN intetessierten Bürgern zur Not auch unter freiem Himmel wäre sicherlich wichtiger und ehrlicher gewesen als eine vorgefertigte PowerPoint-Präsentation.
    Ich kann die Politik der Stadt Alsfeld nicht mehr ernst nehmen. Das bisschen Opposition, welche es noch gibt, wird, vor allem auch in den „asozialen“ Medien, diffamiert bis aufs äußerste. Selbst die Presse wurde gestern Abend an der Ausübung ihrer Arbeit gehindert, wie im Artikel zu lesen ist.
    Hier wird auf Gutsherrenart durchregiert und normale Bürger werden als Chaoten dargestellt. Ich bin wirklich schockiert, wie selbstherrlich und unreflektiert diejenigen Personen mittlerweile agieren, die eigentlich dem Volk dienen sollen.

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  4. Samstag um 15:30 sollte das Bundesligaspiel beginnen. Einige anonyme Fans trafen sich aber schon um 15 Uhr vor dem Stadion. Wollten sie die Veranstaltung gezielt „kapern“? Wir berichten live und unabhängig für alle Sportfreunde – bei Oberhessen Today / RT Alsfeld.

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  5. Bürgerdialog?!
    Peinlicher geht es kaum noch, da wird ein Bürgerdialog angesetzt und die Teilnehmer sollten doch eigentlich nur Befürworter sein. OK vielleicht mal ein paar Spitzen setzen aber Gegner der Industriegebietes bei einem „Bürgerdialog“ sind nicht erwünscht. Erfreulicherweise sind trotzdem genügend Eifaer mit draussen geblieben, denn nicht alle wünschen sich den Wahnsinn am Homberg.
    An Herrn Paule und alle Abnicker—, so geht Demokratie eben nicht. Unser Bürgermeiste ist nur noch der „Meister“ seiner Jasager und Abnicker.
    Mir ist schon klar das Herr Paule hofft so schnell wie möglich mit den Bauarbeiten beginnen zu können, schließlich sollen unsere Stadtoberen ca. 25,- €/qm an die Grunbesitzer gezahlt haben. Da kommt schon ein tolles Sümmchen zusammen, was im übrigen ALLE Alsfelder Bürger, auch die Gegner mittragen müssen!

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