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Interview mit Dr. David Bender, einem Alsfelder Soldaten in Pakistan„Hier wird streng von oben geführt und von unten gedient“

ALSFELD (jal). Der Alsfelder Dr. David Bender ist gleich nach dem Abitur in die Bundeswehr eingetreten. Zurzeit befindet er sich in Pakistan. Im Interview mit Oberhessen-live erzählt er, was er über die Lage im Nachbarland Afghanistan denkt, wieso er die Altenburger Straße vermisst – und warum ein deutscher Soldat wie er die pakistanische Generalstabsausbildung absolviert.

Der Moment des Gesprächs ist klug gewählt. Ein Freitag im September, 13 Uhr deutsche Zeit, 16 Uhr Ortszeit in Pakistan. Zum Nachmittag hin ist die Stromversorgung bei Dr. David Bender recht stabil. Es ist dann auch nicht der Strom, der Probleme bereitet – sondern die Videokonferenz-App. Aber wenn man eins im Militär überall auf der Welt können muss, dann ist es improvisieren. Ein anderes Programm funktioniert tadellos.

Dr. Bender trägt zwar Uniform, doch er spricht anders, als man es von einigen anderen Soldaten vielleicht gewöhnt ist. Locker, unverkrampft, ohne viele Abkürzungen und technisch-kühle Passivsätze erzählt er von seinem Leben am Command and Staff College der pakistanischen Armee in Quetta, der Hauptstadt der Provinz Belutschistan. Die Sicherheitslage dort im Grenzgebiet zu Afghanistan ist angespannt, immer wieder verüben verschiedene Gruppen Anschläge. Die Militärschule ist streng bewacht, überall wimmelt es von Kameras und Straßensperren.

Bender ist stolz auf das, was er erreicht hat. Er ist der erste in seiner Familie mit Abitur. Der 41-Jährige entdeckte früh sein Faible für alles, was mit Militär oder anderen Sicherheitskräften wie der Polizei zu tun hat. Nach der Schule geht er zum Bund. An der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg studiert er Diplom-Pädagogik. Das Diplom macht er mit 1,3, in Würzburg folgt der Doktor mit 1,0. Nicht viele in der Bundeswehr haben einen Doktortitel, sagt er selbst. Bender ist geschieden und hat drei Töchter.

Der Alsfelder hat eine beachtliche Karriere hingelegt. Als Oberstleutnant wird die Luft nach oben langsam dünn. Bei einem Austauschprogramm mit den israelischen Streitkräften im Rahmen der Bestenförderung war er kreuz und quer in Israel unterwegs. In 2018 folgte der Posten als stellvertretender Chefausbilder der EU-Mission EUTM Mali. Seine Aufgabe: Einheimische Streitkräfte im Kampf gegen islamistische Terroristen im Norden des afrikanischen Landes auszubilden. Eigentlich ist er gerade bei der Division Schnelle Kräfte (DSK) in Stadtallendorf beheimatet – aber seit Juni ist er ein Jahr lang in Pakistan. Und von dort gibt es einiges zu berichten.

Oberhessen-live: Herr Dr. Bender, Sie sind seit Juni in Pakistan. Wenn Sie in einem Wort beschreiben müssten, wie die vergangenen Wochen für Sie waren: Welches wäre das?

Dr. David Bender: Unerwartet.

Warum unerwartet?

Ich hatte keine konkreten Vorstellungen von Pakistan, obwohl ich ein paar Bücher gelesen und mit Leuten vorher gesprochen habe. Es ist kein Tag wie der andere, obwohl es eigentlich Pläne gibt, wann was dran sein soll. Der Umgang innerhalb der Streitkräfte ist auch ein ganz anderer, als wir den in Deutschland kennen.

Was meinen Sie damit?

Pakistan lebt, was die Technik angeht, auch im Jahr 2021. Aber was die Art und Weise des menschlichen Umgangs miteinander in den Streitkräften und speziell im College betrifft, ist das doch noch eher Beginn des 20. Jahrhunderts. Das meine ich gar nicht wertend, es spiegelt lediglich mein Empfinden wider.

Wie zeigt sich das?

Trotz meines Rangs, den ich in der Bundeswehr habe, bin ich hier nur ein Student unter vielen anderen. Und zwischen Studenten und Ausbildern wird enorm auf die Hierarchie geachtet. Da herrscht ein riesengroßer Unterschied. Wir Studenten dürfen zum Beispiel diverse Treppen oder Ein- und Ausgänge nicht benutzen.

Ich fühle mich wie in einer preußischen Kadettenanstalt

Ein Soldat, der sich über Hierarchien wundert? Das klingt ein wenig verwirrend. Ist das in der Bundeswehr denn nicht genauso?

Vergessen Sie das, das können Sie gar nicht vergleichen. Ich fühle mich wie in einer preußischen Kadettenanstalt. Wenn die Ausbilder den Raum verlassen, müssen die Studenten sitzenbleiben und den Mund halten. Der Unterrichtsbeginn wird zelebriert mit dem Vorlesen einer Sure aus dem Koran, der Islam ist hier Staatsreligion. Getränke sind während der Stunden verboten. Wer zu spät kommt, wird aufgeschrieben. Hier wird streng von oben geführt und von unten gedient, dadurch sind vor allem die pakistanischen Teilnehmer auch nicht in der Lage, mal Kritik vorzubringen – was in der Bundeswehr unter den richtigen Umständen schon möglich ist. Also zusammengefasst fühlt sich aus meiner europäischen Sicht manches einfach sehr antiquiert und mitunter falsch an.

Die Unterkunft Dr. Benders. Foto: privat

Sie sagten vorab, dass auch streng auf die Trennung der Geschlechter geachtet wird, wenn bei bestimmten Veranstaltungen die männlichen Studenten mit ihren Ehefrauen zusammenkommen. Das alles führt zu der Frage: Warum absolviert ein Soldat der Bundeswehr überhaupt die pakistanische Generalstabsausbildung?

Ich hatte eine Liste mit mehreren Ländern zur Auswahl. Ich bin ganz ehrlich: Pakistan klang am exotischsten und war nach Irland meine zweite Wahl. Das Command and Staff College Quetta wurde 1906/1907 von den Briten gegründet und hat sich im Laufe der Jahre immer weiter geöffnet für sogenannte befreundete Streitkräfte. Und auf der militärischen Ebene ist heute klar: Es geht nichts ohne Allianz. Selbst die USA brauchen die Nato für gewisse Missionen. Deutschland pflegt mit Pakistan eben auch eine solche Allianz. Wir bieten ebenfalls einen derartigen Lehrgang an, an dem auch pakistanische Soldaten regelmäßig teilnehmen.

Aber dennoch ist die Konstellation der Beziehungen zwischen Pakistan und dem Westen allgemein doch eine recht ambivalente, wenn man das mal so sagen darf. Pakistan steht auf einer Liste der Nicht-Nato-Staaten, welche man in Washington dennoch als besonders enge Partner ansieht. Doch Sie sagen, von 51 Ausländern bei Ihrer Ausbildung ist kein einziger US-Soldat dabei – was wohl auch mit dem Einsatz von Drohnen der USA im „Krieg gegen den Terror“ über pakistanischem Gebiet zu tun hat. Denn durch diese Angriffe sind viele zivile Opfer zu beklagen, was dem Ruf der USA in Pakistan sehr geschadet hat. Aber für Deutschland gibt es keinen engeren militärischen Verbündeten als die USA. Das heißt doch für Sie, dass Sie sich in einem enormen Spannungsfeld bewegen.

Lassen Sie es mich vielleicht mal so sagen: Die Perzeption von Deutschland in Pakistan ist eine unheimlich gute. Die Pakistani sind sehr froh und stolz darauf, einen Deutschen begrüßen zu dürfen. Wir können dabei gerne das Wort Prestige bemühen. Aus geostrategischen und –politischen Gründen sind viele Staaten, die früher eher mit Pakistan verbunden waren, heute mit Indien verbunden. Da sind die Pakistani froh, mich als Deutschen, der aus dem Herzen Europas kommt, hier zu haben. Ich bin quasi eine Art Aushängeschild für die Größe und Stärke Pakistans.

Pressefreiheit in Pakistan
Die NGO „Reporter ohne Grenzen“ beurteilt die Situation für Journalisten in dem Land so: „Medien in Pakistan geraten vor allem ins Visier des ‚Staats im Staate‘ – ein Euphemismus für das mächtige Militär und die Geheimdienste des Landes. Journalist*innen droht Vergeltung, wenn sie mit ihrer Berichterstattung die vom Militär gezogenen roten Linien überschreiten. Zu den heiklen Themen gehören die – auch nur indirekte – Kritik an Militär und Regierung, der Verweis auf Bewegungen, die sich für die Rechte von Minderheiten einsetzen, und die Nennung des inhaftierten ehemaligen Premierministers Nawaz Sharif.“ Von 180 Ländern auf einer Liste von „Reporter ohne Grenzen“ belegt Pakistan Platz 145 im Rang der Pressefreiheit.

Okay, das klingt nachvollziehbar. Bleiben wir doch noch mal dabei, was das konkret für Sie bedeutet. Die Menschenrechtslage in Pakistan gilt als sehr angespannt, Homosexuelle werden verfolgt, die Pressefreiheit ist kaum gegeben. Aus strategischen Gründen unterhält Deutschland dennoch eine Partnerschaft mit diesem Staat. Als Soldat der Bundeswehr stehen Sie doch aber für ganz andere Werte ein. Wie kriegen Sie diese Diskrepanz zusammen?

Ich bin hier weniger eine „acting person“, also niemand, der handelt, sondern eher ein Beobachter. Auf der positiven Seite sehe ich die Menschen, die hier auf allen Ebenen unfassbar freundlich, offen und herzlich sind. Dass ich als ausländischer Soldat Urdu spreche, ist eine absolute Ausnahme und trägt darum viel zu meiner positiven Reputation bei. Ich sehe aber natürlich auch die negativen Dinge, von denen man lernen kann, wie es eben nicht laufen soll. Aspekte wie die einschränkte Pressefreiheit oder die nicht existente sexuelle Freiheit nehme ich natürlich wahr. Aber das sind Sachen, die ich hier nicht ändern werde – obwohl die Bundeswehr für diese Freiheiten einsteht und sie mir als Staatsbürger in Uniform wichtig sind.

Sprechen Sie unter den Studenten über solche Themen?

Ja, schon, aber Sie werden auf meiner Ebene niemanden finden, der willens ist, etwas gegen Pakistan zu sagen – sei es in Sachen militärische Organisation oder Wertesystem. Da stößt einem sofort eine Welle reflexiver Aggression entgegen. Die sind einfach dazu erzogen, zu sagen, „Pakistan über alles“. In den Augen der Studenten haben zum Beispiel arrangierte Ehen ganz viele Vorteile. Die sind davon wirklich überzeugt, dass das so richtig ist.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Pakistani Ihnen Kolonialherren-Verhalten vorwerfen, wenn Sie deren Werte und Verhaltensweisen aus westlicher Sicht kritisieren?

Das Gegenteil ist der Fall. Als Deutscher genieße ich hier einen ganz ungewohnten Hype. Deutschsein heißt für die Pakistani, dass man immer pünktlich, gut, taff und stark ist. Man wird hier quasi mit einem positiven Vorurteil konfrontiert. Man assoziiert uns nicht mit Aspekten wie Religionsfreiheit, sondern Reichtum, Wissen und Kraft. Und Stärke ist hier wegen der geopolitischen Lage mit dem großen Rivalen Indien ein wichtiges Thema.

Nun sind Sie zwar etwas über 500 Kilometer Luftlinie von Kabul entfernt, aber die Grenze zu Afghanistan ist mit 120 Kilometer Landweg doch relativ nah. Wie haben Sie die Wochen der Machtübernahme der Taliban erlebt?

Vorweg: 2008 ist mein damals bester Freund in Afghanistan gefallen. Dem hat es beide Beine und einen Arm abgerissen im Rahmen einer Bombenattacke. Jeder von uns weiß: Afghanistan ist tödlich, das ist eine Gefahr, die ist evident. Die Veränderung des Landes geht ja jetzt noch weiter. In der Nähe zu Afghanistan erlebe ich das als spannend und aufregend. Das meine ich nicht aus der Perspektive eines Pfadfinders. Mir ist bewusst, dass da schlimme Dinge laufen, in Bezug auf Frauenrechte, auch Menschenrechte generell. Die Krise in Afghanistan droht auch auf Pakistan überzuschwappen, wegen der humanitären Lage zum Beispiel.

Was macht das mit den Menschen bei Ihnen?

Sie beobachten den Konflikt durchaus, aber man darf nicht vergessen: Die Bedrohungslage ist hier permanent hoch. Hier gibt es regelmäßig Anschläge und Morde, auch auf Hotels, das Militär und Ausländer. Das ist Teil des Lebens hier in Belutschistan. Man spürt die Gefahr schon gar nicht mehr. Das ist wie ein leichter Schnupfen, der nicht weggeht. Aus diesem Grund werden wir im College aber auch massiv be- und überwacht. Hier sind überall Kameras und Straßensperren.

Wir müssen nochmal genauer auf diese komplexe Lage eingehen, in der Sie sich befunden haben. Dass Pakistan die afghanischen Taliban unterstützt, um Einfluss auf das Land zu haben, gilt als offenes Geheimnis. Die pakistanischen Taliban in den Grenzregionen Pakistans sind unterdessen mit der Staatsführung verfeindet und verüben immer wieder Anschläge. Und dann sind Sie als deutscher Soldat auf einer pakistanischen Militärschule, ausgerechnet als ein 20-jähriger Einsatz der Nato in Afghanistan im Chaos endet und die Taliban dort die Macht übernehmen. Wie sind Sie und Ihre Mitstudenten mit dieser Situation umgegangen?

Wir beginnen im Kurs jeden Tag damit, uns über aktuelle Nachrichten auszutauschen. Und da war Afghanistan auch immer Teil der Vorträge. Wir haben das kurz besprochen, aber wie ich eben schon sagte: Die Pakistaner sind Krieg gewohnt. Krieg, Leid, Themen wie Vertreibung und Verletzung von Menschenrechten ist nichts, was hier noch besondere Aufmerksamkeit erfährt. Das hätten wir in Deutschland anders behandelt. Hier geht es den Menschen eher darum, was diese Entwicklung für Pakistan bedeutet, in Bezug auf Flüchtlinge beispielweise. Mir war mit Blick auf die Evakuierungstätigkeiten dabei wichtig, dass unsere Männer und Frauen zügig reingehen, heil rauskommen und den größtmöglichen Effekt vor Ort erzielen – so, wie es am Ende auch gekommen ist.

Was ist mit der Unterstützung Pakistans für die afghanischen Taliban? Haben Sie darüber auch gesprochen?

Das ist oftmals auch Thema der morgendlichen News-Runde. Die Position der Pakistaner ist dabei eindeutig. Die sagen: Wir unterstützen die Taliban kein bisschen. In anderen Quellen lässt sich jedoch lesen, dass es sehr wohl Kooperationen zwischen dem pakistanischen Geheimdienst und den Taliban gibt, um zum Beispiel gegen die Inder vorzugehen. Seitens der Schule wird gesagt: Pakistan hat null Interesse an einem instabilen Afghanistan. Und deswegen tue man alles, um die Taliban zu bekämpfen. Offiziell wird einem hier niemand etwas anderes sagen, aber ich denke, durch die Quellen, die es gibt, weiß der ein oder andere doch, dass das so vielleicht nicht ganz stimmt.

Und Sie zitieren die Quellen, die Sie für richtig halten?

Ja, natürlich. Für mich gibt es akademisch hier keine vorgegebenen Denkmuster.

Dr. Bender mit malischen Kollegen. Foto: privat

Aufgabe der Bundeswehr war es in Afghanistan, örtliche Sicherheitskräfte auszubilden – jetzt regieren dort die Taliban. Sie haben als stellvertretender Chefausbilder bei der EU-Mission in Mali genau dasselbe gemacht: Einheimische Soldaten im Kampf gegen Terroristen geschult. Was ging da in Ihnen vor, als Sie hörten, wie wenig Widerstand die Armee in Afghanistan trotz der Nato-Ausbildung leistete?

Die Fragen, die sich da natürlich stellen, sind: Warum haben wir dort Billionen an Dollar und Euro investiert? Warum haben wir so viele – und Gott sei Dank noch vergleichsmäßig wenig – Gefallene? Warum haben wir so viele Veteranen, die nach Hause gekommen sind und an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden? Es sind so viele Ehen geschieden worden, es haben so viele Menschen in der Heimat darunter gelitten, was die Männer und Frauen dort erlebt haben. Wenn man sich das vor Augen hält und das mit dem Bild verknüpft, dass die Taliban innerhalb von drei Wochen Afghanistan ohne Widerstand seitens der Afghanischen Nationalarmee eingenommen haben: Dann macht das was mit den Leuten. Da stellt man sich schon die Frage, was das eigentlich sollte. Aber ich denke, wenn man das auf das strategische Level hebt, dann war der Nato-Einsatz militärisch erfolgreich, schließlich geht von Afghanistan gegenwärtig keine internationale Terrorgefahr mehr aus. Was gefehlt hat, war eine umfassende Exit-Strategie für den Tag 1 nach dem Abzug der internationalen Truppen.

Herr Dr. Bender, was kommt nach Pakistan – was haben Sie noch auf Ihrer Liste?

Nach Pakistan geht es erst mal nach Hause, wo ich viele Dinge vermisse. Meine Kinder natürlich als allererstes, meine Familie, meine Freunde. Ich vermisse Mineralwasser – das gibt es hier auch nicht. Ich bin Vegetarier. Ich vermisse meinen vegetarischen Döner in der Altenburger Straße. Also erst einmal geht es nach Hause in die Komfortzone. Und danach habe ich die große Hoffnung, dass es wieder in den globalen Sektor geht. Ich bin gerne draußen.

9 Gedanken zu “„Hier wird streng von oben geführt und von unten gedient“

  1. Lustig ist das Soldatenleben nach Art der Taffen und Starken! Wo streng von oben befohlen und entsprechend von unten gedient wird, fühlt sich auch der Bundeswehr-Akademiker wieder ganz in seinem Element. „Da stellt man sich schon die Frage, was das eigentlich sollte. Aber ich denke, wenn man das auf das strategische Level hebt, dann war der Nato-Einsatz militärisch erfolgreich, schließlich geht von Afghanistan gegenwärtig keine internationale Terrorgefahr mehr aus.“ (Hinter)frag nicht, wo die Blumen sind… Da passieren schlimme Dinge. Aber „gehoben“ auf den strategischen Level stellt sich ein beschränkter (!) Sinn zumindest für die „von oben“ Denkenden ein, während die „von unten“ Dienenden sich gar keine Gedanken machen dürfen, die zu Lasten ihrer dienenden Funktion gehen könnten. Dabei gilt es, die Reichweite seiner Gedanken genau zu berechnen, damit das Ziel nicht außerhalb dieser Reichweite liegt und die teure Minition nicht nutzlos verpufft. „Schließlich geht von Afghanistan gegenwärtig keine internationale Terrorgefahr mehr aus…“ Nö, gerade mal nicht. Und nur, soweit man’s weiß, Stand heute. So lange der Wecker tickt, ist die Uhr kein Zünder, sondern harmlos. Mach es wie die Sonnenuhr / Zähl die schönen Stunden nur… Wie erholsam sind doch die letzten Sekunden, bevor der Sprengsatz dann schließlich hoch geht. Kommando Pimperle: Alle Extremitäten fliegen weg…

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  2. Mit der BW durchs wilde Kurdi-, Afghani- oder Pakistan. Schnallt euch die Schutzweste an / Wir fahren mit der Tali-Bahn.
    Da ist Teutschsein noch so schön wie weiland bei Varus und Arminius im Teutoburger Wald. Zitat: „Deutschsein heißt für die Pakistani, dass man immer pünktlich, gut, taff und stark ist. Man wird hier quasi mit einem positiven Vorurteil konfrontiert. Man assoziiert uns nicht mit Aspekten wie Religionsfreiheit, sondern Reichtum, Wissen und Kraft. Und Stärke ist hier wegen der geopolitischen Lage mit dem großen Rivalen Indien ein wichtiges Thema.“ Stark.
    Manchem hat’s gefallen. Und mancher ist gefallen. Dem „damals besten Freund“ hat es „beide Beine und einen Arm abgerissen im Rahmen einer Bombenattacke“. Tja, so lange das im Rahmen bleibt und sich im Rahmen hält. Angesichts der Kollateralschäden unter der Zivilbevölkerung (stehen ja überall Dutzende von Kindern rum) sollte eigentlich jeder Bundeswehr-Kämpfer studierter Diplompädagoge sein. Mit Promotion. Und nirgends erscheinen die Probleme dieser Welt so fokussiert wie beim Blick durch das Zielfernrohr. Das linke Auge wird in aller Regel schon mal zugekniffen. Wird das Auge zu gekniffen, ist bald ein anderer in den A**** gekniffen. Schütze Nichtsnutz meldet: „Auftrag ausgeführt“.
    Eine ziemliche Provokation, dieser Beitrag von Juri (Aprilscherz) Auel, insbesondere vor dem Hintergrund des Afghanistan-Debakels, das sich auch in allen übrigen Einsatzgebieten der BW wiederholen dürfte.

    P.S.: Und jetzt nicht wieder bei den „neuesten Kommentaren“ mogeln, sehr geehrte Redakteur*inn*e(n) von der Kriegspropaganda-Redaktion! Dass sich hier niemand meldet, der euch mal seine Meinung geigt, glaubt euch doch kein Mensch!

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    1. Nur zur Ehrenrettung: Die Fragen von Juri Auel sind ja durchaus kritisch. Aber gute Fragen schützen nicht vor dummen Antworten. Und die bleiben dann eben unhinterfragt im Interviewtext stehen. Reflektierte Menschen gehen eben nicht zum Bund und dann auch noch in dubiose Auslandseinsätze. Was Dr. Bender da zum Thema Bündnispartner, Wahrheitsgehalt regierungsamtlicher Aussagen usw. kund tut, würde jeden kritisch denkenden Menschen dazu veranlassen, sich ein anderes Betätigungsfeld zu suchen, statt für einen derartigen Mist testosterongesteuert Leib und Leben zu riskieren.

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  3. Kinder, die gern an der frischen Luft sind, gehen am besten zur Bundeswehr. Auch als lebenslanger Anti-Stubenhocker kann man es dort zu akademischen Ehren und hohen militärischen Rängen bringen. Natürlich angemessene Befehlsstrukturen voraus gesetzt. Sonst hat man am Ende nur einen übergewichtigen Hape Kerkeling. Und der Taliban am Hindukusch erführe nichts von den verteidigungswerten Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik an eben jenem. Also Daumen hoch! Viel mehr als den bekommen unsere Soldaten im internationalen Kampfeinsatz ja als Ausrüstung auch nicht mit auf den Weg.

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    1. „In der Nähe zu Afghanistan erlebe ich das als spannend und aufregend. Das meine ich nicht aus der Perspektive eines Pfadfinders. Mir ist bewusst, dass da schlimme Dinge laufen, in Bezug auf Frauenrechte, auch Menschenrechte generell. Die Krise in Afghanistan droht auch auf Pakistan überzuschwappen, wegen der humanitären Lage zum Beispiel.

      Was macht das mit den Menschen bei Ihnen?

      „Sie beobachten den Konflikt durchaus, aber man darf nicht vergessen: Die Bedrohungslage ist hier permanent hoch. Hier gibt es regelmäßig Anschläge und Morde, auch auf Hotels, das Militär und Ausländer. Das ist Teil des Lebens hier in Belutschistan. Man spürt die Gefahr schon gar nicht mehr. Das ist wie ein leichter Schnupfen, der nicht weggeht. Aus diesem Grund werden wir im College aber auch massiv be- und überwacht. Hier sind überall Kameras und Straßensperren.“

      Das ist (in Kurzform) der wichtigste Teil des Interviews! Und der zielt auf die zentrale Frage, wieviel menschliches Leid wir notfalls in Kauf nehmen müssen und wollen, um die demokratischen und sozialen Errungenschaften unseres Landes zu verteidigen. Sicherlich haben alle Menschen das Recht, inhumanen Zuständen und verbrecherischen Regimes in ihren Herkunftsländern zu entfliehen oder auch nur ein besseres Leben zu erreichen. Aber es sind derzeit so viele Menschen auf der Flucht wie die Bundesrepublik Einwohner hat. Während viele unserer Nachbarstaaten sich dem Ansturm der Flüchtlinge mit zum Teil brutalen Mitteln entgegen stemmen, versuchen breite gesellschaftliche Kräfte bei uns, immer neue Aufnahmebereitschaft zu wecken und die harten Entscheidungen, die irgendwann unausweichlich getroffen werden müssen, weiter hinaus zu schieben. Doch irgendwann ist in jedem Land der Punkt erreicht, wo Hilfe verweigert werden muss, selbst wenn das Leben kostet und diejenigen, die das dann exekutieren müssen, in tiefe Gewissensqualen gestürzt werden. Der Soldatenberuf steht wie kein anderer für dieses Dilemma. Aber man kann auch als Polizist, Notarzt, Sanitäter, Mitarbeiter des Ordnungsamts oder Sachbearbeiter einer Sozialbehörde in tiefe Konflikte geraten. Erst kürzlich hat die ZDF-Dokumentation „Arm gegen arm“ (https://www.prisma.de/tv-programm/Arm-gegen-Arm-Verteilungskampf-am-unteren-Rand,30997181) die Grenzen der Hilfsbereitschaft aufgezeigt. Immer neue soziale Appelle sind aber keine angemessene Lösung. Wir sollten so langsam eine ehrliche Diskussion darüber führen, wo Empfindsamkeit und Empathie aufhören und eine robuste Gegenwehr einsetzen muss, die unvermeidliche Härten in Kauf nimmt. Macht uns die „Neue Sensibilität“, die vielfach immer noch propagiert und als humanistische Errungenschaft gefeiert wird, nicht machtlos gegenüber den vielfachen Angriffen auf Rechtsstaat, Sozialsystem und Demokratie? Empfehle einen Hörfunkbeitrag von heute (WDR5):
      Kurzbeschreibung: „Sensibilität sei eine wichtige Errungenschaft, meint die Philosophin Svenja Flaßpöhler. Aber sind wir als Gesellschaft inzwischen zu sensibel geworden, um noch handeln zu können? Ein Gespräch über das verunsicherte Selbst und die Grenzen des Sagbaren.“ Link oben im Titel.

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      1. Ich kann diesem Interview nur entnehmen, dass man solche militärischen Auslandseinsätze nicht befürworten kann. Es sei denn, man wäre entsprechend uninformiert und abgestumpft. Natürlich sollte unsere Demokratie wehrhaft sein. Aber die Auseinandersetzungen mit aggressiven Feindstaaten finden doch schon längst nicht mehr in Form offener militärischer Auseinandersetzungen statt, sondern als Stellvertreter-Kriege, Destabilisierung ganzer Regionen durch Anheizen lokaler Konflikte, Cyber-Attacken, Propaganda-Feldzüge oder wirtschaftliche Schikanen. Einsätze wie in Afghanistan, Mali, Libyen usw. machen von daher überhaupt keinen Sinn.

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  4. Gibt es auf diese Frage „Das alles führt zu der Frage: Warum absolviert ein Soldat der Bundeswehr überhaupt die pakistanische Generalstabsausbildung?“ eine konkrete Antwort? Irgendwie fehlt die mir oder überlese ich die irgendwo? Für die Pflege guter Beziehungen müsste man doch nicht diese Ausbildung machen, sondern könnte auch zusammen „Kaffee trinken“?!

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    1. Ihnen ist nur die Banalität dessen, was Elitesoldat Dr. Bender da zum Allerbesten gibt, wohl noch nicht ganz aufgegangen. „Pakistan klang am exotischsten“… Das war die Antwort auf die Frage nach dem „Warum“. Dumm braucht kein Warum (mit Verlaub). Da nutzt auch kein Diplom oder Doktortitel. Zitat: „Für mich gibt es akademisch hier keine vorgegebenen Denkmuster.“ Das Hauptproblem liegt einfach in der Qualität der zur Auswahl stehenden Bündnispartner. Eine USA sind da nur tendenziell seriöser als ein Pakistan. Man muss halt wissen, hinter wem man her marschiert.

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    2. Diese Frage stelle ich mir auch. Kostet eine Menge Geld, Geld welches man sicher besser ausgeben könnte. Und die Frage stellt sich , für was dieser Schwachsinn. Was bringt das Deutschland, was bringt das seinen drei Kindern, seiner Familie?
      Naja , es bringt wenigstens einen seeehr langer Bericht in Oberhessen live, den man liest ….und noch mal liest um ihn zu verstehen…….und vielleicht nochmal liest. ….Und zum Schluss stellt sich die Frage : was soll das eigentlich und wen macht es glücklich?

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