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Die 19-Jährige ist die jüngste Kandidatin auf der Kommunalwahlliste der Alsfelder CDUSarah Kuhla will die Alsfelder Jugend mehr in den Fokus rücken

ALSFELD (akr). Sie ist die jüngste Kandidatin auf der Liste der Alsfelder CDU für die Kommunalwahl: Die 19-jährige Sarah Kuhla möchte am 14. März in die Stadtverordnetenversammlung gewählt werden. Seit wann engagiert sich die junge Christdemokratin bereits politisch? Und wieso gerade für die CDU? Wir stellen sie vor.

Bei der Kommunalwahl am 14. März wählen auch die Alsfelder eine neue Stadtverordnetenversammlung. 37 Plätze gilt es zu besetzen. Einen dieser Plätze möchte Sarah Kuhla besetzen. Die 19-Jährige steht auf Listenplatz 18 der Alsfelder Christdemokraten. Im September vergangenen Jahres ist sie der CDU beigetreten. Politisch aktiv ist sie aber schon ein wenig länger.

Im Oktober 2018 wurde sie zur Vorsitzenden des damals neu gegründeten Stadtjugendparlaments gewählt. „Das war mein erster politischer Anknüpfungspunkt“, erzählt Kuhla. Sie habe sich schon länger für Alsfeld einsetzen wollen, wusste aber nicht wirklich, wie. Als sie dann an der Infoveranstaltung ihrer Schule zum Stadtjugendparlament teilnahm, war für sie klar: Da macht sie mit.

„Ich wollte einfach mithelfen, dass man hier nicht das Gefühl haben muss, Alsfeld verlassen zu müssen“, erklärt sie. Immer wieder habe sie mitbekommen, wie Gleichaltrige davon sprachen, schnellstmöglich Alsfeld den Rücken zukehren, sobald sie das Abitur in der Tasche haben. Für sie selbst kam das nicht in Frage. „Ich bin hier tief verwurzelt, ich wollte hier nicht sofort weg“, betont sie. Die 19-Jährige, die derzeit eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten beim Vogelsbergkreis macht, ist nicht nur in der Einsatzabteilung der Alsfelder Feuerwehr, sondern auch Mitglied der Show and Brass Band und im Musikverein Leusel.

Vom Stadtjugendparlament in die Alsfelder CDU

Der Vorsitz des Jugendparlaments, so sagt sie, war gar nicht ihr Ziel – vielmehr war es eine spontane Entscheidung, den Posten zu besetzen. Vor der ersten konstituierenden Sitzung wurden die Mitglieder gefragt, wer sich denn zutrauen würde, die Leitung zu übernehmen. Die Reaktionen darauf seien ziemlich zurückhaltend gewesen. „Ich bin zwar auch manchmal eher zurückhaltend, aber wenn ich mich vorbereiten kann, dann übernehme ich auch gerne die Verantwortung. Außerdem habe ich ja schon einige Jahreshauptversammlungen mitbekommen“, erklärt sie.

Nun, so kam es dann, dass sie zur Vorsitzenden des Stadtjugendparlamentes gewählt wurde. „Das waren sehr interessante eineinhalb Jahre“, sagt sie. Besonders überrascht hat Kuhla, dass sie plötzlich von vielen Jugendlichen angesprochen wurde, die ihre Wünsche und Sorgen an sie herangetragen haben, beispielsweise was die Busfahrten betrifft – zu voll, zu wenig Verbindungen zu späten Zeiten. Da sie mittlerweile über 18 ist, schied sie aus dem Stadtjugendparlament aus, allerdings wegen der Corona-Pandemie noch nicht offiziell.

„Ich wollte aber weiterhin der Alsfelder Jugend eine Stimme geben“, betont die junge Politikerin. Also informierte sie sich, wie sie nach dem Stadtjugendparlament weiter machen könnte – und trat Ende 2019 der Jungen Union Alsfeld bei, mit dem Ziel, sich weiter für ihre Heimat Alsfeld einzusetzen. Nur knapp ein Jahr später sei dann Bürgermeister Stephan Paule auf sie zugekommen und habe sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte, bei der Kommunalwahl anzutreten. „Ich war da schon etwas überrumpelt. Ich hätte nie gedacht, dass da jemand an mich denkt“, lacht Kuhla. Doch sie war bereit und entschied sich, der CDU beizutreten, um sich für die Kommunalwahl aufstellen zu lassen.

„Ich habe viele Freunde und Bekannte bei der CDU, ich habe mich gleich mit ihr verbunden gefühlt“, erzählt sie. Ausschlaggebend sei für sie aber der Wahlkampf zur Bürgermeisterwahl 2019 gewesen. „Das Wahlprogramm hat mich gleich angesprochen. Es wurden viele Themen abgedeckt. Es ließ niemanden hinten runterfallen, die Themen waren gleich gewichtet“, erklärt Kuhla, die sich nach eigenen Angaben das Ziel gesetzt hat, die CDU jünger zu gestalten.

Stimmen der Jugend mehr einbeziehen

Ihre Freunde seien anfangs ziemlich skeptisch gewesen, als sie hörten, dass die 19-Jährige der CDU beitritt. „Einige haben gesagt, dass ich mir dann ja gleich auf die Stirn kleben könne, dass ich konservativ bin“, erinnert sie sich – „mittlerweile unterstützen sie mich aber und zeigen auch Interesse.“

Ihrer Meinung nach sollten sich mehr Jugendliche trauen, sich politisch zu engagieren. „Man sollte nicht das Gefühl haben, zu den ‚Uncoolen‘ zu gehören, wenn man das macht“, betont sie. Die Dinge selbst in die Hand zu nehmen sei besser, als sich nur zu beschweren. Genau aus diesem Grund habe sie sich auch damals entschieden, Mitglied des Stadtjugendparlamentes zu werden.

Gerade was das Angebot für Jugendliche angeht, da habe die Stadt noch ziemlich Nachholbedarf. „Zwischen Spielplatz und Kneipen gibt es eine riesige Lücke“, betont sie. Da müsse sich definitiv etwas ändern, beispielsweise Jugendcafés, Treffpunkte müssten her. Zwar sei auf die Initiative der Alsfelder CDU das Stadtjugendparlament gegründet worden, aber „das Einbeziehen der Stimme der Jugendlichen ist noch ausbaufähig“, betont sie.

Sonst, so sagt sie, würde ihr nichts einfallen, was die Christdemokraten aus Alsfeld besser machen könnten. „Ich würde mich dafür einsetzen und würde mich auch freuen, wenn es mir gelingt, die Alsfelder Jugend noch mehr ins Themen-Zentrum zu rücken“. Und dann sagt sie noch: „Man soll in Alsfeld nicht einfach neben sich her leben, sondern sich gerne mit der Stadt identifizieren.“ Vielleicht würden dann auch weniger Jugendliche direkt nach dem Abitur wegziehen wollen.

2 Gedanken zu “Sarah Kuhla will die Alsfelder Jugend mehr in den Fokus rücken

  1. Newcomer haben es in den etablierten Parteien nicht leicht, so sehr diese auch mangelnden Nachwuchs beklagen und um diesen werben. Aber natürlich gibt es gerade im Bereich der Politik, wo es um Macht und die Frage geht, wer was zu sagen hat und zu welchem Zeitpunkt, Rang- und Hackordnungen. Kein Problem für Ameisen und Parteisoldaten, die still und entsagungsvoll Stühle aufstellen und Plakate kleben. Doch wer sich profilieren und öffentlich wahrgenommen werden will, muss um den Rang rangeln und sich möglichst unauffällig an der Karriereleiter Stufe um Stufe hoch ziehen. Da gilt des wortgewaltigen Konservativen Franz Josef Strauß‘ Steigerungsformel: „Feind, Todfeind, Parteifreund“.
    Und der Parteialltag kann sehr zermürbend sein. Gerade in Wahlkampfzeiten läuft man sich die Hacken ab, erlebt viel Routine oder sogar Tretmühle. Um noch einmal FJS zu zitieren: „O’g’setzt, hi’g’setzt, abg’hetzt, umg’setzt, auseinanderg’setzt, g’schwätzt, nix g’sagt, Sitzung neu ang’setzt. Vui san zammakumma, nix is’ rauskumma, Sitzung umma.“
    Neuankömmlinge im politischen Circus müssen da erstmal Anpassungsstrategien entwickeln und Loyalität (insbesondere gegenüber etwaigen Förderern) beweisen, damit sie nicht gleich mit der ersten vorlauten Bemerkung vom Kettenkarussell fliegen. Mit vielen Worten nichts zu sagen, gehört zur Basisqualifikation des Jungpolitikers. Und möglichst mit kontroversen Meinungen keine schlafenden Hunde antriggern oder Empfindlichkeiten reizen.
    Und Nachwuchs-Unionistin Sarah Kuhla, jüngste Kandidatin auf der Liste der Alsfelder CDU für die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung am 14. März, entspricht da ganz dem Bild der/des schon früh „Rundgelutschten“. Und natürlich lobt sie das Wahlprogramm ihrer Partei in den höchsten Tönen. Dieses habe sie „gleich angesprochen“, weil „viele Themen abgedeckt“ und „gleich gewichtet“ gewesen seien, so dass man „niemanden hinten runterfallen“ lasse. Doch schon hat sie sich in Widersprüche verwickelt. Gerade was das Angebot für Jugendliche angehe, habe die Stadt noch ziemlich Nachholbedarf. Treffpunkte müssten her. Gut, diesen Mangel mag es geben. Aber in Corona-Zeiten gibt es ja wohl jede Menge weit wichtigerer jugendpolitischer und allgemeingesellschaftlicher Themen. Doch sich hierzu zu äußern, erforderte einerseits gute Vorbereitung und beinhaltete andererseits manches Fettnäpfchen. Da ist man auf Listenplatz 18 mit dem 60er-Jahre-Schülerzeitungs-Klassiker „Jugendcafé“ natürlich auf der sicheren Seite. Sich für Alsfeld einsetzen und gerne mit Alsfeld identifizieren… Ist das überhaupt Politik, wo es um knallharte Interessen geht?

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  2. Nachholbedarf in einer riesigen Lücke, aber ansonsten alles richtig? Die Perspektive der Nachwuchspolitikerin scheint doch sehr durch das Bemühen bestimmt, für sich selbst ein eigenes Thema zu finden. Der Alsfelder Jugend eine Stimme geben – na gut. Oder besser: Na ja. Aber ginge es da nicht um wesentlich mehr als das Angebot zwischen Spielplatz und Kneipen? Und die behauptete „riesige Lücke“ sowie der sich hieraus angeblich ergebende „Nachholbedarf“ wollen das eigene Thema aufwerten, sind aber nur das Ergebnis der Tatsache, dass alle Angebote ausgeblendet werden, die nichts mit Treffpunkten nach dem Modell Jugendcafé zu tun haben. Doch daneben gibt es Treffpunkte ohne Ende, je nachdem, was Jugendliche so machen, die nicht bloß irgendwo abhängen wollen, sondern sich sozial und politisch engagieren, gemeinsam Sport treiben usw.
    „Die Alsfelder Jugend noch mehr ins Themen-Zentrum zu rücken“, klingt nur im ersten Moment engagiert, entpuppt sich aber schnell als Phrase. Die Zahl der unter 18-Jährigen liegt in Hessen bei nicht einmal 17 Prozent. Will man allen Bevölkerungsgruppen gerecht werden und insbesondere denen, die das aktive und passive Wahlrecht besitzen, dürfte es eng werden im Themenzentrum. Und wenn schon Jugend-themen, dann ginge es doch vordringlich um zukunftsgerechten Unterricht in den Schulen, Kompensation ungleicher Lebenschancen, gute Betreuung, Versorgung und Erziehung in der Familie, gesundheitliche Förderung durch richtige Ernährung, viel Bewegung u.v.a.m. Mehr Jugendcafes stehen da wohl nicht ganz oben auf der Agenda. Und es scheint kaum weiteren Raum zu geben für ein eigenes Profil: „Sonst, so sagt sie, würde ihr nichts einfallen, was die Christdemokraten aus Alsfeld besser machen könnten.“ Und was war jetzt beispielsweise mit den Schulbussen (zu voll, zu wenig Verbindungen zu späten Zeiten)? „Die Dinge selbst in die Hand zu nehmen sei besser, als sich nur zu beschweren.“ Aber erst mal muss man sich ja beschweren, bevor die Missstände beseitigt werden können, oder? Und hat Frau Kuhla dabei dann selbst Hand angelegt? Und wie viele eigenhändig geschaffene Treffpunkte werden sich demnächst wohl den jungen Alsfelder*innen öffnen? Bis jetzt beschwert sich Kuhla nur über „riesige Lücken“ im Angebot.
    Nehmen wir mal an, sie könnte das Problem lösen. Was dann, wo es doch sonst nichts zu tun gibt? Da wird’s wohl ganz eng auf den Betätigungsfeldern.

    Die genannten Motive des eigenen parteipolitischen Engagements in allen Ehren: Aber wird da nicht das eigene Lebensmodell unzulässig verallgemeinert? „Immer wieder habe sie mitbekommen, wie Gleichaltrige davon sprachen, schnellstmöglich Alsfeld den Rücken zu[zu]kehren, sobald sie das Abitur in der Tasche haben. Für sie selbst kam das nicht in Frage. ‚Ich bin hier tief verwurzelt, ich wollte hier nicht sofort weg‘, betont sie.“ Und die, die weg wollen, sollen jetzt auch alle Verwaltungsangestellte beim Kreis werden und in der Heimat bleiben? Wohl nicht.

    Was man als Nachwuchspolitiker als erstes lernen muss: Die Dinge kritisch zu hinterfragen, auch und gerade die Arbeit in politischen Gremien und Institutionen. Wieviel Raum hat man denn dort, „selbst Hand anzulegen“? Überwiegt nicht die Erwartung, dass der Newcomer sich vor allem anpasst und loyal verhält? Und schnell ist man in ein Fettnäpfchen getreten und fällt in Ungnade, selbst wenn man doch nur das macht, was alle machen. Anfänger lassen sich nur leichter erwischen. Siehe die einstige CDU-Hoffnung Philipp Amthor (https://jungle.world/artikel/2020/25/absturz-eines-senkrecht-starters).

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