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Zweite Sitzung der Alsfelder Stadtverordneten in Zeiten von CoronaNeue Bauplätze, neues „Drehbuch“ und offene Augen für Schätze

ALSFELD (akr). Schnell, reibungslos und einstimmig – so verlief die zweite Sitzung der Alsfelder Stadtverordneten in Corona-Zeiten. Ohne Diskussionen stimmten die Parlamentarier unter anderem für das neue „Drehbuch“ über die Zukunft der Alsfelder Stadtteile, für die Aufstellung eines Bebauungsplanes bezüglicher neuer Baugrundstücke und dafür, dass die Stadt quasi die Augen offen hält, inwiefern sie vom Konjunkturpaket der Bundesregierung profitieren kann.

Einige Monate ist es mittlerweile her, als die Stadt, das Stadtplanungsbüro Quaas aus Weimar und einige Bürger sich über eine längere Zeit gemeinsam intensiv mit der Zukunft der Alsfelder Stadtteile auseinandergesetzt haben. Nun liegt das „Drehbuch“ für die Entwicklung Kommune vor. Das Stadtplanungsbüro hat nämlich das IKEK, also das integrierte kommunale Entwicklungskonzept, fertiggestellt. Über 300 Seiten ist es lang und neben einer umfangreichen Bestandsaufnahme der Stadtteile sind dabei auch 54 Projektideen zu finden, die in den kommenden Jahren das Leben und Wohnen in den Stadtteilen wieder attraktiver und lebenswerter machen sollen.

Damit das IKEK nun auch in die Förderphase gehen kann, brauchte es den Beschluss der Stadtverordneten. Das Ok von den Ausschussmitgliedern gab es bereits am Dienstag, denn die haben das 300-Seiten-Werk einstimmig zur Annahme empfohlen – und dieser Empfehlung folgten auch die Stadtverordneten am Donnerstagabend: einstimmig und ohne Diskussion nahmen sie den Beschlussvorschlag an, man könnte sagen ganz nach dem Alsfelder IKEK-Slogan „Miteinander – für uns alle“.

Doch nicht nur in den Stadtteilen könnte sich bald etwas ändern, sondern auch in der Kernstadt – zumindest, wenn es um das Thema Bauplätze geht. Einstimmig wurde nämlich auch die Aufstellung des Bebauungsplanes „Theseusstraße/Amstettener Straße“ beschlossen. Ziel des Planes ist die Ausweisung eines Wohngebietes, um der Nachfrage nach Baugrundstücken in der Kernstadt gerecht zu werden. Eigentümer der Grundstücke ist aber nicht die Stadt, sondern eine Privatperson. Es könnten also in Zukunft voraussichtlich vier neue Bauplätze entstehen, die über die Theseusstraße und Amststettener Straße erschlossen werden sollen.

Auf der Fläche im Bereich der „Theseusstraße“ und „Amstettener Straße“ könnten bald vier neue Bauplätze entstehen.

Mehr Geld für Familien und Kommunen, Entlastung bei den Stromkosten, eine Senkung der Mehrwertsteuer – die große Koalition hat sich auf ein umfangreiches Konjunkturpaket geeinigt. In diesem 135 Milliarden schweren Paket der Bundesregierung steckt unter anderem die Absicht, die Gewerbesteuerausfälle der Kommunen zur Hälfte zu kompensieren. „An vielen weiteren Stellen in dem 15-seitigen-Papier sind Maßnahmen angeführt, von denen die Stadt Alsfeld profitieren könnte, beispielsweise die Aspekte Digitalisierung, Mobilität, Breitbandausbau, um nur einige zu nennen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Heinz – und genau hier soll die Stadt quasi die Augen offen halten.

„Der Magistrat wird beauftragt, die geplanten Maßnahmen auswerten zu lassen und in geeigneter Form im Haupt- und Finanzausschuss darzustellen, inwiefern die Stadt inklusive Eigenbetrieb Stadtwerke und die Bäder GmbH davon profitieren können“, heißt es in dem Antrag der CDU/UWA-Koalition. Um zeitnah Entscheidungen treffen und eventuelle Anträge fristgerecht einreichen zu können, solle man sich bereits frühzeitig mit dem umfangreichen Paket auseinandersetzen. „Wir müssen aufpassen, was es gibt und wo wir Schätze für unsere Stadt heben können“, erklärte Heinz. Ohne Diskussion wurde auch dieser Antrag von den Stadtverordneten einstimmig angenommen.

5 Gedanken zu “Neue Bauplätze, neues „Drehbuch“ und offene Augen für Schätze

  1. Ich wäre für ein Remake der BBC-Serie „Das Haus am Eaton-Place“. Drehort: Die Villa Raab. Arbeitstitel: „Das Haus am Erlen Place“. Plot: Die biedere mittelständische Unternehmerfamilie Pfeiwedeggel, gespielt von den Geissens, gerät nach glamourösem Aufstieg wegen des Lockdowns und eines Volksaufstands gegen weitere Windkraftanlagen in kleinere finanzielle Verlegenheiten. In seiner Verzweiflung geht Firmenchef Ägidius Pfeiwedeggel einen Bund mit dem Satan ein. Gegen Übertragung einer Restschuldversicherung und Überlassung der Aktienmehrheit bei Wirecard verrät er ihm, wie man sich durch Sparsamkeit und Fleiß wieder ganz nach oben schafft. Doch dann…

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  2. Also mit weniger Liebe hätte man ein neues Baugebiet ja wirklich nicht aussuchen können. Welche Familien möchten denn ausgerechnet dort auf diesen 4 Minigrundstücken bauen? Wollen wir RTL II öfters zu Besuch haben in Alsfeld?!

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    1. „Wir müssen aufpassen, was es gibt und wo wir Schätze für unsere Stadt heben können“, erklärte Heinz. Nur darum geht es: Subventionen abgreifen. Wenn in der Stadt mal was passiert / Wird es bestimmt subventioniert.
      Vielleicht könnte man ja, statt popelige Mini-Baugebiete auszuweisen, mal auf die ganz große Kacke hauen und beispielsweise irgend einen Mörder-Event von anderswo abwerben. Wenn Al-Wazir die „Fashion Week“ im Rahmen seiner pandemischen Lockerungsübungen mit ein paar Millionen von der Spree an den Main locken kann, könnte Paule doch auch mal irgendwas Eindrucksvolles organisieren: Die Passionsspiele aus Oberammergau sind doch an den Gestaden der Schwalm genau so ergreifend. Oder warum muss „Das Ding, das nie gelungen“ ausgerechnet immer in Bayreuth stattfinden? Oder die Internationalen Märchen-Filmfestspiele statt in Cannes im Erlenbad?

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      1. Seit gefühlten Jahrhunderten lockt die Figur des Rattenfängers von Hameln Millionen Touristen in die Weserstadt. Keiner weiß, was sich da im Mittelalter tatsächlich zugetragen hat. Aber allein die Aura des Geheimnisvollen, der Mitleidsfaktor „Kinder verschwunden!“ und natürlich eine gelegentliche Auffrischung der Sache als Kriminalfall, ähnlich Ede Zimmermanns Aktenzeichen XY-Ungelöst (https://www.youtube.com/watch?v=48MF2VSMJvY), hält die Touristenströme am Strömen.
        Was läge nun näher, als dass die Stadtväter von Alsfeld sich bei der Schatzsuche mal etwas besser konzentrieren und geschickter anstellen würden, statt immer nur auf das nächste Subventionsprogramm zu schielen. Wo sind die große Alsfelder Persönlichkeit, das historisch Ereignis, die Sagengestalt, das Trauma aus der Vergangenheit? Alsfelds großer Romröder Sohn, Landrat Manfred I. Görig, hatte mit seinem geflügelten historischen Tagesbefehl: „Sowas muss uns auch einfallen!“ (Es ging um den schwäbischen Slogan: Wir können alles außer Hochdeutsch!) doch schon den richtigen Weg gewiesen. Doch fühlte sich das Alsfelder Stadtparlament nicht inspiriert und beteiligte sich dem Vernehmen nach nicht einmal an dem dieser Aufforderung folgenden Vogelsberg-Slogan-Ausdenk-Wettbewerb. Stattdessen schickte man irgendwelche Märchen-Helden ins verlorene Rennen, wo Froschkönig und Co. untergingen wie früher die meisten deutschen Teilnehmer des Grand Prix de l’Eurovision de la Chanson. Da konnte auch die eine oder andere reaktivierte „Määrtfraah“ nichts mehr reißen, zumal sie sich schon anhört wie eine Sumpfschildkröte beim Corona-Test.
        Doch lassen wir die Vergangenheit ruhen und uns von der Zukunftsbegeisterung der Sonne entgegen tragen. Influencer*innen statt Influenza! Wo sind die It-Girls, Teppich-Luder, Besenkammer-Samenräuberinnen, die zum Wohle ihrer Heimatstadt Prominenten auflauern? Wo die historischen Orte, denen man irgend ein Ereignis zuschreiben könnte, das der Weltgeschichte tatsächlich oder vermeintlich seinen Stempel aufgedrückt hat? Irgend ein Alfred von Alsfeld wird schon die abknickende Vorfahrt oder das Ende der Ausbaustrecke erfunden haben! Oder warum nicht mal das Halseisen am Pranger und die Corona-Nöte der Gastronomie in einem wirkungsvollen Selbstversuch der neuen Pächterin oder des Bürgermeisters Paule als Verpächter bündeln? „I can’t breathe“ hat bereits so oft als starker Slogan funktioniert (Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=Fi_-iFGPdbo), dass es dazu sogar einen Eintrag bei Wikipedia gibt (https://en.wikipedia.org/wiki/I_can%27t_breathe). Kein fremdes Unglück, dass sich nicht auch noch in klingende Münze verwandeln ließe.

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    2. „Wollen wir RTL II öfters zu Besuch haben in Alsfeld?!“

      Unterschicht-Fernsehen als Touri-Quoten-Bringer… Ja, warum denn nicht? Eine Neuauflage des „Ekels Alfred“, fest in der Region verankert als Kleinhäusler zwischen Theseusstraße und Amstettener Straße. Ich kenne hier einige Kommentatoren-Persönlichkeiten, die sich von eben ihrer Persönlichkeit her sehr gut für diese Rolle eignen würden! Anderes Beispiel: Ewigkeits-Kultsendungen wie Lindenstraße. Warum stattdessen nicht Theseusstraße? Motto: „Theseus (ein legendärer König von Athen und antiker Held mit Migrationsgeschichte), fast so berühmt wie Jeseus.“ Oder denkt an „Rote Rosen“. Lüneburg würde längst mit Lübeck in einen Topf geworfen, gäbe es diese flockig zu vermarktende Kultserie nicht (siehe https://www.lueneburg.info/rote-rosen-angebote). Zusätzlich könnte der Spruch „… oder in Lübeck fällt ne Schaufel um…“ für Alsfeld okkupiert werden. Standard-Spruch: Ob…, oder in Hamburg platzt ne Bockwurst / in China ist ein Sack Reis geplatzt… / oder in Alsfeld klammert sich jemand mehrere Sekunden an eine Zugbegleiterin… Bad news is good news!

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