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Sanierungsziele vorgestelltSo soll die Alsfelder Altstadt auf Vordermann gebracht werden

ALSFELD (ls). Alsfelds historische Innenstadt soll attraktiver werden – vor allem muss sie an einigen Stellen saniert werden. Die letzten umfangreichen Sanierungen sind nämlich schon etwas länger her. Genauer:  Fast 50 Jahre. Zur Altstadtsanierung 2.0 muss allerdings erst ein Entwicklungskonzept erstellt werden. Die verschiedenen Handlungsfelder, der bisherigen Ergebnisse und die bevorstehenden Ziele wurden jetzt vorgestellt. Besonders hervorgestochen ist dabei der Verkehr und die Mobilität der Stadt.

Dass die historischen Gebäude der Alsfelder Innenstadt heute noch so gut aussehen, wie sie aussehen, ist vor allem einem zu verdanken: Der Altstadtsanierung, die in den 80er Jahren umgesetzt wurde. Kein Wunder also, dass die Kernstadt 1975 als europäische Modellstadt für den Denkmalschutz ausgewählt wurde. So langsam wird es aber dennoch Zeit, denn einige Gebäude weisen mittlerweile Erhaltungsmängel auf. Auch an öffentlichen  Straßen, Plätzen und Freiflächen gibt es einiges zu tun.

Über die Grenzen hinaus: Nicht nur die historische Innenstadt wurde betrachtet. Alle Fotos: ls

Deshalb wurde die Kernstadt in das Städtebauförderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ aufgenommen, über das in den nächsten zehn Jahren private und öffentliche Maßnahmen im Sinne einer Altstadtsanierung gefördert werden, so dass der Erhalt der der historischen Altstadt gewährleistet ist. Als Basis dafür soll in einem „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept“ eine Bestandsanalyse erstellt werden, wofür das Unternehmen NH-Projektstadt aus Kassel beauftragt wurde. Seit Juni des vergangenen Jahres waren also die Mitarbeiter in der Stadt unterwegs und haben die genau unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Von 278 Baudenkmälern sollen 178 leicht, mittel oder sehr sanierungsbedürftig sein.

Handlungsfeld Verkehr und Mobilität sorgte für Diskussionen

Bei einem Stadtspaziergang an rund zwölf Standorten mit Bürgern und Politikern wurde das Stadtbild analysiert. Die Ergebnisse gab es gestern. Gegliedert in die historische Bausubstanz und die Stadtgestalt, den öffentlichen Raum und Stadtgrün, der Verkehr und die Mobilität und der Einzelhandel und die Gewerbe. „Wir sind deutlichen über die Grenze der Kernstadt hinaus gegangen, denn ohne diesen Bereich kann die historische Altstadt nicht funktionieren“, erklärte die Projektleiterin Susanne Engelns.

Die Projektleiterin Susanne Engelns.

Im Vordergrund waren dabei Themen wie das Entwicklungskonzept des Einzelhandels, Förderungen von Ladensanierungen, der Klosterinnenhof, Verbesserungen von Freiflächen, Einzelprojektförderungen bei öffentlichen und privaten Objekten, aber auch Parkraumentwicklungen, Sanierung der Obergasse und der Mainzer Gasse, Radinfrastruktur und verkehrliche Neuordnungen. Besonders das dritte Handlungsfeld – Verkehr und Mobilität – sorgte bei den Anwesenden für größere Diskussionen und einige Ideen. „Alsfeld ist eine Stadt der kurzen Wege“, sagte Bürgermeister Stephan Paule. Dennoch gebe es eine erhöhte Nachfrage an Parkplätzen.

Während sich einige für neue Parkplatzsituationen aussprachen, gab es auch da Kritik: Die Kernstadt solle zur autofreien Zone erklärt werden, so der Vorschlag aus den Reihen. Auf viel Zuspruch stieß das allerdings nicht. „So ganz ohne Auto geht auch nicht“, ergänzte Bürgermeister Paule.

Auch Martin Räther, der Fraktionsvorsitzende der UWA, war anwesend.

Vorzeitige Bedarfssumme ermittelt

Insgesamt errechnete das Projektteam eine Bedarfssumme zur Sanierung von 21.733.000 Euro. Der größte Posten darunter: Fast 9.500.000 Euro alleine für die Modernisierung und Instandsetzung von Gebäuden. Für die Gestaltung von Freiflächen wie Parkplätze, Plätze oder Grünflächen, errechnete man über vier Millionen Euro, für Neubauten fast drei Millionen Euro und über drei Millionen Euro für Anreizprogramme. Die kleineren Summen setzten sich dabei aus den kosten der Vorbereitung dieser Maßnahme, der Steuerung und der Öffentlichkeitsarbeit, dem Grunderwerb, Ordnungsmaßnahmen und Erschließungen zusammen.

„Diese Kosten zeigen einzig den Bedarf an, den wir errechnet haben. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie eins zu eins so umzusetzen sind“, erklärte Engelns die hohe Summe. Letztendlich würden diese Summen gefördert werden – eine Drittelförderung vom Bund,  vom Land und von der Stadt.

Einzelne Projekte von besonderer Bedeutung

Anschließend konnten die Anwesenden selbst aktiv werden: Mit Punkten konnten in jedem der vier Handlungsfelder markieren, welche Maßnahmen ihnen wichtig sind. Was dabei herauskam, überrascht Bürgermeister Paule nicht: „Vieles von dem, was ich mir selbst schon dachte, wurde auch hier oft markiert“, sagte das Stadtoberhaupt. Besonders hervorgetan hatten sich dabei private Maßnahmen, Anreizprogramme, Instandsetzung von Wohnungen oder Läden, private Einzelprojektförderungen, Sanierung von öffentlichen Gebäuden, die Parkraumentwicklung, eine verkehrliche Neuordnung am Ludwigsplatz, die Parksituation beim Rossmann, ein Entwicklungskonzept für den Einzelhandel, ein Citymanagement, die Verbesserung städtischer Plätze, der Stadteingänge und Freiflächen.

Die Moderatorin Karolin Stirn erklärte die einzelnen Projekte nochmal bevor man seine Punkte vergeben konnte.

„Jetzt geht es los“, freute sich Paule in seinen abschließenden Worten. Nicht ganz: denn dieses Jahr sei das ganze Projekt erst einmal eine politische Sache, zu der die Stadtverordneten und auch das Ministerium noch zustimmen müssen.