Norovirus
Das Alsfelder Kreiskrankenhaus hat die Hygienemaßnahmen wegen des Norovirus verschärft. Fotos: cdl

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Kreiskrankenhaus verstärkt Hygienemaßnahmen und bittet Besucher den Anweisungen zu folgenBisher noch wenige Norovirus-Fälle in Alsfeld

ALSFELD (cdl). Bereits am Eingang macht das Alsfelder Kreiskrankenhaus auf besonders sorgfältige Händehygiene aufmerksam und hat die Hygienemaßnahmen verschärft. Das Norovirus macht derzeit in Hessen früher als sonst üblich die Runde. Zwischen den Jahren hat man gleich an vielen Stellen im Krankenhaus Hinweise angebracht.

Dabei gab es in Alsfeld bisher nur Einzelfälle und das Krankenhaus ist von der großen Welle bisher verschont geblieben. Dennoch führten die Warnhinweise schnell zu Fehlinterpretationen bei Patienten und Besuchern. Gerüchte kamen auf, dass vor dem Jahreswechsel 40 Patienten wegen erhöhter Ansteckungsgefahr entlassen wurden, weil es so viele Noroviruspatienten gebe. Das entsprach aber nicht den Tatsachen. Bisher gab es erst drei nachgewiesene Norovirusfälle in diesem Winter im Alsfelder Kreiskrankenhaus, bei insgesamt acht Verdachtsfällen, berichtete der Krankenhaushygieniker Ralf-Michael Wagner.

Das sei zu dieser Jahreszeit im üblichen Rahmen. Hinzu kamen fünf weitere Verdachtsfälle in der Kurzzeitpflege, die sich aber aufgrund eines untypischen, sehr kurzen Krankheitsverlaufes nicht bestätigt hätten. Tatsächlich seien vor Silvester 21 Patienten entlassen worden, was jedoch bereits geplant gewesen sei. Lediglich eine Handvoll Patienten habe man vorzeitig entlassen, um sie gegebenenfalls vor dem Virus schützen zu können. Außerdem habe das Krankenhaus in stetigem Kontakt mit dem Gesundheitsamt gestanden und Verdachtsfälle und nachgewiesene Erkrankungen gemeldet.

Zur Vorsorge greift das Kreiskrankenhaus auf ein besonderes Händedesinfektionsmittel zurück und hat es mit dem Üblichen ausgetauscht. Eine Daueranwendung des eingesetzten Händedesinfektionsmittels sei aber wegen möglicher Hautirritationen nicht
möglich. Krankenhausbesucher werden ausführlich an den Eingängen durch Aushänge informiert und gebeten die dort aufgestellten Desinfektionsmittelspender zu nutzen.

Was sich hinter dem Begriff Norovirus verbirgt:
Noroviren sind hochansteckend und führen bei Menschen zu Brechdurchfall mit hohem Flüssigkeitsverlust. Das Virus ist sehr aggressiv und bereits wenige Viruspartikel reichen für eine Infektion, dabei findet aufgrund der geringen Größe eine sogenannte Tröpfcheninfektion statt.

Das Virus ist weltweit die am meisten gemeldete Infektionserkrankung. Das gilt auch für Deutschland. Die Noroviren unterliegen ständigen Mutationen und überleben bei Temperaturen zwischen -20 und 60 Grad Celsius. Am häufigsten sind die Viren sowohl in Alten- und Pflegeheimen sowie in Kindertagesstätten zu finden. Bestätigte Infektionen durch Stuhlproben müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Insbesondere bei alten Menschen und bei Säuglingen birgt das Virus Risiken, obwohl durch das Virus hervorgerufene Todesfälle selten vorkommen. Gerade bei diesen beiden Gruppen sollten Angehörige auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten. Einen Impfstoff gegen das Virus gibt es bisher noch nicht.

Vorsichtsmaßnahmen um das Norovirus einzudämmen aus gutem Grund

Dennoch ist gerade jetzt Vorsicht angesagt. Im Rhein-Main-Gebiet gab es in den letzten Wochen eine regelrechte Erkrankungswelle. Die Zahl der Fälle sei dort sprunghaft angestiegen. Sogar einige Schulen und Kindertagesstätten hätten dort vorübergehend schließen müssen. Das berichtete die Frankfurter Neue Presse in ihrer Mittwochsausgabe. Den deutlichen Anstieg an Norovirusfällen hätten die Bereitschaftsdienste der Kassenärztlichen Vereinigung in Hessen bestätigt.

Am 19. Dezember berichtete das Robert Koch-Institut (RKI) über den unerwartet frühen starken Beginn der Norovirus-Saison in Deutschland. Demnach hat das Institut im November 2016 insgesamt 14.519 Norovirus-Fälle erfasst. Im gleichen Zeitraum, in den vergangenen fünf Jahre, hätten die Fallzahlen zwischen 6.131 und 10.884 gelegen. Immer wenn die Zahlen besonders hoch seien, sei das mit einem sogenannten neuen Norovirus-Genotyps einhergegangen. Daher gehe mach auch in diesem Jahr von einer neuen Norovirus-Rekombinante aus. Für eine abschließende Beurteilung und eine Prognose des Verlaufs der Norovirus-Saison sei die Datenlage noch nicht ausreichend.

Deutlich mehr Norovirusfälle als gemeldet

Bereits Anfang Dezember hatte die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) eine ausführliche Mitteilung über das Norovirus an die Presse gegeben. Laut DGVS nehmen in zahlreichen Regionen Deutschlands Infektionen mit dem hochansteckenden Norovirus zu. Der Großteil aller Fälle würde in den Wintermonaten Januar bis März registriert. Dabei umfasse die Zahl nur Fälle, bei denen das Magen-Darm-Virus durch eine Laboruntersuchung nachgewiesen wurde. Die tatsächliche Fallzahl liege um ein Vielfaches höher.

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Mit Präventionsmaßnahmen und entsprechenden Hinweisen möchte sich das Krankenhaus vor dem Virus schützen.

Das Virus werde entweder durch den direkten Kontakt mit Erkrankten oder aber indirekt durch verschmutzte Oberflächen, mit denen ein Erkrankter Kontakt hatte – wie Ablageflächen, Türgriffe oder etwa Waschbecken – übertragen. „Die banalste, aber dennoch wichtigste Maßnahme, um das Risiko einer Ansteckung zu verringern, ist deshalb häufiges und gründliches Händewaschen“, sagte DGVS-Experte Professor Dr. med. Ansgar W. Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Bei Ausbruch der Krankheit viel Trinken und auf Hygiene achten

Wenn es dennoch zu einer Infektion komme, gilt: In den meisten Fällen ist es sinnvoll, zu Hause abzuwarten, bis Durchfall und Erbrechen vorbei sind. Da die Krankheit dem Körper Wasser und Elektrolyte entziehe, sollten Betroffene viel trinken: Verdünnte Säfte, Brühe oder gezuckerter Tee können die Verluste ausgleichen, rät die DGSV. „Kinder unter fünf und ältere Menschen ab 70 haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe“, erklärte Lohse. „Wenn Angehörige oder Pflegende feststellen, dass sich der Allgemeinzustand eines Patienten verschlechtert, sollten sie medizinische Hilfe suchen.“ Dabei sollte jedoch eine Voranmeldung in einer Klinik oder Praxis erfolgen, weil Erkrankte soweit möglich, isoliert werden sollten, damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet.

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Im Alsfelder Kreiskrankenhaus sollen sich die Besucher die Hände desinfizieren.

Da Noroviren hochansteckend sind, sollten Erkrankte zu Hause – abgesehen von der Betreuungsperson – möglichst wenig Kontakt zu anderen haben, so die DGVS. Bestenfalls sollten sie auch separate Toiletten, auf jeden Fall aber separate Handtücher und Hygieneartikel, verwenden. Toilette, Waschbecken, Türgriffe und Böden sollten regelmäßig – am besten mit Einwegtüchern – gereinigt und Bettwäsche, Kleidung und Handtücher bei möglichst hohen Temperaturen gewaschen werden, empfiehlt die DGVS. Dabei sollten Pflegende und Angehörige unbedingt Einmalhandschuhe nutzen.

„Um sich und auch andere zu schützen, ist es wichtig, nicht zu früh wieder in den Alltag zu starten, sondern die Erkrankung gut auszukurieren, und auch in den Tagen danach auf sorgfältige Hand- und Toilettenhygiene zu achten“, so Lohse. Denn der Körper scheide die Erreger auch nach Abklingen der Symptome noch für einige Tage mit dem Stuhl aus. „Mindestens zwei Tage sollten Betroffene nach der Erkrankung noch zu Hause bleiben, da in dieser Zeit das Risiko, andere anzustecken, noch erhöht ist.“

Christian Dickel
War von 2016-2017 Redakteur bei Oberhessen-live, Studienabschluss an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, Fachjournalistik Geschichte