
BäderKultur: Alsfelder Ratssänger gründen einmaligen Hallenbad-Ohrwurm-ChorSingendes Hallenbad fährt nach „Mendocino“
ALSFELD (ol). Mit einem Rudelsingen im leeren Becken setzte die BäderKultur im Alsfelder Erlenbad ihre Mitmachreihe „Begegnen. Bewegen. Beteiligen.“ fort. Rund 60 Sängerinnen und Sänger machten das Hallenbad für einen Abend zum Konzertsaal. Begleitet von den Alsfelder Ratssängern entstand ein generationsübergreifendes Gemeinschaftserlebnis voller Musik, Humor und Ohrwürmer.
„Marmor, Stein und Eisen bricht …“ – kaum sind die ersten Takte gespielt, gibt es kein Halten mehr. Gut 60 Stimmen setzten ein, mal kraftvoll, mal vorsichtig, manchmal leicht daneben – aber immer mit voller Inbrunst. Für einen Abend hat Alsfeld einen neuen Chor: den „Hallenbadchor“. Ein singendes Hallenbad, ganz ohne Wasser, dafür randvoll mit guter Laune. Keine Castingshow. Keine Jury. Kein Buzzer. Dafür jede Menge Freude am gemeinsamen Singen, so heißt es in der Pressemitteilung der Badefreu(n)de.
Mit dem Rudelsingen setzte die BäderKultur Dienstagabend ihre Mitmachreihe „Begegnen. Bewegen. Beteiligen.“ fort, bewies einmal mehr, wie aus einer ungewöhnlichen Idee ein außergewöhnliches Gemeinschaftserlebnis werden kann – und traf damit erneut den richtigen Ton.
Manfred Merle, Gitarrist und Chorleiter der Alsfelder Ratssänger, führte mit Witz und Charme durch den Abend. Bevor die ersten Töne erklangen, erzählte er kleine Geschichten zu den Liedern, ließ Erinnerungen aufleben und machte Lust auf das, was folgte. Unterstützt wurde er dabei von Christa Haidu am Akkordeon, die den musikalischen Teppich für den spontan gegründeten Hallenbadchor ausrollte.
Die musikalische Reise führte das Publikum unter anderem nach „Mendocino“, mitten hinein in Wolfgang Petrys „Wahnsinn“ und schließlich über „Country Roads“ mit Hilfe von DJ Ötzis „Stern“ wieder nach Hause zu den „Roten Lippen“, um bei „Siera Madre“ langsam zur Ruhe zu kommen – Ohrwürmer inklusive.
Für einen der charmantesten Momente des Abends sorgten die beiden Solisten Paul Klingel und Hans-Jürgen Stinder. Bei Peter Cornelius‘ „Entschuldigen Sie, i kenn‘ di“ ließen sie ihren Blick mit augenzwinkernder Galanterie durchs Publikum schweifen und verteilten ihre schmachtenden Blicke großzügig an die Damen in den ersten Reihen. Das Publikum dankte es mit viel Gelächter und begeistertem Applaus.
Überraschend war, welche Lieder besonders laut mitgesungen wurden. Gerade die Volksmusik-Klassiker fanden auch bei den jüngeren Gästen großen Anklang – textsicher und mit sichtlicher Begeisterung. Anders erging es den Schlagern von Howard Carpendale. Jeder kennt sie, jeder summt sie – doch erst im gemeinsamen Singen wurde deutlich, wie anspruchsvoll seine Melodieführungen tatsächlich sind. So mancher Sänger geriet dabei charmant ins Stolpern.
Dass gemeinsames Singen keine Frage des Alters ist, zeigte ein Blick in den Chor. Zwischen Anfang 20 und über 90 Jahren war nahezu jede Generation vertreten. Manche hatten ihren Rollator dabei, andere eine Lupe für die Liedtexte – alle aber vor allem eines: die Lust, gemeinsam zu singen. Und genau das machte den Abend so besonders.
Als sich Publikum und Alsfelder Ratssänger am Ende gegenseitig mit langanhaltendem Applaus verabschiedeten, war klar: Die Idee der BäderKultur funktioniert. Sie schafft Begegnungen, bringt Menschen in Bewegung und macht sie selbst zu Akteuren. Der „Hallenbadchor“ löste sich zwar am Ende des Abends wieder auf, wer nach diesem Abend keinen Ohrwurm und ein tolles mit nach Hause genommen hat, der hat vermutlich gar nicht mitgesungen.
Fotos: Kierblewski
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