
Journalist Armin H. Flesch spricht im Muna-Museum Grebenhain über Enteignung jüdischer Familien und historische VerantwortungVortrag über „Arisierung“ und ihre Folgen bis heute
GREBENHAIN (ol). Der Journalist Armin H. Flesch hält am Dienstag, den 2. Juni, einen Vortrag zum Thema „Erben der Arisierung“ im Muna-Museum Grebenhain. Im Mittelpunkt stehen die Enteignung jüdischer Familien während der NS-Zeit und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart.
Der Journalist Armin H. Flesch spricht am Dienstag, den 2. Juni, ab 19 Uhr im Muna-Museum Grebenhain in der „Alten Schule“ in Bermuthshain über die sogenannte „Arisierung“ jüdischen Eigentums während der NS-Zeit, berichtet der Förderverein MUNA-Museum Grebenhain e. V. es in einer Pressemitteilung. Der Vortrag trägt den Titel „Erben der Arisierung“.
Ausgangspunkt für die Beschäftigung von Armin H. Flesch mit dem Thema war eine E-Mail aus Basel im Sommer 2014. Der Enkel eines jüdischen Unternehmers hatte sich damals an den Frankfurter Journalisten gewandt. Die Firma seines Großvaters war 1935 arisiert worden. Jahrzehnte später hätten die Nachkommen des damaligen Ariseurs ihr Unternehmen mit einer „fast 100-jährigen Familientradition“ beworben.
Seitdem beschäftigt sich Flesch mit der Arisierung als organisierter Enteignung der europäischen Juden und mit deren Folgen bis in die Gegenwart. Umfangreiche Archivrecherchen und Interviews führten ihn zu Fragen nach den Mechanismen des legalisierten Raubes, den Profiteuren sowie der Bedeutung der Arisierung für das Verständnis des Holocaust und der deutschen Gesellschaft vor und nach 1945. Auch die Frage, ob sich vergleichbare Entwicklungen wiederholen könnten, thematisiert er in seiner Arbeit.
Seit 2017 hält Flesch bundesweit Vorträge, besucht Schulen und arbeitet an einem Buch zum Thema. Zudem veröffentlichte er mehrere Zeitungsartikel über die Arisierung.
Der Vortrag beleuchtet auch die regionale Geschichte des Vogelsbergs. Vor 1933 existierten zahlreiche jüdische Gemeinden in der Region. Gleichzeitig galt der Vogelsberg bereits seit dem späten 19. Jahrhundert als geprägt von politischem Antisemitismus und war 1932 eine der größten Hochburgen der NSDAP im Deutschen Reich. Unter dem Druck von Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung vollzog sich die Arisierung ab 1933 auch in den Dörfern und Kleinstädten der Region.
Veranstaltet wird der Vortrag vom Förderverein MUNA-Museum Grebenhain e. V. in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Der Eintritt ist frei.
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