
Kolumne von Ralf Scheuer, Vermögensmanager bei Aurum Vermögensmanagement GmbHGute Weltkonjunktur und Schiffbruch in Deutschland
ALSFELD (ol). Die globalen Aktienmärkte verzeichnen Rekordhochs, wobei vor allem Technologieunternehmen maßgeblich an der positiven Entwicklung beteiligt sind. Trotz dieser Erfolge bestehen Risiken, da viele traditionelle Aktienindizes weniger Wachstum zeigen. Die deutschen Konjunkturdaten sind besorgniserregend, mit Prognosen eines Rückgangs der Wirtschaftsleistung.
Neues Allzeithoch am Aktienmarkt
Die populären Börsenbarometer markierten neue Allzeithochs. So kletterte der DAX (inklusive seiner Dividenden) erstmals über die Marke von 17.500 Punkten und der japanische Nikkei überwand sein altes Allzeithoch von 1989. Der besonders bedeutende US-Aktienindex S&P 500 wurde ebenfalls durch gute Quartalszahlen im Technologie-Sektor zu neuen Hochs beflügelt. Nvidia konnte beispielsweise im Zuge des Booms rund um die künstliche Intelligenz zum sechsten Mal in Folge den Quartalsumsatz über den Erwartungen steigern und verdient hervorragend. Alleine dieses Unternehmen ist nun übrigens so viel wert, wie alle Unternehmen des DAX-Index gemeinsam.
Ein genauerer Blick relativiert das positive Aktienindexbild
Auffällig ist allerdings, dass diese neuen Indexhochs (vor allem in den USA) in relativ hoher Konzentration von nur wenigen großen Wachstumsunternehmen getragen werden, während der breite Aktienmarkt eher eine Seitwärts- oder Negativentwicklung zeigte.
Es tut sich also eine Schere zwischen den (durch derzeit nur von wenigen Unternehmen dominierte) bekannten Aktienindizes auf der einen Seite und der Kursentwicklung des gesamten Aktienmarktes auf der anderen Seite auf. Je breiter ein Aktienindex hinsichtlich der Anzahl und Größe der Unternehmen diversifiziert ist, desto schlechter war deswegen die Entwicklung.
Der deutsche MDAX-Index verlor in diesem Jahr beispielsweise circa 4 Prozent und ist noch 30 Prozent von seinem ehemaligen Höchststand entfernt, während der amerikanische Russell 2000-Index im aktuellen Jahr per Saldo eine Seitwärtsentwicklung zeigte und der Abstand zu seinen vergangenen Hochs immer noch circa 18 Prozent beträgt. Die Masse der Aktien, abseits des Technologiesektors, tut sich mit neuen Höchstständen also schwer, so dass von einem breiten Aktienmarktaufschwung keinesfalls die Rede sein kann.
Die Entwicklung der bekannten Aktienindizes ist also in hohem Maße vom Erfolg weniger Technologieunternehmen abhängig. Können diese bei mittlerweile ambitionierter Bewertung weiterhin die hohen Wachstumserwartungen erfüllen? Zweifelsohne sind die Businessmodelle dieser Unternehmen solide und zukunftsfähig. Doch auch nur vorübergehende Enttäuschungen in der Geschäftsentwicklung können jederzeit zu einer Korrektur des Kursniveaus führen. Insbesondere Anleger in indexnahen Fonds dürfen sich über die gute Kursentwicklung freuen, sollten jedoch die Klumpenrisiken im Auge behalten.
Gute Weltkonjunktur und Schiffbruch in Deutschland
Die weltweiten Konjunkturdaten zeigen im Großen und Ganzen trotz der fragilen geopolitischen Lage ein positives Bild. So liegen die Einkaufsmanagerindices in Japan und den USA über der wichtigen Wachstumsschwelle von 50 Punkten (Werte über 50 signalisieren Wirtschaftswachstum) und auch in der Eurozone zeichnet sich bei Werten unter 50 Punkten eine positive Trendwende ab. Nur in Deutschland sackte das Barometer weiter ab.
Die Ergebnisse der Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zum Jahresbeginn bei 27.000 Unternehmen sind ebenfalls desaströs: Die schlechte Stimmung der Unternehmen verfestigt sich. Über ein Drittel der Unternehmen haben negative Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate und nur jedes Siebte rechnet mit besseren Geschäften. Die Mehrheit der deutschen Unternehmen sieht die größten Geschäftsrisiken in den Energie- und Rohstoffpreisen, den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (zum Beispiel Bürokratie), dem Fachkräftemangel, der Inlandsnachfrage sowie den Arbeitskosten. 33 Prozent der Betriebe wollen Investitionen verringern und nur 24 Prozent erhöhen.
Entgegen dem Trend in der Gesamtwirtschaft entwickeln sich jedoch große, international tätige Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten, indem sie wegen der überraschend resilienten Weltwirtschaft von verbesserten Exporterwartungen profitieren.
Angesichts der insgesamt trüben Aussichten und des schwachen Jahresbeginns prognostiziert die DIHK auch in diesem Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent. Es wäre erst das zweite Mal in der Nachkriegsgeschichte, dass die deutsche Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Jahren schrumpfen würde.
Die am 23. Februar veröffentlichen Ergebnisse der ifo-Geschäftsklimaindexumfrage zeigen ebenfalls, dass Deutschland als EU-Schlusslicht trotz geringfügig höherer Indexwerte auf prekärem Niveau knietief in der Rezession steckt.
Aktienmarkt nach Rally mit Rückschlagsrisiko
Nach den Kurssteigerungen der letzten Wochen signalisieren die meisten Indikatoren ein erhöhtes Rückschlagsrisiko. So liegt beispielsweise der Aktienanteil der globalen Fondsmanager auf einem Zweijahreshoch und auch die Positionierung der Anleger am US-Terminmarkt ist so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Entsprechend gering ist die Absicherung gegen fallende Kurse. Eine Korrektur würde die große Überzahl der optimistischen Anleger derzeit auf dem falschen Fuß erwischen und eine Abwärtsbewegung gegebenenfalls noch dynamisieren. Dieses „Ausatmen“ des Marktes wäre sogar gesund und bietet nach einer Marktbereinigung wieder günstigere Kaufgelegenheiten. Sicherheitsorientierteren Anlegern bietet das höhere Renditeniveau Einstiegsmöglichkeiten im Anleihesektor.
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