Kultur0

Eindrücke von der Generalprobe in der Stadthalle mit vielen BildernDas Wintermärchen startet durch zum Mond

ALSFELD (jal). Weihnachten – dafür braucht es in Alsfeld neben dem Weihnachtsmarkt schon seit Langem noch etwas anderes mit W: das Wintermärchen. In diesem Jahr hat das Team rund um Johanna Mildner und Jenny Wagner seine eigene Version von „Peterchens Mondfahrt“ kreiert. Nicht nur das gelungene Bühnenbild lädt dabei zum Träumen ein. Szenen einer Generalprobe, die Lust auf mehr macht.

Einige Herren dürfte es verwundern, aber eine Glatze zu bekommen, kann ziemlich anstrengend sein. Es zwickt und zwackt, doch Johann Kraus erträgt die Piesackereien auf seinem Kopf mit stoischer Ruhe. Johanna Mildner, Co-Autorin und Regisseurin des Stücks, legt selbst mit Hand an, damit die Maskerade richtig sitzt und aus dem jungen Mann in einem Garderobenraum der Alsfelder Stadthalle der perfekte Sandmann wird.

Das Wintermärchen der Alsfelder Marktspielgruppe – es ist mittlerweile zu einer echten Institution der Stadt geworden, wird gar mit Mitteln aus einem Demokratieförderprogramm unterstützt. Dieses Mal haben Mildner und die Co-Autorin Jenny Wagne, sich den Kinderklassiker „Peterchens Mondfahrt“ von Gerdt von Bassewitz vorgenommen. Aber es wäre nicht die Alsfelder Marktspielgruppe, wenn die berühmte Vorlage nicht wirklich nur als Vorlage dienen würde, für ein ganz eigenes, persönliches Stück.

Wird gerade zum Sandmann: Johann Kraus

„Wir haben ja schon immer gern Geschlechter anders besetzt“, sagt Mildner beim Glatze-Zurechtrücken in der Garderobe, als sie Timea Kneip vorstellt, die Peterchen spielen wird. Ob Peterchen jetzt ein Junge oder doch ein Mädchen ist, das wird im Stück nicht weiter thematisiert. Anders als im Original hat Peterchen jedenfalls eine Schwester, in dessen Rolle Jette Ehrhardt-Gerst schlüpft.

Aber wie war das denn jetzt nochmal mit Peterchen und der Mondfahrt? Viele Erwachsene, so ab 35 aufwärts, würden ganz glänzende Äuglein kriegen, wenn sie daran denken, erzählt Mildner. Viele hätten das Stück als Kind im Fernsehen oder dem Theater gesehen. Die Kinder von heute wüssten nur noch grob, um was es geht. „Das hat irgendwas mit dem Maikäfer zu tun, ne? Der Maikäfer, der hat ne Geige und dem fehlt ein Bein – und naja, mit dem Mond“, sagt sie mit einer kindlichen Betonung. Danach höre es dann meistens auf.

Drehbuchschreiben von Italien aus

Der Stoff der Geschichte im Original sei zwar immer noch schön, meint Mildner, doch so manches wirke heutzutage doch eher altbacken und damit aus der Zeit gefallen. Zum Beispiel, dass Jungs mit Zinnsoldaten spielen und Mädchen mit Puppen. Diese Rollenklischees könne man heute so nicht mehr auf die Bühne bringen, schiebt sie nach. „Es ist immer so: Du hast ein Grundgerüst, du findest die Geschichte schön, und dann musst du sie in die heutige Zeit packen.“ Und genau das hat sie, die selbst 20 Jahre als Schauspielerin gearbeitet hat, zusammen mit Jenny Wagner getan. Ganz modern, in gut zehn Sitzungen à vier Stunden über Ländergrenzen hinweg, weil Wagner sich in Italien aufhielt.

Wem es ähnlich geht wie denjenigen, die nur noch „Maikäfer und Mond“ zusammenkriegen, dem sei hier also nochmal grob die Handlung des Märchens in der Alsfelder Inszenierung zusammengefasst. Die Geschwister Petechern und Anneliese liegen abends noch wach, als plötzlich der Maikäfer Herr Sumsemann (herrlich verzweifelt gespielt von Helmut Berger) in ihrem Zimmer auftaucht. Zusammen brechen die drei auf, um Herrn Sumsemanns verlorenes Beinchen wiederzufinden, das sich leider im Besitz des bösen Mondmanns befindet. Anneliese, die sich mit ihrem Kopf sowieso immer in den Sternen befindet, ist wie das draufgängerische Peterchen sofort fasziniert. Die drei treten eine Reise durch die Galaxie an, und treffen dabei allerhand neue Freunde – Frau Holle, einen Weihnachtsmann mit Entspannungsproblemen und die Naturgeister eingeschlossen.

Bereit für ein Abenteuer: Anneliese (Jette Ehrhardt-Gerst) und Peterchen (Timea Kneip)

Die Kostüme für alle diese Geschöpfe hat Ruth Henkel kreiert. Seit September hat sie Stoffe gesichtet und sich Gedanken gemacht, erzählt sie in einer Pause der Generalprobe. Und auch bei den Kostümen bleibt sich die Crew des Wintermärchens treu: Mit Bekanntem Spielen, den Kern erhalten, aber ab und zu die Erwartungen brechen: „Die Sternchen sollten nicht wie Sternchen aussehen, der Sandmann nicht wie ein Sandmann“, sagt sie. Also tritt der Sandmann in einer coolen Jacke mit Planetenmuster auf, die an die 80er-Jahre erinnert. Die Sternchen, mit viel Energie und sichtlicher Freude gespielt von Fee Pabst und Merit Ehrhardt-Gerst, tragen ein gelbes Oberteil und einen leichten Rock mit Sternchenmuster.

Aufführtermine in der Alsfelder Stadthalle
Sonntag, 17.12. um 11 Uhr; Sonntag, 17.12. um 17 Uhr; Mittwoch, 27.12. um 15 Uhr; Donnerstag, 28.12. um 19 Uhr

Eine der größten Herausforderungen für das Team in diesem Jahr war das Bühnenbild. Wie soll man eine Reise durch den Weltraum darstellen, ohne Dreh- oder Hebebühnen – und ohne kräftige Seilzüge, wie es sie in allen Theatern gibt, an die man beispielsweise ein Raumschiff hängen könnte? Es half also nur eines: improvisieren. Johanna Mildner hat freilich ein schöneres Wort dafür: Theatermagie. Mit fluoreszierender Farbe, ein paar von der Decke hängenden Himmelskörpern und dem richtigen Einsatz von Lichteffekten ist Bühnenbildnerin Inge Zuschlag, ihrem Team der Technik und des Alsfelder Bauhofs wahrlich ein kleines Kunstwerk gelungen, welches das Verlassen des Planeten Erde, und sei es nur für kurze Zeit und imaginär, möglich macht.

Denn auch wenn die Alsfelder Stadthalle keine Weltbühne ist – „wir haben schon einen Anspruch“, sagt Johanna Mildner. Und genau das dürfte der Grund dafür sein, warum auch dieses Alsfelder Wintermärchen seine Zuschauer wieder gekonnt verzaubern wird.

Bildergalerie der Generalprobe

Das Ensamble

Textfassung:                          Johanna Mildner und Jenny Wagner

Regie:                                      Johanna Mildner

Kostüme:                                Ruth Henkel

Bühnenbild:                           Inge Zuschlag

Musik:                                     Dirk Lindemann

 

Besetzung

Herr Sumsemann:            Helmut Berger

Peterchen:                         Timea Kneip

Anneliese:                          Jette Ehrhardt-Gerst

Die Mutter:                        Silvia Völker

Der Sandmann:                  Johann Kraus

Peterchens Sternchen:        Fee Pabst

Annelieses Sternchen:        Merit Ehrhardt-Gerst

Taumariechen:                   Frieda Kraus

Nachtfee:                           Jenny Wagner

Gewittermann:                   Holger Meier-Schabl

Sturmriese:                         Lorenz Rüdiger

Frau Holle:                         Silvia Völker

Mondschäfchen Hila:         Merit Erhardt-Gerst

Mondschäfchen Mina:        Fee Pabst

Pfefferkuchenmann:           Lorenz Rüdiger

Weihnachtsmann:               Holger Meier-Schaböl

Mondmann:                        Johann Kraus

Morgenröte:                       Frieda Kraus

 

Maske und Garderobe:  Chiara Cardamone, Julia Kneip

Licht:                                 Markus Kirchheim

Ton:                                   Nils Rothley

Ein herzliches Dankeschön an die Mitarbeiter des Baubetriebshofs Alsfeld und Walter Orendi

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.

Einloggen Anonym kommentieren