
Neuer Wirkungsort nach 17 JahrenEvangelisches Dekanat Vogelsberg verabschiedet Susanne Metzger-Liedtke in die Schulseelsorge
FREIENSEEN/ALSFELD (ol). Pfarrerin Susanne Metzger-Liedtke wechselt nach siebzehneinhalb Jahren in Freienseen als Schulpfarrerin an die Max-Eyth-Schule in Alsfeld. Dort möchte die 56-Jährige Schülerinnen und Schülern eine Anlaufstelle für Sorgen, Fragen und persönliche Herausforderungen bieten. Zuvor war sie in Freienseen sowie später auch in Sellnrod und Altenhain tätig.
Wer an der Max-Eyth-Schule in Alsfeld Sorgen hat, jemanden zum Reden braucht oder einfach einmal einen Gedanken loswerden möchte, soll bei Susanne Metzger-Liedtke eine offene Tür finden, berichtet das Evangelische Dekanat Vogelsberg in einer Pressemitteilung. „Ich möchte eine Anlaufstelle sein, an der man Sorgen besprechen und abladen kann und dann mit einem positiven Impuls weitergehen kann“, beschreibt die 56-jährige Pfarrerin, was sie sich für ihre neue Aufgabe wünscht. Nach vielen Jahren in der Gemeindearbeit wechselt sie nun als Schulpfarrerin an die Max-Eyth-Schule, berichtet das Evangelisches Dekanat Gießener Land in einer Pressemitteilung.
Besonders freut sie sich darauf, mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen, „die in der klassischen Gemeindearbeit eher selten auftauchen“, sagt sie. Dabei geht es für sie nicht zuerst um Religion oder darum, Jugendliche für Kirche zu begeistern. Es geht um das Leben – mit seinen Fragen, Unsicherheiten und Herausforderungen. „Gott ist mitten im Leben“, lautet ein Gedanke Dietrich Bonhoeffers, der sie dabei begleitet. Kirche könne Menschen unterstützen und ihnen Liebe, Gemeinschaft und Vergebung als Perspektiven eröffnen. „Das ist in der Schule nicht anders als anderswo.“
Dass Jugendliche mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zu ihr kommen können, ist ihr wichtig. An der Max-Eyth-Schule begegnen sich Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Bildungsgängen. Metzger-Liedtke möchte ihnen offen und tolerant begegnen – unabhängig davon, ob sie mit Kirche und Religion viel anfangen können oder nicht. Sie sieht darin eine gute Voraussetzung für Vertrauen. Auch im Unterricht möchte sie Anknüpfungspunkte schaffen, etwa wenn es um Kommunikation und ein gutes Miteinander im späteren Berufsleben geht.
Die Schulseelsorge ist für Metzger-Liedtke dabei kein völlig neues Feld. Bereits in Freienseen war sie an der evangelischen Grundschule schulseelsorgerlich tätig. Nun möchte sie diese Erfahrung mit in ihr neues Arbeitsfeld nehmen. „Ich weiß auch, dass die jungen Menschen an der Max-Eyth-Schule oft in einer persönlichen Findungsphase sind“, sagt sie. Gerade dort möchte sie etwas Gutes bewirken.
Der Weg dorthin bedeutet zugleich einen Abschied. Siebzehneinhalb Jahre war Freienseen ihre berufliche Heimat. Vor sechs Jahren kamen Sellnrod und Altenhain hinzu, als die Gemeinden zu einer Gesamtkirchengemeinde zusammengeschlossen wurden. Die lange Zeit an einem Ort hat sie geprägt – vor allem durch die Menschen. „All die Menschen, die mir begegnet sind“, wird sie besonders in Erinnerung behalten, ebenso die Momente, in denen sie Menschen intensiv begleiten durfte. Das Vertrauen, das ihr dabei entgegengebracht wurde, empfindet sie als besonderen Schatz.
Freienseen kennt Metzger-Liedtke nicht nur als Pfarrerin, sondern auch als einen Ort, an dem Gemeinschaft gelebt wird. Die Freundlichkeit und Offenheit im Dorf habe sie immer wieder erlebt. Besonders in Erinnerung bleibt ihr etwa die Zusammenarbeit mit Ulf Häbel in der Dorfschmiede. In das Projekt sei viel Herzblut geflossen. Nicht alles habe funktioniert wie geplant, gleichzeitig seien dort ganz besondere Formen von Gemeinschaft entstanden – zunächst im Dorfladen, später in der Tagespflege und heute im liebevoll gestalteten Dorfcafé.
Dass der Abschied nicht nur leichtfällt, verschweigt Metzger-Liedtke nicht. Besonders traurig mache sie, dass viele Menschen, die früher regelmäßig zum Gottesdienst kamen, inzwischen gestorben seien und die Kirchen dadurch leerer geworden seien. Gleichzeitig bleibt ihre Verbundenheit mit der Gemeinde bestehen. Sie wird weiterhin in der Region wohnen und hofft, dass vieles von dem, was ihr wichtig geworden ist, dadurch erhalten bleibt. Schon jetzt merke sie allerdings, dass sie nicht mehr alles mitbekomme, was in Freienseen, Sellnrod und Altenhain geschieht. „Da wird mir vielleicht schon manchmal ein Stück fehlen.“
Der Wunsch nach Veränderung ist dennoch gewachsen. „Ich war jetzt wirklich lange am gleichen Wirkungsort“, sagt sie. Irgendwann sei das Gefühl entstanden, es dürfe einmal etwas Neues sein. Als sie hörte, dass die Stelle an der Max-Eyth-Schule vakant war und die Hoffnung auf eine Besetzung bereits schwand, fühlte sie sich angesprochen: „Neue Hoffnung zu geben, das gehört zu meinen Kernaufgaben.“ Sie bewarb sich – und beginnt nun einen neuen Abschnitt.
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