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Geschichten vor besonderer KulisseErzählfestival der Vielfalt bringt TV bekannte Autoren nach Homberg

HOMBERG OHM (ol). Vom 4. bis 6. September findet rund um das Homberger Schloss das Erzählfestival der Vielfalt statt. Mit dabei sind Judith Hoersch, Stefan Kuhlmann und Katherine Zimmermann, die neben ihrer Arbeit für Film und Fernsehen auch als Autoren tätig sind. Lesungen, ein Screening, Werkstattgespräche, Workshops und weitere offene Angebote gehören zum Programm.

Die eine ist bekannt als Darstellerin der Hebamme Lena Lorenz, der andere schreibt die Drehbücher für Andrea Sawatzkis „Familie Bundschuh“ und die dritte hat es mit ihrer Kinderserie „GONG! – Mein spektRakuläres Leben“ auf die Nominiertenliste des International Emmy Award, des Oscar für Fernsehproduktionen, geschafft. Judith Hoersch, Sven Kuhlmann und Katherine Zimmermann sind vielseitig, offen und mögen den Kontakt mit dem Publikum: Alle drei kann man neben vielen anderen Autorinnen und Autoren Anfang September auf dem Homberger Schloss erleben, denn die Initiatorin Astrid Ruppert, selbst erfolgreiche Schriftstellerin und Drehbuchautorin, konnte die drei für einen Auftritt beim Erzählfestival gewinnen, denn alle drei sind auch Autoren:

Den Anfang macht am 5. September Stefan Kuhlmann, so heißt es in der Pressemitteilung der Veranstalter. Er hat seinen Roman „Herr Winter taut auf“ mitgebracht – die Geschichte eines Mannes, der für seine verstorbene Frau den Titel „AVON-Beraterin des Jahres“ gewinnen will. Kein leichtes Unterfangen für jemanden, der als pensionierter Finanzbeamter schon allein mit dem Produkt wenig anfangen kann. Gerade deshalb findet er, sollten die Leserinnen und Leser Herrn Winter unbedingt kennenlernen: „Ich mag an ihm gerade das Widerborstige“, beschreibt Kuhlmann seinen Protagonisten. „Und kennenlernen sollte man ihn, weil er trotz seiner griesgrämigen Art ein Mensch ist, der Mut macht. Es ist nie zu spät, nochmal ein anderer zu werden, und zwar auf die schrägste Art, die man sich denken kann. Wenn man bereit ist, hinter die Fassade zu schauen. Oder in Herrn Winters Fall… die Schminke.“ Wie man als Autor auf ein solches Thema kommt, ist das eine – eine andere Frage drängt sich da geradezu auf: Ob Stefan Kuhlmann wohl ein guter AVON-Berater wäre: Eher nicht, meint der Autor, dessen kosmetischer Fundus sich auf eine Cremetube beschränkt. Seinen Leseort, das Homberger Schloss hat der Berliner übrigens schon in Augenschein genommen. Und findet hier – wen wundert’s – Erholung pur: „Hier oben am Schlossberg hat man plötzlich Himmel über sich statt Termine. Und für ein Erzählfestival gibt es sowieso kaum einen besseren Ort als ein altes Schloss.“

Foto: privat

Auch Katherine Zimmermann nimmt am Samstag auf der Lesebühne Platz. In einem Screening stellt die Stipendiatin der Deutschen Akademie für Kindermedien einzelne Folgen der KIKA-Serie vor, in der es um die Herausforderungen geht, denen sich Eileen, eine elfjährige Autistin, stellen muss: Zumal es um einen Schulwechsel, neue Freunde und eine Klassenfahrt geht.

Foto: Zimmermann

Mit dem Thema Autismus beschäftigt sich die Autorin aus persönlichen Gründen schon länger. Sie fand dass Aufklärungsarbeit über dieses oft missverstandene Theam nötig sie und freute sich sehr als, gerade das Thema Autismus Gegenstand einer Aufgabe bei ihrer Bewerbung für das Stipendium bei der Akademie für Kindermedien war. „Es sollte eine Idee für eine Serie entwickelt werden, die das Thema für Kinder verständlich und unterhaltsam vermittelt – weg von überholten Klischees und nah an der Realität. So ist die Hauptfigur Eileen entstanden“, berichtet Katherine Zimmermann. „Als die Serie nach ein paar Jahren in der Schublade tatsächlich produziert und sogar für den International Emmy Award nominiert wurde, war ich sehr, sehr glücklich und stolz – auf mich, auf das Team und auf Eileen.“ Die Medienmentorin wünscht sich generell viel mehr Selbstverständlichkeit in der Darstellung von Diversität jeder Art. „Während GONG! noch viel erklärt und der Autismus wesentlicher Teil der Geschichte ist, wäre es wunderbar, wenn verschiedenste Formen der Normalität in Geschichten und Figuren einfließen würden, ohne sie groß zu thematisieren oder gar zu problematisieren. Die Vielfalt des Erzählens entsteht, wenn wir miteinander kreativ werden, statt nur über etwas zu schreiben.“ Derzeit arbeitet die Autorin an einem utopischen Jugendroman, auf den man sich schon jetzt freuen darf.

Judith Hoersch hat ihren Roman „Niemands Töchter“ mitgebracht, denn die vielseitige Schauspielerin kann neben tanzen, singen und malen auch schreiben. Einem großen Publikum ist sie als Hebamme Lena Lorenz aus der gleichnamigen ZDF-Serie bekannt. Judith Hoersch hat den Primetime-Platz am Samstagabend im Lesezelt des Erzählfestivals und geht in diesem Buch dem komplexen und generationsübergreifenden Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern nach. Ein Werkstattgespräch mit Astrid Ruppert, die sich diesem Thema auch in ihrer „Winterfrauen-Trilogie“ gewidmet hat, wird die Lesung abrunden. In ihrem Roman spannt Judith Hoerschs einen Bogen über vierzig Jahre. „Im Jahr 1981 geschieht etwas, das alle vier Leben prägt – aufgelöst wird es aber erst in der Gegenwart. Im Kern geht es darum, was wir als Mütter an unsere Töchter weitergeben: durch das, was wir tun, aber genauso durch das, worüber wir schweigen. Und vor allem geht es darum, dass Heilung dort entsteht, wo Wahrheit ausgesprochen wird“, fasst die Autorin zusammen. Dass sie Schauspiel und Schreiben als unterschiedliche Formen des Selbstausdrucks gleichermaßen schätzt, liegt auf der Hand: „Beide Ausdrucksformen liebe ich, keine möchte ich missen. Im Gegenteil – ich spüre eine starke Verbindung zwischen dem extrovertierten, gefühlten und gelebten Ausdruck des Schauspiels und dem geschriebenen Wort. Als Autorin bin ich vor allem Schöpferin, bin freier, unabhängiger, kann eigene Entscheidungen treffen. Als Schauspielerin wiederum kenne ich mich sehr gut mit dem Innenleben von Figuren aus – letztlich stelle ich mir die gleichen Fragen: Woher kommt meine Figur? Was will sie? Was ist ihr Geheimnis? Wie bekommt sie, was sie will?“ Zum Erzählfestival nach Homberg/Ohm kommt sie auf Einladung von Astrid Ruppert. Sie freut sich auf den Austausch mit buchbegeisterten Menschen, auf die Workshops, und darauf, dass das Festival für die ganze Familie gedacht ist und sie sogar ihre Tochter mitbringen kann.

Neben diesen dreien können die Besucherinnen und Besucher des Erzählfestivals noch viele weitere Autorinnen und Autoren auf dem Homberger Schloss erleben. Workshops, ein Büchertisch und die schöne Stimmung dieses außergewöhnlichen Ortes laden ein, entdeckt zu werden. Für alle Veranstaltungen kann man Einzeltickets erwerben; der Zugang zum Schloss, zum Catering und den offenen Angeboten ist frei. Astrid Ruppert: „Auch das Offene Mikrofon für alle wird sehr interessant werden – Autorinnen und Autoren aus der Region, die eigen Texte vorlesen wollen, sind herzlich eingeladen, sich anzumelden (Mikrofon.fuer.alle@freenet.de). Und wir hoffen natürlich, dass viele Menschen sich auf den Weg zum Schloss machen, um die unterschiedlichsten Formen des Erzählens zu genießen.“

Das Erzählfestival findet statt vom 4. bis 6. September rund um das Homberger Schloss. Alles zum Programm sowie den Ticketshop findet man unter https://www.kulturspinnerei.com/veranstaltungen/literatur/homberger-erzaehlfestival-der-vielfalt. Tickets für die Lesungen gibt es auch in der Buchhandlung Seitenzauber in Homberg/Ohm. Gefördert wird das Erzählfestival vom Kultursommer Mittelhessen.

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