
Hamburger Jubiläumsgruß verbindet ModellbahnerModellbahnfreunde Alsfeld feiern 25-jähriges Vereinsjubiläum
ALSFELD (ol). Am 15. und 16. August feiern die Modellbahnfreunde Alsfeld ihr 25-jähriges Bestehen mit geöffneten Vereinsräumen. Mehr als 30 Zuggarnituren fahren durch vier Räume mit aufwendig gestalteten Landschaften. Einen besonderen Gruß erhielten die Alsfelder Modellbahnfreunde von Frederik und Gerrit Braun, den Gründern des Miniatur Wunderlands Hamburg. Der Verein lädt Interessierte ein, die Anlage kennenzulernen und sich über eine Mitgliedschaft zu informieren.
Auf einer Modellbahnanlage ist Entfernung immer eine Frage des Maßstabs. Hamburg und Alsfeld können dort nur wenige Schritte voneinander entfernt liegen. Ein Zug verlässt den Bahnhof, verschwindet in einem Tunnel und taucht Augenblicke später in einer anderen Landschaft wieder auf. In der wirklichen Welt liegen zwischen der Hamburger Speicherstadt und dem Vogelsberg einige Hundert Kilometer. Die Leidenschaft für die Modelleisenbahn überbrückt diese Entfernung jedoch mühelos.
Im Jahr 2001 nahmen zwei Geschichten ihren Anfang, die sich in ihrer Größe unterscheiden, in ihrem innersten Antrieb aber eng miteinander verbunden sind. In Hamburg öffnete am 16. August 2001 das Miniatur Wunderland seine Türen. Aus den anfangs 300 Quadratmetern Traumlandschaft wurde im Laufe eines Vierteljahrhunderts eine Modellwelt von internationalem Rang: mit 1.694 Quadratmetern Modellfläche, mehr als 16 Kilometern Gleis, über 1.200 Zügen und Millionen Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt.
Aus einer mutigen Idee der Zwillingsbrüder Frederik und Gerrit Braun entstand eine Sehenswürdigkeit, die heute weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt ist. Flugzeuge starten und landen am Flughafen Knuffingen, Züge durchqueren Länder und Kontinente, Schiffe fahren durch echtes Wasser und unzählige kleine Szenen erzählen Geschichten, die sich oft erst auf den zweiten oder dritten Blick entdecken lassen. Das Miniatur Wunderland zeigt, wie groß eine kleine Welt werden kann, wenn Fantasie, Technik und Beharrlichkeit zusammenfinden.
Zur selben Zeit begann auch in Alsfeld eine Reise auf kleinen Schienen. Seit nunmehr 25 Jahren bauen, pflegen und erweitern die Modellbahnfreunde Alsfeld ihre Anlagen, wie es in der Pressemitteilung des Vereins heißt. Was hier entstanden ist, trägt nicht die Dimensionen einer internationalen Besucherattraktion – und muss es auch nicht. Sein besonderer Wert liegt an anderer Stelle: im ehrenamtlichen Engagement, in zahllosen gemeinsam verbrachten Stunden und in der Geduld, die notwendig ist, bis aus Holz, Gips, Draht, Farbe und Technik eine glaubwürdige Landschaft erwächst.
Denn eine Modellbahn besteht niemals nur aus Lokomotiven und Schienen. Sie lebt von den Menschen, die hinter ihr stehen. Von jenen, die einen defekten Zug wieder zum Laufen bringen, eine Weiche instand setzen, ein winziges Gebäude altern lassen oder darüber beraten, an welcher Stelle noch ein Baum, ein Bahnsteig oder eine kleine Alltagsszene fehlt. Es ist eine Arbeit, die Genauigkeit verlangt – und zugleich Raum für Fantasie lässt.
Ein Gruß, der weit über die Gleise hinausreicht
Dass nun Frederik und Gerrit Braun den Modellbahnfreunden Alsfeld zu ihrem 25-jährigen Bestehen gratulierten, ist deshalb weit mehr als eine freundliche Geste in den sozialen Medien. Die Glückwünsche kamen von zwei Menschen, die wie kaum jemand sonst dafür stehen, dass aus einer vermeintlich kleinen Liebhaberei etwas entstehen kann, das Generationen begeistert.
Für die Alsfelder Modellbahnfreunde war dieser Gruß aus Hamburg eine besondere Überraschung. Plötzlich begegneten sich zwei Jubiläumsgeschichten: hier die weltbekannte Miniaturwelt in der Speicherstadt, dort der mit viel Herzblut geführte Verein im Vogelsberg. Auf der einen Seite 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Millionen Gäste und technische Maßstäbe, die weltweit Beachtung finden. Auf der anderen Seite ein regional verwurzelter Verein, dessen Mitglieder ihre Freizeit, ihr Können und ihre Ideen einbringen.
Doch wer genauer hinsieht, erkennt weniger einen Gegensatz als vielmehr eine gemeinsame Haltung. In Hamburg wie in Alsfeld beginnt alles mit demselben Gedanken: Eine leere Fläche soll sich verwandeln. Schienen werden verlegt, Landschaften modelliert und kleine Geschichten erschaffen. Und irgendwann setzt sich der erste Zug in Bewegung.
Vielleicht besitzt die Modelleisenbahn gerade deshalb eine so eigentümliche Kraft. Sie ist technisch und verspielt, präzise und verträumt zugleich. Sie bewahrt Erinnerungen an frühere Bahnstrecken und alte Bahnhöfe, lässt aber ebenso Landschaften entstehen, die es in dieser Form niemals gegeben hat. Sie bringt Menschen zusammen, die gern tüfteln, bauen, sammeln, beobachten oder einfach für einige Augenblicke staunen möchten.
Vier Räume voller kleiner Geschichten
Zum 25-jährigen Vereinsjubiläum öffnen die Modellbahnfreunde Alsfeld am Samstag, 15. August, und Sonntag, 16. August 2026, jeweils von 10 bis 18 Uhr ihre Vereinsräume. In den Kellerräumen unter der Krabbelstube, Am Ringofen 24 in Alsfeld, können Besucherinnen und Besucher erleben, was in vielen Jahren gemeinsamer Arbeit entstanden ist.
Mehr als 30 Zuggarnituren fahren durch vier Räume und durchqueren aufwendig gestaltete Landschaften. Dabei lohnt es sich, nicht nur den Zügen zu folgen. Oft sind es gerade die kleinen Szenen am Rand, die eine Anlage lebendig machen: Häuser, Gärten, Straßen, Figuren und winzige Begebenheiten, die im Vorübergehen beinahe übersehen werden könnten.
Eingeladen sind nicht nur erfahrene Modellbahner oder ausgewiesene Eisenbahnfreunde. Auch Familien mit Kindern, Neugierige und Menschen, die bislang kaum Berührung mit diesem Hobby hatten, sind willkommen. Der Eintritt ist frei, für das leibliche Wohl wird gesorgt. Vor allem aber besteht die Gelegenheit, jene Menschen kennenzulernen, die seit 25 Jahren dafür sorgen, dass auf den Alsfelder Anlagen kein endgültiger Stillstand eintritt.
Ein Verein sucht Menschen mit Lust auf neue Wege
Ein Jubiläum richtet den Blick zurück – es stellt aber ebenso die Frage, wer künftig mit am Stellpult stehen wird. Die Modellbahnfreunde Alsfeld freuen sich deshalb nicht nur über Besucherinnen und Besucher, sondern auch über neue Mitglieder und frische Ideen.
Vorkenntnisse müssen dabei nicht am Anfang stehen. Modellbahnbau lässt sich lernen, und seine Aufgaben sind so vielfältig wie die Menschen, die sich dafür begeistern: Elektronik, Landschaftsgestaltung, Holzbau, Fahrzeugtechnik, digitale Steuerung, Fotografie oder die Freude am gemeinsamen Planen. Entscheidend ist weniger, was jemand bereits beherrscht, sondern ob die Neugier vorhanden ist, zusammen mit anderen etwas entstehen zu lassen.
Nach 25 Jahren ist die Alsfelder Anlage deshalb keineswegs fertig. Eine gute Modellbahn ist es vermutlich nie. Sie wird erweitert, verändert, repariert und neu gedacht. Genau darin gleicht sie dem Miniatur Wunderland, das auch nach einem Vierteljahrhundert weiterwächst und immer neue Länder, Landschaften und Geschichten erschließt.
So führt an diesem Jubiläumswochenende eine unsichtbare Verbindung von der Hamburger Speicherstadt bis in die Vereinsräume am Alsfelder Ringofen. Frederik und Gerrit Braun haben ihre Glückwünsche auf die Reise geschickt – und in Alsfeld sind sie dort angekommen, wo seit 25 Jahren dieselbe Begeisterung zu Hause ist.
Denn ganz gleich, ob eine Miniaturwelt jährlich Millionen Menschen empfängt oder in vier Alsfelder Kellerräumen von ehrenamtlichen Händen bewahrt wird: Entscheidend ist nicht die Länge des Streckennetzes. Entscheidend sind die Menschen, die dafür sorgen, dass der nächste Zug fährt.
Und vielleicht beginnt am 15. oder 16. August bereits die nächste große Geschichte – mit einem neugierigen Blick, einem ersten Gespräch und einem neuen Mitglied, das künftig dabei hilft, in Alsfeld die Weichen für die nächsten 25 Jahre zu stellen.
Fotos: Stock
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