
Abschied nach 17 Jahren DienstEvangelische Kirchengemeinde verabschiedet Pfarrerin Luise Berroth
MAAR (ol). Am 28. Juni wurde Pfarrerin Luise Berroth nach 17 Jahren Dienst in den Evangelischen Kirchengemeinden Maar und Wernges verabschiedet. Der Gottesdienst in Maar stand im Zeichen von Dankbarkeit, Erinnerungen und persönlichen Worten aus Gemeinde, Kirche und Gesellschaft. Gewürdigt wurden ihr Engagement, ihre verbindende Art und ihr Einsatz für die Menschen vor Ort. Berroth wechselt mit ihrer Familie nach Luxemburg.
In einer bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche ist Pfarrerin Luise Berroth nach 17 Jahren Dienst in den Evangelischen Kirchengemeinden Maar und Wernges, seit 1. Januar 2026 Gesamtkirchengemeinde Lauterbach-Wartenberg, verabschiedet worden. Der Gottesdienst und das anschließende Gemeindefest wurden zu einem spürbaren Zeichen dafür, wie eng Kirche, Dorfleben und persönliche Beziehungen in dieser Zeit zusammengewachsen sind, so heißt es in einer Pressemitteilung des Evangelischen Dekanats Vogelsberg.
Der Abschied war kein leiser Verwaltungsakt, sondern ein Gottesdienst voller Emotionen: Dankbarkeit, Lachen, Wehmut und immer wieder Applaus. Zwischen Psalmworten, Predigt und Segensmomenten wurde deutlich, wie sehr Pfarrerin Berroth das Leben in der Region geprägt hat und wie sehr sie selbst von dieser Gemeinschaft geprägt wurde.
Im Zentrum des Gottesdienstes stand das Motiv der Barmherzigkeit aus dem Lukasevangelium (Lk 15). Es war kein zufällig gewählter Text. Immer wieder wurde deutlich: Genau dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die vergangenen Jahre. Barmherzigkeit im Umgang miteinander, Fehler zulassen, einander tragen, auch dann, wenn nicht alles perfekt läuft.
In ihrer Abschiedspredigt sprach Pfarrerin Berroth offen und persönlich über diese Erfahrung. Sie erinnerte an Situationen aus ihrem Dienst, in denen Dinge vergessen wurden, Gottesdienste knapp vorbereitet waren oder organisatorisch nicht alles rund lief und an die Reaktionen der Menschen darauf: keine Härte, kein Druck, sondern Unterstützung, Geduld und oft ein stilles Mittragen. Daraus sei etwas gewachsen, das sie selbst als prägend beschreibt: eine gelebte Kultur der Herzlichkeit.
Sie machte aber auch deutlich, dass genau diese Herzlichkeit nicht selbstverständlich ist. Sie koste Mut. Und sie gehe nur, wenn Menschen bereit sind, einander Fehler zuzugestehen und trotzdem miteinander weiterzugehen. Ihr Appell am Ende war klar: diese Haltung nicht verlieren, sondern bewusst weitertragen. Auch in einer Zeit, in der vieles rauer und unsicherer wird.

Foto: Susann Franke
Auch die Grußworte zeichneten ein sehr persönliches Bild der Pfarrerin und ihrer Familie. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Vereinen, Kirche und Ökumene beschrieben sie als nahbar, direkt, klar in der Haltung und gleichzeitig offen für neue Wege. Immer wieder fiel dabei das Bild der Brückenbauerin: zwischen Kirche und Dorf, Tradition und Veränderung, Alltag und Glaube.
Besonders gewürdigt wurde ihr langjähriges Engagement im Dekanat Vogelsberg, wo sie neben der Gemeindearbeit auch Leitungsverantwortung übernommen hat. Dort habe sie Prozesse nicht nur begleitet, sondern aktiv mitgestaltet. Mit einem Blick für Details, aber auch mit dem Mut, Dinge grundsätzlich zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig wurde deutlich: Diese 17 Jahre waren nicht nur Arbeitszeit, sondern Lebenszeit, für die Familie genauso wie für die Gemeinde. Viele persönliche Begegnungen, Besuche, Gottesdienste, Gespräche und gemeinsame Feste wurden in den Grußworten genannt. Auch „Pfarrmann“ Benjamin Berroth und die drei Kinder der Familie waren Teil dieser Zeit im Dorfleben und damit Teil einer gewachsenen Gemeinschaft.

Foto: Susann Franke
Der Abschied selbst war entsprechend vielstimmig: Musik, Segensworte und persönliche Beiträge aus Gemeinde, Nachbarschaft und Vereinen wechselten sich ab. Immer wieder wurde deutlich, dass hier nicht nur eine Pfarrerin verabschiedet wurde, sondern eine Familie, die das Leben vor Ort mitgeprägt hat.
Zum Schluss stand der Segen für den neuen Weg nach Luxemburg. Kein glatter Übergang, sondern ein bewusster Schnitt, mit Dank für das Gewesene und guten Wünschen für das, was kommt. Die Gemeinde verabschiedete Luise Berroth mit langem Applaus, vielen persönlichen Worten und spürbarer Verbundenheit.
Zurück bleibt eine Lücke. Und gleichzeitig etwas, das weiterwirkt: Erinnerungen, Beziehungen und eine Form von Kirche, die nicht nur organisiert, sondern gelebt wurde.
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