
Nach dem Flaggen-Gruß an AlsfeldVater und Sohn Weitzel auf dem Roadtrip zum nächsten Deutschland-Spiel
ALSFELD/USA (-) Welch ein Traum: einmal mit einem Ford Mustang auf endlosen Straßen durch die weite Landschaft der USA fahren – und zwar in einem offenen Cabrio. Für den Alsfelder Jan Weitzel ist der Traum gerade wahr geworden – nachdem er mit seinem Sohn Jannis in Houston bei der Fußball-WM den 7:1-Sieg des deutschen Fußball-Teams geschaut und dabei die Heimat gegrüßt hatte.
Das Fußball-Länderspiel mit dem mittlerweile legendären Gruß an Alsfeld war nur der Auftakt des großen USA-Abenteuers für Vater und Sohn. „Neun Staaten in acht Tagen“ lautete die Devise für den Roadtrip gen Washington, und mit dem Ford Mustang sollte es sein. „Das war ein Traum von mir“, sagt der Vater. Das Auto würde er sich für den Hausgebrauch zwar nicht unbedingt kaufen, meint er im Telefonat, aber: „Für den Trip war es genial.“ Verdeck runter, und Los ging es also am Tag nach dem Spiel, Ziel Washington. Die meiste Zeit blieb das Dach auch offen – aber nicht immer.

Auftakt zum Roadtrip: Jan und Jannis Weitzel mit dem frisch gemieteten Ford Mustang. Foto: privat
Gemütlich auf der Interstate unterwegs
Texas zum Start und dann Louisiana, Mississippi, Alabama, Tennessee, Kentucky, Ohio, West-Virginia, Virginia, Maryland waren die US-Bundesstaaten durch die der 2700 Kilometer weite Trip sie in vier Tagen führte. Meistens ging es morgens um 7 bis 7.30 Uhr los nach einem mehr oder weniger guten Frühstück in einem der Hotels an der Interstate. Bis abends um 18 Uhr waren sie unterwegs – ganz gemütlich. Die Straßen waren wie bekannt und erwartet: „lang, gerade und breit“, meint Jan Weitzel. „Das Fahren ging ganz locker. Tempomat einschalten, und dann kann man Landschaft genießen.“
Lastwagen überholten die Touristen
Mit dem amerikanischen Tempolimit hatte er keine Problem. Häufig waren 70 Meilen pro Stunde erlaubt, zeitweise auch 75: „Da habe ich mich auch wirklich dran gehalten.“ Und dann erlebten die beiden Deutschen amerikanische Autobahn-Realität: „Uns haben immer wieder Lkw überholt. Die fuhren viel schneller als wir Touristen.“

Der Plan vom Roadtrip: Durch neun Bundesstaaten führt die USA-Reise der beiden Alsfelder.
Zwischendurch nahm man sich aber auch immer noch Zeit, sich in Städten markante Ort anzuschauen, und Jannis war besonders begeistert, als sie am Capitol in West-Virgnia einen Mitarbeiter um ein Foto baten. Der lud sie spontan zu einer Besichtigungstour einlud. Mit ihm sahen die Ecken des mächtigen Gebäude, die sonst nicht zugänglich sind. Bis unter die Kuppel wollte er sie mitnehmen, aber angesichts der offenen Treppe dort hinauf verzichteten sie lieber.
Freundlichkeit überall
„Freundlich, sehr freundlich“ seien die Menschen zu ihnen gewesen, erzählt Jan Weitzel. Manche äußerten Begeisterung über den Roadtrip der Besucher. Auch die Sprache war kein Problem – eigentlich. „Ich spreche Englisch fließend“, erzählt der 41-Jährige. Aber die Amerikaner sprechen ein amerikanisches Englisch. Bei einer Begegnung an der Hotel-Rezeption in Mississippi musste er schmunzeln. Sie würde ja wohl kein Englisch sprechen und sie nicht verstehen, meinte die Mitarbeiterin durch ein Loch in der Glasscheibe. „Das war nicht das Problem“, meint Jan Weitzel. „Das Problem wir ihre nuschelige Aussprache.“

Glücklich in den USA: Jan und Jannis Weitzel. Foto: privat
West Virginia gefiel am besten
Landschaftlich gefiel ihm West-Virgnia am besten, und ja, der Mississippi sei ein wirklich beeindruckender Fluss. Aber Alabama, einer der ärmsten Bundesstaaten hinterließ insgesamt nicht so einen guten Eindruck. In Kentucky besuchten das nationale Corvette-Museum und in Alabama das Mercedes-Werk. In Luisiana erlebten Jan und Jannis auch einmal anderes als schönes Wetter: „Da kam Sturzregen runter, wie ich ihn bei uns noch nicht erlebt habe.“ 30 Zentimeter hoch stand das Wasser in den Straße: „Da konnte man nicht mehr fahren.“
Einmal kam auf dem Smartphone auch eine Tornadowarnung rein. Die nahmen sie wahr, „aber wir dachten, das ist eine Übung.“ Glück gehabt: Die Warnung war echt, merkten sie später, aber kein amerikanischer Tornado kreuzte ihren Weg.

Das ist das Bild, das viral ging: auf der Flagge ein Gruß an Alsfeld, abfotografiert vom Bildschirm. Foto: privat
Das Weiße Haus nur von weitem
In Washington war natürlich das Weiße Haus ein Ziel ihrer Begierde. Das Zentrum der Macht auf diesem Planeten, so suggerieren Filme, liegt fast zum Anfassen hinter einem einfachen Zaun. Aber das war wohl mal: „Man kam da kaum ran“, zeigt sich der elfjährige Jannis etwas enttäuscht. Aus mehreren Hundert Metern Entfernung schaute er durch einen Zaun. Aber Washington hat ja noch mehr zu bieten. „Das Capitol war wirklich beeindruckend“, sagt er nun und schließt: „Washington ist schon cool.“
Am Freitag ging es weiter, diesmal aber mit dem Flieger. Ziel Toronto: Die beiden wollen den USA-Trip beenden, wie sie ihn begonnen haben: mit einem WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Und wie geht die Partie gegen die Elfenbeinküste am Samstagabend aus? Jannis tippt ganz klar: 4:1!
von Axel Pries
p.s. Natürlich haben wir auch von der Geschichte mit dem Fake-Bild gehört. Aber wir wollen den Ersteller des primitiven Machwerks, für das die beiden Alsfelder nichts können, nicht mit einem Beitrag adeln und haben verzichtet.
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