
Eigenes Denken, Kreativität und Offenheit bleiben unverzichtbarAlexander-von-Humboldt-Schule verleiht Abiturzeugnisse an 92 Abiturientinnen und Abiturienten
LAUTERBACH (ol). An der Alexander-von-Humboldt-Schule in Lauterbach haben 92 Schülerinnen und Schüler ihr Abitur bestanden. Bei der feierlichen Zeugnisverleihung standen neben den erreichten Abschlüssen auch persönliche Entwicklung, Gemeinschaft und die Herausforderungen der Zukunft im Mittelpunkt. Schulleitung und Landrat betonten die Bedeutung von kritischem Denken, Kreativität und Verantwortung, insbesondere im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.
„The Rhythm of Life“ – mit diesem Kanon hieß ein Chor aus jungen Schülerinnen und Schülern am vergangenen Freitagabend die Abiturientinnen und Abiturienten mit ihren Familien in der Aula der Alexander-von-Humboldt-Schule willkommen. Passend zum Anlass, denn für sie begann ein neuer Abschnitt im Lebensrhythmus. 92 junge Menschen haben in diesem Jahr in Lauterbach den höchsten Schulabschluss Deutschlands erreicht, wie die AvH in einer Pressemitteilung berichtet.
Karsten Krämer, stellvertretender Schulleiter, begrüßte die Absolventen zur feierlichen Verleihung ihrer Zeugnisse. An diesem Abend gehe es nicht nur um die Zeugnisse und den Abschluss, sagte er, sondern um etwas Größeres: „Einen Weg, den ihr viele Jahre gegangen seid“. Die lange Zeit, die seit der Einschulung vergangen sei, die Eltern, Freunde und Schule mitgetragen haben, könne man nicht zurückholen, so Krämer, aber man könne sehen, was in ihr gewachsen sei. Die Schülerinnen und Schüler hätten getreu dem Schulmotto „Enjoy and Achieve“ viel erreicht und dabei auch viel genossen. Die Schulzeit selbst könne man mit einer Bergwanderung vergleichen, an deren Gipfel man mit Leistung und Unterstützung ankomme. Krämer zeichnete die Schule als einen Entwicklungsraum – nicht nur für das Lernen, sondern auch für das Überwinden von Hürden, für die Entstehung von Freundschaften, für das Entdecken anderer Meinungen, für das Überprüfen der eigenen. Für gegenseitige Motivation und Unterstützung, fürs Durchhalten, für das Erleben einer guten Mischung aus Individualität und Gemeinschaft. All das bezog Krämer auf die ganze Schulgemeinschaft – und dankte dabei auch den Eltern und dem Kollegium für die Unterstützung und die geleistete Arbeit. Von dem diesjährigen Jahrgang blieben viele gute Spuren zurück, resümierte der Redner: der erstmals durchgeführte Weihnachtsmarkt, das soziale Engagement, die Beharrlichkeit einzelner Schülerinnen und Schüler, wenn es um die Mitgestaltung des Schullebens gehe. Krämer blickte zurück auf Studienfahrten, Theaterbesuche, Erfolge wie beim OVAG-Literaturwettbewerb oder dem Tischtennis-Bundesfinale in Berlin. Das Bild von der Bergwanderung ergänzte er um eine Anspielung auf die Künstliche Intelligenz: „Wer mit der Gondel auf einen Berg fährt, erreicht zwar den Gipfel. Die prägende Erfahrung des Aufstiegs aber hat man nicht gemacht. Lernen, Verstehen und persönliche Entwicklung lassen sich nicht delegieren. Deshalb bleiben eigenes, kritisches Denken und Kreativität auch im Zeitalter der KI unverzichtbar.“
Der Umgang mit der Künstlichen Intelligenz und den Herausforderungen der Zeit war im Anschluss auch Thema im Grußwort, das Landrat Dr. Jens Mischak für die Abiturientinnen und Abiturienten und ihre Familien sowie das Kollegium vorbereitet hatte. KI sei schon heute allgegenwärtig und werde immer leistungsfähiger werden. „Doch Bildung wird auch in fünfzig Jahren noch etwas zutiefst Analoges bleiben.“ Bildung bedeute nicht nur Wissen, sondern Orientierung, Urteilsvermögen und Persönlichkeit – und dafür brauche es Begegnungen und Beziehungen wie sie in der Schule und in den Familien gelebt werden. Die Herausforderungen der Zukunft seien nicht nur technische Fragen, prognostizierte der Landrat, sondern menschliche: Wie gehen wir mit Freiheit um? Wie gehen wir mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz verantwortungsvoll um? Getreu dem Namensgeber der Schule, Alexander von Humboldt, sollten die Abiturientinnen und Abiturienten neugierig bleiben und nicht vergessen, dass Erkenntnis auch Verantwortung bedeute: „Vielleicht ist genau das eine gute Botschaft für Ihren weiteren Weg: Im Kern wird Ihr Erfolg nicht allein davon abhängen, was Sie wissen. Sondern auch davon, wer Sie sind. Die Welt braucht kluge Köpfe. Aber sie braucht genauso Menschen mit Herz. Menschen, die Brücken bauen. Menschen, die Verantwortung übernehmen. Menschen, die andere mitnehmen.“
Eingerahmt war der Abend von musikalischen Beiträgen unter der Leitung von Christin Böschen, die sehr passende Stücke für die scheidenden Schülerinnen und Schüler ausgesucht hatte. Diese rahmten auch die Zeugnisverleihung ein, die wie stets an der AvH auch Gelegenheit bot, sich als Kurs bei den Kursleitenden zu bedanken. Die Tutorinnen und Tutoren sowie die Sprecherinnen und Sprecher der Kurse blickten zurück auf die gemeinsame Oberstufenzeit: Man hörte von verschiedenen Vorkommnissen auf Kursfahrten – rasante Busfahrer, Bahnstreiks, tanzende Lehrer, Koch-Events, oder hohe Absätze als Erkennungszeichen. Aus den Worten der Schülerinnen und Schüler wurde deutlich, wie zugewandt und wertschätzend sie den Unterricht mit ihren Tutorinnen und Tutoren empfunden haben: Der Umgang sei auf Augenhöhe gewesen, der Unterricht gewinnbringend, der Kuchen lecker, die Message, mit Herz und Verstand zu agieren, deutlich. Eine bunte Mischung aus gemeinsamem Erleben öffnete sich vor den Augen der Anwesenden, eine Mischung, die neben dem Lernen einen großen Teil der gemeinsamen Erinnerungen ausmachen wird.
Mit Freude schritt das Schulleitungsteam zum Abschluss der Zeugnisverleihung zu den Ehrungen, die zu einem solchen Abend gehören. Zunächst konnten Karsten Krämer und Studienleiter Florian Jost die Abiturientinnen und Abiturienten würdigen, die ihren Abschluss mit der Note 1,0 absolvierten: Leni Traud, Johann Magnus Jungblut, Lasse Listmann, Leonard Höcher, Ava Scheid und Niels Pohlmann. Die weiteren Auszeichnungen nahmen Silvia Diehl und Oliver Stoy vor: Für besondere Verdienste im naturwissenschaftlichen Bereich zeichneten sie Lasse Listmann (Abiturpreis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung), Zénó Petrics (schulinterner MINT-Preis), Fiona Baumhakl (Abiturpreis der Gesellschaft deutscher Chemiker) und Ava Scheid (nominiert für den Karl-von-Frisch-Preis, der für besondere Leistungen im Fach Biologie zu einem späteren Zeitpunkt von der VBIO vergeben wird) aus. Im sprachlich-gesellschaftlichen Bereich konnten sich Lina Wellstein (Bestes Deutsch-Abitur, Verein deutsche Sprache e. V.) und Jana Trott (Sonderpreis für hervorragende Leistungen im Fach Deutsch und besonderes Engagement bei Jugend debattiert), Johann Magnus Jungblut (Abiturpreis des Deutschen Altphilologenverbandes, Fach Latein), Lukas Grahm (VfS-Abiturpreis Wirtschaft) sowie Lejla John-Bekric (Fachverband Philosophie, Fach Ethik) über Auszeichnungen freuen. Die Pierre-de-Coubertin-Medaille des Landesportbundes und der Sportjugend Hessen in Kooperation mit dem Kultusministerium wird für hervorragende sportliche Leistungen sowie einer aktiven Mitgliedschaft in einem Sportverein in Kombination mit sozialem Engagement und vorbildlichem Verhalten verliehen. In diesem Jahr erhielt sie Mathilda Greb. Diehl und Stoy würdigten auch den Einsatz verschiedener Schülerinnen und Schüler für die Schulgemeinde: Jada König, Antonia Milde, Maximus Slipez, Leonhard Loll und Zénó Petrics wurden für ihre Mitarbeit in der Schülervertretung geehrt, Laura Bernhardt für besonderes ehrenamtliches Engagement und Isabell Ebert für ihre Leistungen im Schulsanitätsdienst.
Das Ende des Abends markierte für alle Abiturientinnen und Abiturienten einen Einschnitt, wie Karsten Krämer eingangs gesagt hatte. Er wünschte ihnen zum Abschied, dass sie auch künftige Gipfel mit Engagement und Leistungsbereitschaft angehen.
Fotos: Frank Solf
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