
Keine neue Bewilligung für den Träger – Neuer Träger derzeit nicht bekanntEUTB im Vogelsbergkreis schließt zum Jahresende
ALSFELD (ol). Zum Jahresende schließt die Beratungsstelle der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung in Alsfeld und Lauterbach. Nach fünf Jahren Beratung steht die Beratungsstelle nun vor dem Aus – trotz steigender Beratungsbedarfe.
Fünf Jahre lang war die EUTB – die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung – eine feste Größe im Beratungsangebot für Menschen mit Beeinträchtigungen, chronischen Erkrankungen oder Fragen zu Inklusion, Teilhabe und Wiedereingliederung.
2018 ins Leben gerufen vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, um gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention die Möglichkeiten betroffener Menschen zu stärken, wurden die im Vogelsberg unter dem Träger Kompass Leben mit ihrem damaligen Berater-Team Berthold Sommer und Andrea Schmidt gegründeten Beratungsstellen in Alsfeld und Lauterbach schnell zu einer wichtigen Anlaufstelle, heißt es in der Pressemeldung der EUTB.
„Obwohl Kompass Leben als Leistungsträger auch der Träger der EUTB ist, sind wir in all den Jahren dem Grundsatz der Unabhängigkeit treu geblieben“, betont Andrea Schmidt, die heute gemeinsam mit ihrer Kollegin Irina Janz für den Vogelsberg und einen kleinen Teil der angrenzenden Kreise zuständig ist.
„Wir waren stets nur dem Ratsuchenden verpflichtet – seine Situation, seine Fragen und die bestmögliche Beratung dazu waren stets unser Anspruch, den wir zum Wohl der Menschen auch umgesetzt haben.“ Doch genau hier liegt nun auch das Problem: Während der Bund noch für die erste und zweite Antragsphase Träger zuließ, die selbst Leistungen erbringen (zum Beispiel Werkstätten, besondere Wohnformen, Ambulant Betreutes Wohnen) lehnt er dies nun, in der dritten und entfristeten Antragsphase, ab.
EUTB – eine Erfolgsgeschichte
„Obwohl wir auf eine wirkliche Erfolgsgeschichte als EUTB zurückblicken können und sicher waren, dass wir in dem Antrag damit überzeugen können, müssen wir unsere Beratungsstellen in Alsfeld und Lauterbach schließen“, bedauern Schmidt und Janz, die sich in erster Linie um ihre Klienten sorgen, denn: „Bisher konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen, ob der Vogelsberg in der neuen Antragsrunde vergeben wurde. Wir können daher den Menschen nicht einmal sagen, ob und wie es weitergeht.“
Ein bedauerlicher Zustand, finden die beiden Beraterinnen, schließlich habe das Beratungsaufkommen mit den letzten Jahren ganz erheblich zugenommen: „Über fünfhundert Beratungen können wir in diesem und auch im letzten Jahr verzeichnen“, berichtet Irina Janz. Zu den Problemstellungen der Menschen, die in die Beratungsstellen kommen, gehören alle Fragen zu Teilhabe, Inklusion und Wiedereingliederung.
Von der Ermittlung von Ansprüchen, etwa zu Assistenz im Alltag oder Leistungen für Umbaumaßnahmen, über Hilfe beim Ausfüllen verschiedenster Anträge bis hin zur Weiterleitung an die richtigen Stellen ging die Hilfe der EUTB. Hinzu kam die Etablierung eines Netzes an Peer-Beratern, Selbsthilfe also, das die Beraterinnen erfolgreich aufgebaut haben.

Die Räume der EUTB in Alsfeld Am Kreuz 3 werden vom Träger zukünftig anderweitig genutzt. Foto: Traudi Schlitt
„Selbsthilfe ist ein wichtiges Standbein der EUTB“, erläutert Janz, die ihren ehrenamtlichen Peer-Beratern zu den Themenbereichen Autismusspektrum, Amputation und Multiple Sklerose ausdrücklich dankt.
„Wir halten die EUTB nach wie vor für ein überaus geeignetes Mittel, um Menschen zu den verschiedensten Problemlagen zu beraten“, sagen Schmidt und Janz, die erfreut auf die Entwicklung der letzten Jahre blicken: Mit viel Engagement waren sie überall in der von ihnen vertretenen Region bekanntgeworden – die hohen Beratungszahlen in den letzten Jahren geben ihnen recht.
„Wir waren auch bei den Kommunen bekannt und konnten bis zur Pandemie auch Beratungen vor Ort anbieten, was wir nun gerne wieder aufgenommen hätten.“ Dabei ist der Vogelsbergkreis plus einige angrenzenden Gemeinden, die nötig wurden, um auf eine Vollzeitstelle zu kommen, keine Kleinigkeit: Die Fläche ist riesig – ein Umstand, der bei der Berechnung der Stellen nicht ausreichend gewürdigt werde, kritisieren die Beraterinnen seit langem.
Dennoch ist es ihnen gelungen, ihr Beratungsangebot auch in diese große Fläche zu tragen, denn nicht immer ist es Menschen möglich, zu den Beratungsstellen in Lauterbach oder Alsfeld zu gelangen.
„Dass wir mit einer Vollzeitstelle überhaupt zwei Beratungsstellen öffnen konnten, um den Menschen ein möglichst gutes Angebot zu machen, verdanken wir tatsächlich unserem Träger Kompass Leben, der uns jederzeit mehr unterstützt hat, als er gemusst hätte“, sagt Andrea Schmidt: Die beiden Räumlichkeiten und große Teile der Öffentlichkeitsarbeit habe Kompass Leben mitgetragen. Umso bedauerlicher sei es, dass dies jetzt zum Knackpunkt wurde.
Beratungsstelle in Fulda
„Wir sorgen uns jetzt natürlich sehr um die Zukunft der EUTB im Kreis, gleichwohl blicken wir auf fünf schöne, erfolgreiche Jahre zurück, in denen wir vielen Menschen mit Rat und Tat helfen konnten. Und wir hoffen sehr, dass sich die Situation auch im Vogelsberg wieder klärt und sich ein neuer Träger für die Beratungsstelle gefunden hat oder noch finden lässt“, so Schmidt.
Ihre Kollegin Irina Janz fügt an: „Wir werden jetzt noch versuchen, alle offenen Beratungsangelegenheiten bis zum Jahresende zu Ende zu führen, und danken alle Menschen, die bei uns Rat gesucht haben, für ihr Vertrauen.“
Andrea Schmidt wird zum 1. November bereits zur EUTB nach Fulda wechseln. Da die Wahl der Beratungsstelle frei ist, können sich auch dort Ratsuchende aus dem Vogelsberg hinwenden. Eine weitere Option bietet die Homepage Teilhabeberatung, denn dort kann man sich das nächstgelegene EUTB-Beratungsangebot anzeigen lassen.
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