Politik9

Homberg will Energie sparen: Das sagen Grüne und BürgerforumBürgerforum zu Hombergs Energiesparmaßnahmen: „Setzen, Sechs!“

HOMBERG OHM (akr). Die Stadt Homberg will Energie sparen und hat deshalb eine Reihe an Maßnahmen beschlossen. Für das Bürgerforum sind diese Maßnahmen aktuell einfach „blinder Aktionismus“ und sollen „populistisch aufbereitet die Fehlentscheidung der frühzeitigen Schwimmbadschließung kaschieren“. Die Homberger Grünen vermissen unterdessen Bereiche mit „wirklich großen Einparpotentialen“.

Das Homberger Freibad schließt früher, nicht genutzte Räume werden nicht beheizt, die städtischen Brunnen sowie Objekt- und Bodenleuchten abgeschaltet und in Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten soll mit Blick auf die Gemeinschaftshäuser ein Energieeffizientkonzept erarbeitet werden, mit dem Ziel, einen Teil der Gebäude während der Energiekrise nicht mehr zu nutzen. Das sind nur einige Maßnahmen, mit denen die Stadt Homberg Energie und Geld einsparen will

Zur frühzeitigen Freibad-Schließung haben sich Homberger Grüne und Bürgerforum bereits geäußert – und zwar mit Kritik. Doch was halten die beiden Fraktionen von den anderen Energiesparmaßnahmen, die der Magistrat beschlossen hat? „Die Energiesparmaßnahmen des Homberger Magistrats bilden im Wesentlichen einige Vorgaben der Bundesregierung beziehungsweise untergeordneter Behörden, Ministerien oder des Städte- und Gemeindebundes ab“, teilt Barbara Schlemmer, Fraktionsvorsitzende der Grünen auf Nachfrage von OL mit.

Bei der Absenkung der Raumtemperaturen in öffentlichen Gebäuden fällt laut Schlemmer auf, dass die Stadtverwaltung mit 20 Grad über den behördlich vorgesehenen 19 Grad liegen soll. „Verwundert nehme ich zur Kenntnis, das erst jetzt über eine Nacht- und Wochenendabsenkung der Heizung in den öffentlichen Gebäuden sowie einer Nichtbeheizung ungenutzer Räumlichkeiten nachgedacht wird. Für eine angehende Klimakommune hätte das längst eine Selbstverständlichkeit sein müssen und es liegt nahe, dass hier bis dato viel Energie sinnlos verpulvert wurde.Und damit auch die Gelder der Homberger Steuerzahler.“

Grünen-Fraktionsvorsitzende Barbara Schlemmer.

Bei den vorgesehenen Maßnahmen vermisst Schlemmer „Bereiche mit wirklich großen Einsparpotenzialen“. Aus ihrer Sicht ist eine umgehende Analyse der Strukturen und Arbeitsabläufe sowie der Nutzung von Fuhrpark und Geräten im städtischen Bauhof von Nöten. Ebenso sieht Schlemmer Effizienzöglichkeiten bei der Verwertung des Klärschlamms. Die Grünen-Fraktion habe seit Jahren Anträge gestellt, um von der energieintensiven Verbrennung zu ökologisch besseren Methoden zu kommen.

Stadt handele gegenteilig

Der Städte- und Gemeindebund habe als Maßnahme zur Energiereduktion ganz besonders die Rückstellung von freiwilligen Bauprojekten wie Baugebieten, Radwegen etc. gefordert, während zur Aufrechterhaltung des sozialen Lebens Schwimmbäder, Bibliotheken etc. gerade nicht voll geschlossen werden sollen. „Hier handelt die Stadt Homberg Ohm genau gegenteilig. Während das Schwimmbad vorzeitig geschlossen wird, werden gleichzeitig freiwillige Bauprojekte wie ein Kreisverkehrsplatz auf den Weg gebracht“, so die Grünen-Fraktionsvorsitzende.

Laut Pressemitteilung des Magistrats geht es nicht zuerst um Kosteneinsparungen, sondern darum, die „benötigten Energiemengen landesweit zu reduzieren, um den absehbar möglichen und wahrscheinlichen Mangellagen und auch den explodierenden Kosten entgegenzuwirken“.

Wenn man das wirklich ernst nähme, schreibt Schlemmer, dann müsste man zuerst die „großen Energiefresser im freiwilligen Baubereich stoppen statt mit Symbolpolitik den Homberger*innen in einem prognostiziert warmen bis heißen September das Schwimmbad zu nehmen, das man einfach unbeheizt weiterlaufen lassen könnte.“

Weiter schreibt sie: „Statt massenhaft Energie für einen derzeit in der Luft hängenden Kreisel für ein Gewerbegebiet alter Prägung zu verbrauchen, wäre es aus meiner Sicht besser, vor dem Hintergrund der sich entwickelnden klimatischen Realitäten über ein ‚Energiedorf‘ mit kombinierter landwirtschaftlicher Nutzung auf dem Roten Berg (geplantes Gewerbegebiet) zur autarken Versorgung der Homberger Bevölkerung mit Energie  und regionalen landwirtschaftlichen Erzeugnissen nachzudenken.“

Maßnahmen seien „Blinder Aktionismus“

Für das Bürgerforum sind diese Maßnahmen aktuell einfach „blinder Aktionismus“ und sollen „populistisch aufbereitet die Fehlentscheidung der frühzeitigen Schwimmbadschließung kaschieren“, teilt Jutta Stumpf, Fraktionsvorsitzende mit. Ein Großteil der aufgezählten Maßnahmen sei schlicht selbstverständlich und werde von umsichtigen Bürgern seit Jahren praktiziert. „Was beispielsweise an der Begrenzung der Raumtemperatur ’neu‘ sein soll, erschließt sich uns nicht“, so Stumpf. Behördenthermostate gebe es seit vielen Jahren – „dass solche in Homberg bisher offenbar nicht zum Einsatz gekommen sind, um eine konstante Raumtemperatur sicher zu stellen, läßt uns nur mit dem Kopf schütteln.“

Ein weiterer Teil der Maßnahmen ist laut Bürgerforum ungeeignet, dass erstrebte Ziel zu erreichen. Es sei beispielsweise seit langem bekannt, dass eine konstante Raumtemperatur weitaus weniger Energie verbrauche, als wenn ein Raum wegen drastischer Absenkung der Temperatur auskühlt und dann wieder „aufgeheizt“ werden muss.

Die vom Magistrat vorgeschlagenen Maßnahmen hätten alle gemeinsam, dass ihnen eine daten- und faktenbasierte Grundlage fehle. So werde in der Pressemitteilung keine Angabe darüber gemacht, wo konkret welche und wieviel Energie konkret verbraucht wird. „Wie immer in Homberg wird auf ein sich stellendes Problem vom Magistrat laienhaft situativ reagiert – und erst nach Beschluss und Umsetzung beginnt man langsam, nachzudenken: ‚Same procedure as every year‘. Offenbar scheint hieran auch die neue Rathauschefin nichts ändern zu können.“

Jutta Stumpf, Fraktionsvorsitzende des Bürgerforums.

Die Fraktion Bürgerforum erwartet von einem aktiv geführten Magistrat ein „durchdachtes und mit konkreten Daten und Zahlen belegtes Gesamtkonzept“ zum Thema „Energie“. Ein solches könne nicht nur eine Aufzählung von, so schreibt es das Bürgerforum, teilweise fragwürdigen Einzelmaßnahmen zum Energiesparen sein, sondern müsse die präzise Analyse von Energieverbräuchen, sinnvolle Energiesparmaßnahmen, ausgerichtet auf das jeweilige Objekt, die Möglichkeit der Umstellung auf andere Energieträger, die Nutzung von Synergieeffekten bis hin zu einer konsequenten Eigenenergieerzeugung sein.

Intelligente und auf die Gemeinde abgestimmte „Kleinenergiequellen“ – wie beispielsweise Wasserkraft, Kleinwindkraftanlagen, Beteiligungen an Windenergieanlagen, Photovoltaikanlagen auf Dächern und geeigneten Gemeindegrundstücken müssten geprüft und – wenn möglich – erschlossen werden. Homberg habe bislang eine einzige öffentliche Stromtankstelle und zwei städtische Gebäude mit Photovoltaikanlagen – „fördert aber mit hohem Energieaufwand und hohen Kosten das Abpumpen von Trinkwasser zur Bewässerung der derzeitigen Staubpiste anlässlich des Autobahnbaus.“

Weiter heißt es vom Bürgerforum: Und nun soll das Abschalten von „Brünnlein“ und das Ausschalten von „Lichtlein“ ein signifikanter Beitrag des Homberger Magistrats zur Energiewende sein. Die Fraktion Bürgerforum gibt hierfür folgende Bewertung ab: „Setzen, Sechs!“

9 Gedanken zu “Bürgerforum zu Hombergs Energiesparmaßnahmen: „Setzen, Sechs!“

  1. Zu behaupten, dass eine konstante Raumtemperatur besser sei als Absenken und wieder hochheizen ist m.E. schon bemerkenswert! Nun ja, da bleibt immerhin anzumerken: Physik gilt auch für die, die sie nicht verstanden haben.

    19
    3
    1. Grundsätzlich gehört in der Politik eine kritische Auseinandersetzung mit Entscheidungen zum Tagesgeschäft. Daran ist erst einmal nichts auszusetzen. Hier entsteht aber leider der Eindruck, dass an dem wenig konstruktiven Stil der vergangenen Jahre festgehalten wird.
      Dabei wurde leider versäumt aufzuarbeiten wer bzw. welche Fraktionen für die Demontage der beiden letzten Bürgermeister verantwortlich waren auch zu den Zeiten als es noch kein Bürgerforum gab. Macht verliehen zu bekommen vom Bürger bedeutet auch sich verantwortlich verhalten zu müssen. Leider fehlt dem einen oder anderen unserer Kommunalpolitiker die Fähigkeit oder auch die Bereitschaft diesen Kriterien gerecht zu werden. Zu häufig wirkt es so, dass der eine oder andere Akteur die eigenen Interessen im Blick hat. Es ist traurig, dass unsere Heimatstadt von den politischen Gremien nicht angemessen „regiert“ wird.
      Frau Ried kann man ebenso wenig wie Frau Blum dafür verantwortlich machen. Die Entscheidung wer im Parlament vertreten ist, treffen die Wählerinnen und Wähler. Es wurden und werden immer wieder die gleichen Menschen gewählt.
      Dabei in erster Linie ein Parteienkuerzel als Maßstab. Ich hätte mir ein Stadtoberhaupt mit Erfahrung und Profil gewünscht. Leider konnte das Dreierbündnis nur eine unerfahrene Kandidatin präsentieren. Das kann man Frau Ried nicht vorwerfen. Sie wurde mit grosser Mehrheit gewählt, ist im Amt und sie sollte jetzt zum Wohle der Bürger von allen Seiten die größtmögliche Unterstützung bekommen. Nachzutreten wird beim Fussball mit rot geahndet.

      29
      1. Auh Frau Blum und Frau Ried wurden von den Bürgern gewählt, warum das Dreierbündnis eine völlig unerfahrene FRau erwählt hat, die nicht mal in Homberg wohnt ist doch eigentlich die entscheidende Frage.

        12
        32
  2. Billige Hetze der beiden Fraktionen. War nicht anders zu erwarten. Die hehren Ansprüche vor der Wahl konstruktiv zu sein sind alle vergessen. Wo sind die Anträge für Bürgerwindanlagen in Homberg? Wo sind die PV-Anlagen auf den Dächern der lauten Kritiker? Was macht der Ausbau der Fahrradwege? Nur Kritik, keine konstruktiven Vorschläge an denen man den Rest der StVV messen könnte. Und was machen eigentlich die beiden Magistrate Plitzko und Müller von Grünen und Bürgerforum?

    70
    24
    1. Liebe Oberhesse,
      das hat nichts mit Hetze zu tun.
      Die beiden Parteien erfüllen nur die wichtige Aufgabe, Missstände aufzudecken.
      Z.B. Nachtabsenkung. Jeder normale Hausbesitzer hat die Nacht- und Wochenend-Absenkung schon seit mind. 20 Jahre.
      Aber bei der Stadt wird wohl nach dem Motto gehandelt, ist mir egal, ist ja nicht mein Geld.
      Alle Vorschläge der Opposition werden erst abgelehnt und später, abgeändert, als eigene
      zur Abstimmung gebracht.

      33
      16
  3. Das ist wieder typisch, mit Dreck auf Personen werfen die für die Misere nicht Verantwortlich sind. Da ja noch nicht so lange im Amt.
    Sie sind es doch selbst die über Jahre in den Gremien saßen und die Möglichkeit gehabt hätten etwas zu unternehmen Energie zu sparen.

    100
    35
    1. Tatsachen und Fakten und noch die Wahrheit will keiner hören.
      Wichtig sind, 38,70Euro pro Meterquadrat bei der Autobahn, das nächste Mietshaus, Grundstück, Acker, ect, von der Stadt kaufen und mit eigener Stimme abschließen.
      Wo ist den der Dreck lieber Hallo 2018, such mal in den eigenen Reihen danach.
      Ich bin kein Grüner weiß Gott nicht, aber was Bürgerforum und Grüne in Punkt Stadtpolitik leisten und für uns machen nötigt mir zur Gänze den Respekt. Danke dafür.

      33
      64
    2. Freie Presse, naja nicht jeder Kommentar kommt zur Veröffentlichung.
      Jetzt wo die Quadratmeter Schieberei öffentlich wird, sieben die Redakteure kräftig mit, anstatt ihrer Aufgabe Missstände aufzudecken, zu hinterfragen, zu fordern, die Arbeit Freier Presse hoch zu halten.
      Aufgabe nicht erfüllt, Berufung verfehlt, setzen sechs.

      57
      11

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.

Einloggen Anonym kommentieren