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Anja Zimmer liest in ehemaliger Synagoge über Louise Otto-Peters„Demokratie – eine zerbrechliche Kostbarkeit“

ROMROD (ol). In der ehemaligen Synagoge in Romrod hat Anja Zimmer ihren Roman „Ich habe Licht gebracht“ über die Frauenrechtlerin und Demokratin Louise Otto-Peters vorgestellt. Die vom Heimat- und Kulturverein Romrod organisierte Lesung wurde von Erika Drogi-Haas und Frank Gabian musikalisch begleitet. Im Mittelpunkt standen das Leben und Wirken der Schriftstellerin sowie ihr Einsatz für Demokratie, Freiheit und Frauenrechte im 19. Jahrhundert. Mit historischen Protestliedern und einem modernen Musikstück schlugen die Mitwirkenden einen Bogen zur Gegenwart.

Schwarz-Rot-Gold ist höchst illegal, Deutschland existiert als Nationalstaat noch nicht, und in den Staaten des Deutschen Bundes herrschen Polizeiwillkür, Zensur und extreme soziale Ungleichheit. Es ist die Zeit des Vormärz, als Deutschland noch eine revolutionäre Idee war. In dieser Epoche spielt Anja Zimmers Roman „Ich habe Licht gebracht“ über Louise Otto-Peters, eine deutsche Revolutionärin. Die Autorin stellte ihr Buch bei einer musikalisch begleiteten Lesung in der ehemaligen Synagoge in Romrod vor. Eingeladen hatte der Heimat- und Kulturverein Romrod. Die ehemalige Synagoge bot den Rahmen für die Lesung, die von Erika Drogi-Haas mit ihrem klaren, ausdrucksvollen Sopran sowie von Frank Gabian mit Baritongesang und Gitarre begleitet wurde, wie der Verein in einer Pressemitteilung berichtet.

Foto: Heimat- und Kulturverein Romrod

Louise Otto-Peters, auch Luise Otto-Peters genannt, wurde am 26. März 1819 in Meißen geboren und starb am 13. März 1895 in Leipzig. Unter den Pseudonymen Otto Stern und Malvine von Steinau veröffentlichte sie ebenfalls Texte. Sie war eine sozialkritische Schriftstellerin, Demokratin und Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung, die sich für Demokratie und Freiheit einsetzte.

Foto: Heimat- und Kulturverein Romrod

Der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Horst Blaschko, begrüßte die Anwesenden und ging auf die Bedeutung von Louise Otto-Peters in der heutigen Zeit ein. Er informierte über die zahlreichen Orte und Denkmäler, die an die Vorkämpferin für Freiheit und Demokratie erinnern – nicht nur in Leipzig und Meißen, sondern bundesweit. Zudem wurde Louise Otto-Peters 1974 mit einer Sonderbriefmarke der damaligen Deutschen Bundespost geehrt, gemeinsam mit Helene Lange, Gertrud Bäumer und Rosa Luxemburg.

„Ich habe Licht gebracht!“, ruft die fünfjährige Louise Otto, als sie zum ersten Mal eines der neuen Schwefelhölzchen entzünden darf. „Licht bringen“ – dieser Vorsatz zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Während viele Menschen von Freiheit träumen, prägen Mitte des 19. Jahrhunderts Polizeiwillkür, Zensur und extreme soziale Ungleichheit das Leben in Deutschland. Obwohl es streng verboten ist, Missstände auch nur anzusprechen, macht Louise in ihren politischen Gedichten und Artikeln immer wieder auf die schwierigen Lebensumstände des Industrieproletariats aufmerksam. Mit ihren Romanen wird sie bald zu einer der bekanntesten Autorinnen ihrer Zeit und als „Lerche des Völkerfrühlings“ gefeiert.

Neue Hoffnung auf Demokratie bringt die bürgerliche Revolution, die im März 1848 ihren Anfang nimmt. In dieser Aufbruchstimmung reist Louise allein – für eine Frau zur damaligen Zeit eine außergewöhnliche Entscheidung. Sie baut ein Netzwerk der Solidarität unter Frauen auf und gründet die erste Frauenzeitung Deutschlands. Unterstützung findet sie bei dem Revolutionär August Peters, mit dem sie bald mehr als eine Freundschaft verbindet.

Doch die Gegenrevolution lässt nicht lange auf sich warten. Nach der Niederschlagung des Dresdner Maiaufstands ist Louise Bespitzelungen und Verhören ausgesetzt. Ihre Situation verschärft sich, als sie erfährt, dass August Peters von der preußischen Armee gefangen gehalten wird.

Anja Zimmer zeichnet in ihrem Roman das Leben dieser außergewöhnlichen Frau nach und verdeutlicht, dass viele ihrer Forderungen bis heute aktuell geblieben sind. Zugleich erinnert sie daran, unter welchen persönlichen Risiken frühere Generationen für demokratische Rechte kämpften und dabei Gefängnisstrafen oder sogar die Todesstrafe in Kauf nahmen.

Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von Protest- und Spottliedern aus der Zeit des Vormärz. Dazu gehörte das Lied „Ob wir rote gelbe Kragen, Helme oder Hüte tragen“ von Adalbert Heinrich, das den Zusammenschluss verschiedener Volksgruppen zu einer gemeinsamen Nation thematisiert. Auch eine Vertonung des Gedichts „Trotz alledem!“ von Ferdinand Freiligrath war zu hören.

Foto: Heimat- und Kulturverein Romrod

Den Abschluss bildete mit „Dear Mr. President“ von Pink ein Lied aus den 2000er-Jahren, das einen Bezug zur Gegenwart herstellte. Die Gruppe um Anja Zimmer betonte, dass Demokratie eine zerbrechliche Kostbarkeit sei. Gerade in der heutigen Zeit sei es wichtig, sich für Demokratie und die Freiheit aller Menschen sowie gegen autoritäre Politik und reaktionäres Gedankengut einzusetzen.

Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus.

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