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Industriegebiet am Weißen Weg in AlsfeldALA: „Erwartungen könnten sich als Tanz um das Goldene Kalb erweisen“

ALSFELD (ol). Mit der Schaffung des neuen Gewerbegebiets für Logistikunternehmen „Am Weißen Weg“ verbinden viele Lokalpolitiker große Hoffnungen für eine positive Entwicklung Alsfelds. Etliche dieser Hoffnungen sind auf Sand gebaut, kommentiert ALA-Fraktionschef Michael Riese in einer Pressemitteilung.

Gar nicht bestritten werden die kommenden Umweltbelastungen durch die die Versiegelung einer Fläche von 440.000 Quadratmeter und die Zunahme des Lkw-Verkehrs und der Autos der Einpendler, die dort arbeiten sollen. Aber die, die auf Wirtschaftsaufschwung und Arbeitsplätze hoffen, würden das so in Kauf nehmen.

„Manchmal entspringt dieser Hoffnung eine eigenartige Logik“, kommentiert Riese und bezieht sich auf einen Kommentar der Lokalpresse, in dem es heißt man könne die Einnahmen aus dem Gewerbegebiet in den Klimaschutz investieren. „Also erst zerstören, dann kassieren und dann nach Möglichkeit reparieren, was man zerstört hat. Macht das Sinn?“, rage die ALA.

CDU und SPD hoffen auf viele neue Arbeitsplätze, von bis zu Tausend ist die Rede, und so preisen sie deshalb das Projekt Gewerbegebiet. Aber auch diese Hoffnung sei mit etlichen Fragezeichen versehen. DHL sei auch kein Musterknabe in Sachen guter Arbeit. So beschäftige auch DHL nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Subunternehmen, in denen für die Beschäftigten nicht immer die Tarifverträge zwischen Gewerkschaft und DHL gelten. Die Beschäftigung zumeist einfacher Arbeiter im Lager liege entweder im Niedriglohnbereich oder in dessen Nähe.

Manche Befürworter der Logistiker in Alsfeld hoffen darauf, dass weniger Alsfelder zur Arbeit auspendeln müssten, das sei gut für die Menschen und gut für die Umwelt. Nach der Gemeindestatistik von 2020 hatte Alsfeld 6.063 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Mehr als die Hälfte arbeitet außerhalb Alsfelds (3.323) und pendelt zur Arbeit. Zumeist gebe es im Vogelsberg relativ wenig anspruchsvolle Jobs und die Löhne liegen hier unterhalb des hessischen Durchschnitts.

Job erhöhen die Einpendlerquoten

„Es ist also anzunehmen, dass von den Alsfelder Auspendlern kaum jemand für einen Lagerjob bei den Logistikern eine bessere Arbeit außerhalb aufgibt“, erklärt Riese. Gleichzeitig pendeln 4.142 Menschen zur Arbeit nach Alsfeld ein. Mit bis zu 1.000 neuen Jobs würde sich die Einpendlerquote noch erhöhen. 1.000 Autos mehr, die jede Nacht zur Arbeit kommen und am frühen Morgen dann wieder fahren – und nichts sei mit dem Umweltschutz durch weniger Pendler.

Die nahe Zukunft könnte aber noch weitere Überraschungen bereit halten. Viele Firmen haben Probleme, ausreichend Arbeitskräfte für ihre Unternehmen zu finden. Das erhöht den Druck für die Einführung IT-gestützte Automatisierung. In der Lagerorganisation schreite das besonders rasch voran. „Und was, wenn dann die anvisierten Arbeitskräfte a) nicht gefunden und b) auch gar nicht mehr gebraucht werden?“, fragt Riese.

Das Wachstum der Wirtschaft gelte bisher als Garant des hiesigen Wohlstands. So laute das Credo von CDU und SPD: Die Wirtschaft in Alsfeld müsse wachsen und Alsfeld müsse wachsen, denn groß sei gut und klein sei von Übel. Die vermehrte Industrieproduktion bedeute einen größeren Ressourcenverbrauch und steigende Umwelt- und Klimabelastung.

Aber noch schlimmer: seit vielen Jahren stockt in allen Industrienationen das Wirtschaftswachstum, trotz der Bemühungen der Regierungen und Notenbanken, höhere Wachstumsraten zu generieren. So könnten sich die hohen Erwartungen der Befürworter eines großen Gewerbegebiets als Tanz um das Goldene Kalb erweisen.

2 Gedanken zu “ALA: „Erwartungen könnten sich als Tanz um das Goldene Kalb erweisen“

  1. Wie kann es sein das man ausgerechnet ein so schönes landstück so ruinieren muss.
    Nur damit 1€in die Kasse der Stadt kommt.

  2. Die Beschäftigte der lokalen Industriewäscherei freuen sich. Im Gegensatz zu diesem Herrn, malochen sie dort täglich 10 Stunden. Weil dortige Chefs wissen das sie mit führerscheinlosen Asylbewerbern alles machen können. Nicht mehr lange dank DHL und den lokalen Politikern die damit für mehr Wettbewerb gesorgt haben.

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