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Rund 200 Menschen demonstrierten auf dem Marktplatz für den Klimaschutz„Wir alle wissen, was uns erwartet, wenn wir nicht handeln“

ALSFELD. Zwei Tage vor der Bundestagswahl fand in ganz Deutschland und in zahlreichen anderen Ländern der 8. globale Klimastreik der Jugendbewegung Fridays For Future statt. Auch in Alsfeld wurde unter dem Motto #AlleFürsKlima demonstriert.

Es ist der achte globale Aktionstag von Fridays For Future nach über drei Jahren Klimastreik, zu dem die Bewegung zwei Tage vor der deutschen Bundestagswahl an diesem Freitag aufgerufen hatte. Und das auch aus einem ganz bestimmten Grund: Vor der Wahl sollten die Menschen noch einmal wachgerüttelt werden, darauf aufmerksam gemacht werden, dass es sich hierbei um eine Klimawahl handele und Wählengehen nicht mehr reiche, wie die Bewegung schon im Vorfeld des Streiks betonte.

„Die letzten Monate haben gezeigt, wie verlogen die Parteien mit der Klimakrise Wahlkampf machen, ohne ansatzweise ausreichende Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung zu vertreten. Während die Erderhitzung weltweit eskaliert, treiben deutsche Regierungen diese durch ihre Entscheidungen auch heute noch weiter an. Als einer der Hauptverursacher-Staaten muss Deutschland endlich die Zerstörung stoppen“, so Fridays For Future.

Die Polizei schätzte die Anzahl der Teilnehmer auf rund 200.

Ohne den massiven Druck von ihnen würde keine Koalition die 1,5- Grad-Grenze nach der Wahl einhalten. Genau aus diesem Grund sollte am Freitag mit dem globalen Klimastreik deutlich gemacht werden, wie groß die Notwendigkeit eines sofortigen strukturellen Wandels sei, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise noch abzuwenden. In Alsfeld wurde ebenfalls demonstriert, dazu hatten Melina Schmalz und Luise Keil, zwei Delegierte von Fridays For Future und Schülerinnen der Geschwister-Scholl-Schule in Alsfeld, aufgerufen.

Bei Melina Schmalz und Luise Keil wird nämlich nicht nur der Tierschutz groß geschrieben – im vergangenen Jahr wurden die beiden vom Hessischen Rundfunk für ihr tierisches Engagement ausgezeichnet – sondern auch der Klimaschutz liegt den beiden Schülerinnen am Herzen. Dass beides voneinander abhängt, hob Luise in ihrer Geschichte vor, die sie extra für den globalen Klimastreik geschrieben hatte.

Luise Keil: „Wir kämpfen für unsere Zukunft“

Wie Fuchs Felix sein Zuhause verlor

In ihrer Geschichte ging es um den Fuchs Felix, der seinen Lebensraum verlor – schlagartig. Denn eines Tages rollten plötzlich Maschinen durch den Wald. „Als erstes verlor die Krähe Elfriede ihr Zuhause, als die Buche gefällt wurde“, erzählte sie. Fuchs Felix und seine Geschwister rannten um ihr Leben, „überall hörte er Tiere um Hilfe rufen“, als der Wald mit Asphalt und Schotter bedeckt und das Wasser verseucht wurde. Nur Fuchs Felix und sein Bruder Zorro schafften es lebend aus dem Wald heraus.

„Wir kämpfen für unsere Zukunft. Die Zukunft zu verlieren ist nicht so, als würde man sein Handy oder Schlüssel verlieren“, mahnte die 14-jährige Luise Keil. Sie seien heute unter anderem hier, um den Stimmlosen eine Stimme zu geben. „Wir fürchten uns einzuatmen, denn wir wissen nicht, was die Luft beinhaltet“, so die Schülerin. Man müsse jetzt handeln, nicht später. „Wie sollen wir später die toten Wälder retten? Wir sollen wir später den Meeresspiegel senken? Wir sollen wir ausgestorbenen Tiere zurückholen? Du kannst nichts Geschehenes rückgängig machen“, betonte sie.

Kreativ sein und handeln

„Wir wissen alle, was uns erwartet, wenn wir nicht handeln“, mahnte ihre Freundin Melina Schmalz. Man müsse aufhören, ständig nur an sich selbst zu denken, alles ganz genau anschauen und nicht nur das große Ganze. „Unser Anliegen und unsere Forderungen sind wie ein Buch, dass seit Jahren in der Ecke verstaubt“, betonte sie. Ihre Generation habe es wieder hervorgeholt, doch die letzten Seiten, wie das Leben in Zukunft aussehen könne, seien frei. „Lasst uns die letzten Seiten gestalten, lasst und das Buch zu Ende schreiben, lasst uns kreativ sein, lasst uns handeln.“

„Wir alle wissen, was uns erwartet, wenn wir nicht handeln“, mahnte Melina Schmalz.

Unterstützung bekamen die beiden Schülerinnen unter anderem von Wolfgang Dennhöfer vom BUND. Für Dennhöfer ist nicht die Bundestagswahl dafür entscheidend, ob der Klimawandel gebremst werden könne, sondern die Menschen, die sich, wie an diesem Freitag, für den Klimaschutz einsetzen. „Leute wie ihr seid entscheidend, nicht die Wahl“, betonte er. Dennoch rief der Biologe dazu auf, wählen zu gehen.

Die Demonstranten hatten zahlreiche selbstgestaltete Plakate dabei.

Auch Dennhöfers Enkelin nahm am Klimastreik teil – und sie war auch einer der Gründe, warum er an diesem Freitag auf dem Marktplatz stand. Denn seine Enkelin und auch die ganzen anderen jungen Menschen seien es, die das alles später ausbaden müssten. Ein weiterer Grund sei der Dannenröder Wald und dessen Teilrodung für die A49. „Das hat mir gezeigt, dass man immer wieder dafür einstehen muss, was einem wichtig ist“, betonte er.

Der Schlüssel zum Klimaschutz

Er sei der festen Überzeugung, dass der „Schlüssel zum Klimaschutz“ nicht nur bei jedem einzelnen Zuhause hänge. „Der Schlüssel zum Klimaschutz und der Verkehrswende hängt oft ganz nah – und zwar in den Rathäusern“, betonte er, denn auch die Kommunalpolitik spiele eine ganz wichtige Rolle.

Wolfgang Dennhöfer hofft noch immer, dass die A49 nicht gebaut wird – „aber momentan sieht es so aus, als hätten wir verloren.“

Die Menschen sollten sich vorstellen, auf dem Wasser in einem Boot zu sitzen. Das Boot sei bereits halb voll, drohe zu sinken. „Man kann diskutieren, wer pumpen soll, aber ein vernünftiger Mensch würde pumpen und alles dafür tun, dass die Situation besser wird“, so Dennhöfer. Frieden, Klimaschutz, Trinkwasser, Tiere und Pflanzen – „das ist wichtig, und nicht wer bei Maischberger eine gute Figur macht.“ Abschließend machte er nochmal darauf aufmerksam, dass man jetzt noch die Chance habe, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. „Noch können wir etwas tun, überlasst das Feld nicht den Bundespolitikern“, mahnte er – doch jedem sollte bewusst sein, dass es Umwelt- und Klimaschutz eben nicht zum Nulltarif gebe.

Weitere Eindrücke:

11 Gedanken zu “„Wir alle wissen, was uns erwartet, wenn wir nicht handeln“

  1. Statt auf andere zu zeigen und die angebliche Verlogenheit der Mitmenschen anzuprangern, sollten die jungen Leute lieber mit gutem Beispiel vorangehen.

    Nicht die Schule schwänzen, sondern im Gegenteil Mathe und Naturwissenschaften lernen. Nur wer Bescheid weiß kann beurteilen, ob politische Entscheidungen richtig sind.

    Wer von den jungen Leuten 17 oder 18 Jahre alt ist und auf die Verkehrswende drängt, der sollte bitte schön auf den Führerschein verzichten und dies öffentlich bekennen. Andernfalls seid ihr keinen Deut besser als diejenigen, die Ihr kritisiert.

    Das soll bewusst ein Vorschlag sein und keine Kritik. Es geht nämlich tatsächlich um EURE Zukunft.

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  2. Sich Freitags hinstellen, Schule schwänzen und immer die gleichen Anklagen. Als könne man den Klimawandel per Gesetz verbieten, oder indem man Sonntags die Brötchen mit dem Fahrrad holt.

    Man kann sich leicht hinstellen und den vorzeitigen Kohleausstieg fordern, wenn man selbst keine Verantwortung trägt, so wie es Politiker tun.
    Wo soll denn der Strom herkommen? Wenn Ihr mal OL lesen würdet, dann wüsstet Ihr, dass sich auch in unserer Region Menschen gegen die Errichtung von Solarparks und Windrädern wehren. Was zumutbar ist und was nicht, lässt sich von hier aus nicht beantworten. Deshalb beschäftigt Euch doch mal konkret mit diesen Themen, denn das ist die Realität, nicht Eure Veranstaltung.

    Wenn Ihr so weiter macht, wird Euch bald niemand mehr ernst nehmen.

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  3. Bild 22 und Bild 20, dann bilde ich mir meine Meinung!
    Ansonsten sehe ich nur aufgehetzte Kleinkinder von ehemaligen „Hippies“ und „Alt-68er“.
    Das ist ein Verbrechen und sollte bestraft werden.
    Wenn diese aufgehetzten Kleinkinder die erste Lohntüte in der Hand haben und die Steuerabzüge sehen, wählt von denen fast keiner mehr die Ökoterroristen.

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  4. Da stehen also die Lehrer unserer Kinder Freitags Mittags auf dem Marktplatz und halten Schilder in die Höhe …. Solange sie dies nur in Ihrer Freizeit tun , soll es mir Recht sein . Alleine der Gedanke daran meine Kinder werden in der Schule dieser Gehirnwäsche unterzogen macht mir Angst .

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  5. Es ist gut zu Sehen das sich Junge Menschen für unsere Umwelt einsetzen,denn was wir in den letzten Jahren machen ist eine Schande.Leider haben viele in der Poltik noch nicht verstanden um was es geht, wir zerstören unsere Lebens Grundlagen siehe DHL und Autobahn.

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  6. nach 14.00 ist Schule aus. Und dann soll es so Dinge geben wie Urlaub nehmen oder Gleitzeit. Oder im Ruhestand sein und sich trotzdem politisch engagieren.

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  7. Schulschluss ist um 12 Uhr 30.
    Und wer in der Schule aufgepasst hat, weiß das viele Freitag nachmittag ihre Arbeit schon erledigt haben.

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