
"Baustopp wegen Materialmangel" als Thema auf der letzten Sitzung der Kreistagsfraktion der Freien WählerFreie Wähler: Baustoffknappheit entgegenwirken
VOGELSBERG (ol). Auf vielen Baustellen läuft es nicht rund, der Grund: Materialmangel und dies im Industrieland Deutschland. Kann das sein? Ja, schreiben die Freien Wähler im Vogelsberger Kreistag. Aktuell gebe es vor allem eine Mangel an Holz, Stahl, Dämm-Material – und demnächst womöglich sogar an Schrauben. Dazu kommen exorbitante Preissteigerungen. Dies sind zum einen Erkenntnisse aus den Medien aber auch aus Gesprächen mit Handwerkern und Bauherrn aus der Region. In der letzten Sitzung der Kreistagsfraktion der Freien Wähler befasste man sich daher unter anderem mit dem Thema Baustopp wegen Materialmangel.
So berichtete der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Vogelsberger Kreistag, Bürgermeister Lars Wicke aus Grebenau, dass er mit mehreren Firmen Gespräche geführt habe und ihn Briefe erreicht hätten in denen es um die aktuelle Situation auf dem Bau gehe. Die Preise für spezielle Baustoffe seien extrem hoch, manche Materialen seien aktuell nicht zubekommen, beziehungsweise nur mit extrem langen Lieferzeiten, so Wicke in seinen Ausführungen.
Welche Auswirkungen hat diese Situation auf den Vogelsbergkreis und die Menschen die hier leben, dies war die zentrale Fragestellung in der Fraktionssitzung. Was ist, wenn Häuslebauer nicht weiter bauen können? Was ist, wenn Baufirmen nicht wie versprochen bauen können? Hat dies Auswirkungen auf Arbeits- und Ausbildungsplätze, was machen betroffene Familien? „Wir müssen darauf achten, dass zum einen das Handwerk unter der aktuellen Situation nicht leidet und zum anderen, dass wir den Aufschwung, den wir haben nicht ausbremsen“, so Daniel Wolf, stellvertretender Fraktionsvorsitzender aus Feldatal.
In vielen Kommunen im Vogelsbergkreis habe ein kleiner Bauboom begonnen. Mit dem Neubau der Häuser entsteht Wohnraum, Vogelsberginnen und Vogelsberger können wegen günstiger Baulandpreise in der Heimat wohnen bleiben oder es können Neubürger aus den Ballungsräumen begrüßt werden. Günstiges Bauland sei ein Vorteil unseres Flächenkreises – doch wenn es kein Baumaterial gebe, helfe dies alles nicht.
Wie aus einer Umfrage des ifo-Instituts hervorgehe, berichteten im Hochbau 43,9 Prozent der Firmen, sie hätten Probleme, rechtzeitig Baustoffe zu beschaffen. Das waren doppelt so viele wie im April, als nur 23,9 der Unternehmen über derartige Probleme klagten. Der Tiefbau war laut Pressemitteilung etwas schwächer betroffen, mit 33,5 Prozent im Mai. Im April hatten dort nur 11,5 Prozent der Betriebe von Engpässen berichtet. „Noch ist die Kapazitätsauslastung der Branche hoch“, so das ifo-Institut.
Die Freien Wähler sehen dieses Thema zum einen wegen seiner zukunftsorientierten Ansiedlungs- und Weiterentwicklungsperspektiven von Unternehmen und zum anderen mit Blick auf die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätze als ein sehr wichtiges Thema an. Aus diesem Grund wollen sie, dass das Thema Baustoffknappheit ausführlich in der kommenden Sitzung des Ausschuss Bauen, Klima, Umwelt und ländlichen Raum des Vogelsbergkreises behandelt wird.
Zu dieser Sitzung sollen auch Fachleute (Vertreter der Innung, Handwerkskammer und anderer Fachverbände) eingeladen werden die zu einem Berichten, wie die Lage im Vogelsberg aktuell ist und auch mögliche Lösungsansätze gesucht werden. So sei die Frage zwar nur rhetorisch zu verstehen: “Vogelsberger Holz nur noch für Vogelsberger“. Doch klar müsse sein, es müssen Lösungen auf den Weg gebracht werden, hier müssten Politik, Waldbesitzer, Baugewerbe, Handwerk und weitere Beteiligte an einen Tisch. „Ziel könnte eine regionale Kooperation von Waldbesitzern, Handwerkern, Sägewerken usw. auf Initiative des Vogelsbergkreises unter der Überschrift ‚Vogelsberger Original für den Baubereich‘ werden“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ulf Immo Bovensmann aus Mücke.
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