
Im bundesweiten Vergleich reichte es für Platz 331 von insgesamt 418Fahrradklima-Test: Alsfeld erneut mit schlechter Gesamtbewertung
ALSFELD (ol). Der Fahrradklima-Test 2020 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) vergibt Schulnoten, Alsfeld hat nur die Gesamtbewertung 4,1 erreicht. Gegenüber der vorhergehenden Umfrage 2018 hat sich das Ergebnis nur unwesentlich verändert, um 0,1 Punkte. In Vergleich mit den anderen Kommunen der Größenklasse bis 20 000 Einwohner ist die Stadt damit auf dem drittletzten Platz gelandet. Im bundesweiten Vergleich reichte es für Platz 331 von insgesamt 418.
Besonders erfreulich finden die Kreisverbände des ADFC, BUND und VCD, dass sich noch mehr Menschen an der alle zwei Jahre durchgeführten Online-Umfrage beteiligt haben, nämlich 161. Das sei die stärkste Beteiligung in einer hessischen Kommune in der Größenklasse bis 20000 Einwohner. Erst eine Beteiligung von mehr als 50 Personen ermögliche eine Auswertung durch das ADFC-Team, so Mirjam Kneußel vom Kreisverband des Fahrradclubs.
Obwohl in Alsfeld der ADFC, der BUND und der VCD laut ihrer Pressemitteilung in den letzten Jahren eine Reihe von Vorschlägen der Alsfelder Radfahrer in einem Konzept zusammengefasst und den Stadtpolitikern und der Stadtverwaltung übergeben hatten und erste zaghafte Maßnahmen von der Stadtverwaltung erfolgten, dokumentiere das Umfrageergebnis, wie unzureichend die Umsetzung empfunden wird. So komme die Auswertung des ADFC für die Frage nach der „Fahrradförderung in jüngster Zeit“ nur auf die Note 4,5.
„Dazu passen auch die schlechten Bewertungen für eine Reihe anderer Themenbereiche: die Ampelschaltungen für Radfahrer (Note 4,7), die Radverkehrsführung an Baustellen (Note 4,9) und die Bereitstellung ‚öffentlicher Fahrräder‘. Das alles wird so schlecht bewertet, dass – um Bild der Schulnoten zu bleiben -, die Versetzung gefährdet ist,“ meint Mirjam Kneußel.
„Offensichtlich erwarten die interessierten Menschen in Alsfeld, dass es nicht bei den politischen Bekundungen bleibt, etwas für den Radverkehr tun zu wollen. Mit dem Nahmobilitätscheck ist ein weiterer Schritt zu konkreten Planungen gemacht worden. Die Menschen erwarten, dass endlich gehandelt wird. Ein guter erster Schritt könnte beispielsweise die praktische Verwirklichung einer ersten Hauptroute für den Radverkehr durch die Stadt sein. Die Grundlage dafür bietet das von uns vorgelegte Grobkonzept,“ meint Philipp Balles vom BUND.
Auf das einzige Thema zum Radfahren in Alsfeld, dass mit der Note 3 einigermaßen zufriedenstellend bewertet wurde, weist Gerhard Kaminski vom VCD-Kreisverband hin: „Dass der Fahrraddiebstahl hier nicht als Problem gesehen wird, ist vielleicht das bemerkenswerteste Ergebnis“.
Insgesamt mache der Fahrradklimatest deutlich, dass die Bedingungen für das Radfahren in Alsfeld weit hinter den Erfordernissen an eine moderne und den Anforderungen des Klimaschutzes gerecht werdende Mobilitätsplanung zurückbleibe. Wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bei der Vorstellung der Ergebnisse des aktuellen Tests erklärt habe, seien 2020 fünf Millionen Fahrräder verkauft worden, davon ein großer Teil als E-Bike beziehungsweise Pedelec.
Das mache sich, so ADFC, BUND und VCD auch bei den Fahrradhändlern in der Region deutlich bemerkbar. „Dieses deutlich gewachsene Interesse an umweltfreundlicher Mobilität verlangt nach sicheren und attraktiven Verkehrsbedingungen. Dass sie endlich geschaffen werden, lässt sich als Aufforderung aus dem aktuellen Fahrradklimatest entnehmen. Wir hoffen, dass das Signal vernommen wird und Alsfeld in zwei Jahren besser abschneidet,“ so Kneußel abschließend.
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