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Studierende der Staatlichen Technikakademie Alsfeld entwarfen besondere WohnhäuserKostengünstig und seniorengerecht

ALSFELD/LAUTERBACH (ol). Im Rahmen zweier Abschlussarbeiten haben Studierende der Staatlichen Technikakademie Alsfeld zwei Varianten für eine Bebauung im Lauterbacher Neubaugebiet „Im Kleinfeldchen“ untersucht. Dabei könnten zwei Wohnbocks kostengünstigen Wohnraum zur Verfügung stellen oder das Grundstück wird für Minihäuser mit einem Gemeinschaftsbau genutzt.

Der Lauterbacher Studienrat und Bauingenieur Daniel Schmidt hat das Projekt „Soziales Wohnen“ initiiert und drei Studierenden zur Aufgabe gemacht, das langgezogene Mischgebiet zu beplanen und einen städtebaulich sinnvollen Übergang zum neu entstehenden Wohngebiet herzustellen.

„Das Ergebnis kann sich sehen lassen“ so der Lehrer und Betreuer der Abschlussarbeit: „Die Studierenden haben es verstanden, die Projektidee genehmigungsfähig umzusetzen und dabei sowohl dem Grundstück und seiner Topographie, also auch dem Thema kostengünstiges Wohnen gerecht zu werden.“

Eingangsbereich des oberen Gebäuderiegels „Soziales Wohnen“ Fotos: STA

Die Ergebnisse sind unterschiedlich. Jochen Dasenbrock (Zimmermeister), Nicolas Ott (Bauzeichner) und Fabian Trzonski (Maler) haben sich für ein massives, teilunterkellertes Untergeschoss mit offener Unterfahrung entschieden, so dass ein Großteil der geforderten Stellplätze keine zusätzlichen Flächen beansprucht. Das zweigeschossige Gebäude in Holzrahmenbauweise (Wände) und Holzmassivbauweise (Decken, Dächer) wird über Laubengänge und ein zentrales massives Treppenhaus erschlossen.

Wohnungen für eine bis fünf Personen

Die Aufteilung der Wohnungen ist weitgehend flexibel gestaltbar und enthält Wohnungen für 1- bis 5-Personen-Haushalte. Im Erdgeschoss befinden sich jeweils zwei barrierefreie Wohnungen, alle anderen sind zumindest „barriere- arm“ geplant. Bauteile und Heiztechnik wurden so vorgesehen, dass ein sehr hoher Energieeffizienz- standard möglich ist, so dass neben Zuschüssen für sozialen Wohnbau auch weitere Förderungen über die KfW möglich wären.

Unterstützt hat das Projekt die Stadt Lauterbach mit Julia Hedtrich vom Bauamt und auch sie zieht eine positive Bilanz: „Den Studierenden ist es gelungen, ganz unterschied- liche Ansätze der ersten Entwurfsidee zu verfolgen. Nach mehreren Wochen des Austauschs und der Weiterentwicklung haben sie zwei völlig verschiedene Entwürfe auf dem anspruchsvollen Grundstück erfolgreich umgesetzt.“

Ansicht des Gemeinschaftshauses mit vorgelagertem Grillplatz.

Einen anderen Ansatz verfolgten die Studierenden Clemens Böcherer (Zimmermeister) und Tim Rehberg (Bauzeichner). Unter dem Arbeitstitel „Altersgerechtes Wohnen in Lauterbach – der sanfte Zwischenschritt zwischen Einfamilienhaus und Altersheim“ hat Lehrer Schmidt den vielgeäußerten Wunsch aufgegriffen, sich im Rentenalter vom zu großen Einfamilienhaus zu trennen, ohne jedoch auf die eigenen vier Wände verzichten zu müssen.

Entstanden ist eine Hausgruppe, bestehend aus zehn Minihäusern mit 80 bis gut 100 Quadratmetern Wohnfläche, die sich um ein Gemeinschaftshaus gruppieren. Das von den Studierenden geplante Gemeinschaftshaus enthält einen größeren Raum, etwa für Gesundheitssport, eine kleine Küche für gemeinsames Feiern, einen Leseraum zum gemütlichen Beisammensein sowie ein Gemeinschaftsbüro. Die einzelnen Grundstücke sind bewusst klein gehalten, aber nicht hermetisch voneinander getrennt.

Gemeinschaftshaus mit Grillplatz

Am Gemeinschaftshaus steht ein Grillplatz als Treffpunkt zu Verfügung. „Auch diese Lösung hat ihren Charme, wenngleich ich diese eher am äußeren Rand des Wohngebietes verwirklicht sähe“ resümiert Projektleiter Daniel Schmidt und ergänzt: „Beiden Projekte zeigen mögliches Entwicklungspotenzial für Lauterbach auf und es bleibt zu hoffen, dass die gegebenen Impulse aufgenommen werden.“

Dankbar ist Schmidt, dass die Stadtverwaltung es den angehenden Bautechnikern immer wieder ermöglicht habe, sich für ihre Abschlussprojekte mit konkreten Bauaufgaben auseinanderzusetzen. Fachbereichsleiter Architekt Jörg Saller, gleichzeitig Geschäftsführer der Gemeinnützigen Heimstättenbaugesellschaft, greift den Dank auf: „Was die Studierenden der Technikakademie Alsfeld ausarbeiten ist für uns eine Bereicherung, da wir damit Ideen auf ihre Machbarkeit und Akzeptanz hin prüfen kön- nen. Gerade der Lösungsansatz des Projekts „Soziales Wohnen“ in eine Siedlungsflächenerweiterung zu integrieren, wäre eine Möglichkeit weiteren Wohnraum zu bezahlbaren Mieten anbieten zu können.“

2 Gedanken zu “Kostengünstig und seniorengerecht

  1. Endlich folgen den vielen Diskussionen um bezahlbaren Wohnraum, Mangel an Single- und Senioren-gerechten Kleinwohnungen, Minihäusern etc. die konkreten Entwürfe, die auch von Genehmigungsstellen und potenziellen Bauträgern wohlwollend zur Kenntnis genommen werden. Nicht mühsam Quartiere schaffen, um Quartiersarbeit leisten zu können, sondern funktionierende Wohnquartiere (Dorfstrukturen) von vornherein baulich realisieren. Sicher muss an der einen oder anderen Stelle noch einmal nachgeschärft werden. Die Hausgrößen zum Beispiel könnten auch bei durchschnittlich 50 m² Grundfläche liegen, da Senioren überwiegend allein leben und es auch in anderen Altersgruppen zunehmend 1-Personen-Haushalte gibt. Da lässt sich der Raumbedarf durch intelligente Innenaufteilung und raumsparende Möblierung noch weiter im ökologischen Sinne reduzieren, ohne das Raumgefühl einzuengen. Geschickte Grundstücksaufteilung kann zudem auch bei hoher Dichte der Bebauung blickgeschützte Außenbereiche schaffen. Und unterfahrbare Auto-Stellplätze gibt es auch bei Einzelhäusern (Stelzenhäuser mit Liftanlagen), ohne dass die Kosten unverhältnismäßig in die Höhe getrieben werden.
    Wir haben in der Region die Handwerksbetriebe und Produktionsstätten, die man für einen modernen Modulbau in Vollholzbauweise (Cross Laminated Timber/ CLT) benötigt (siehe Fa. Pfeifer in Schlitz). Hier könnte man sich auch kreative Kooperationen mit der Alsfelder Techniker-Akademie vorstellen, etwa bei der Entwicklung von raumoptimierten Prototypen für Kleinhäuser.

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