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Umfrage zum Umgang mit WasserlieferungenAlle Kreislisten befürworten Gutachten über Wasserexport nach Frankfurt

ExklusivVOGELSBERGKREIS (jal). Wie schädlich oder ungefährlich ist der Export von Vogelsberger Wasser nach Frankfurt wirklich? Eine Umfrage von OL zeigt: Alle Kreislisten befürworten ein Gutachten, welches die Frage klärt. Die Freien Wähler sehen dafür jedoch das Land und nicht den Kreis zuständig.

Es gibt mehrere Themen, welche die Menschen im Vogelsberg in der jüngeren Vergangenheit emotional und leidenschaftlich diskutiert haben. Neben dem Ausbau der A49 und dem Umgang mit dem Wolf zählt mit Sicherheit der Export des heimischen Wassers in die Rhein-Main-Region dazu. Spätestens, wenn der Landkreis im Sommer unter Verweis auf die sinkenden Pegelstände die Vogelsberger aufruft, sparsam mit ihrem Wasser umzugehen, kocht das Thema wieder hoch.

Die Verschwender sitzen aber nicht in Alsfeld, Schotten oder Lauterbach, sondern in Frankfurt, lautet dann der Vorwurf vieler Vogelsberger. Die Großstädter sollten sich mehr anstrengen, ihr eigenes Wasser aufzubereiten und trinkbar zu machen. Der Export in die Rhein-Main-Region gefährde die Ökosysteme des Vogelsbergs.

Das ist die eine Sichtweise auf die Dinge. Die andere nimmt Frankfurt in Schutz und verweist zum Beispiel auf die Komplexität der Wasserkörper im Untergrund. Welchen Einfluss es wirklich auf andere Kommunen im Vogelsberg habe, wenn in Schotten Wasser für den Export nach Frankfurt gefördert werde, sei schwer zu sagen. Auch gibt es das Argument, das Wasser könne einfach über Bäche aus der Region abfließen, wenn es nicht für Frankfurt gewonnen würde und sammle sich daher auch ohne Förderung nicht im Vogelsberg an.

„Der Vogelsberg hat nicht mehr Wasser als Frankfurt“

Aus diesem Grund hat Oberhessen-live alle Parteien und Listen gebeten, zu folgender Aussage Stellung zu nehmen. “Ein Gutachten im Auftrag des Kreises unter Einbeziehung anerkannter Naturschutzorganisationen soll klären, wie schädlich oder ungefährlich der Export von Wasser unter den aktuellen Regelungen Richtung Frankfurt für die Vogelsberger Umwelt ist.”

Alle Listen und Parteien, von AfD bis hin zu den Linken, stimmten dieser Aussage zu. Lediglich die Freien Wähler gaben ihre Position bei der Frage mit “neutral” an. Doch das liegt offenbar nur am ersten Teil der Fragestellung (“im Auftrag des Kreises”) und hat daher eher formale Gründe, wie Lars Wicke, Spitzenkandidat der Freien Wähler bei der Kreiswahl, im Gespräch mit OL erklärte. “Um es mal auf den Punkt zu bringen: Da ist der Kreis nicht für zuständig. Das sind Überlegungen, die auf Landesebene angestoßen werden müssen”, sagte der Grebenauer Bürgermeister.

Eine Resolution zu dem Thema sei zwar möglich, aus der Sicht der Freien Wähler sei dieser Schritt in dem Fall jedoch nicht redlich, da die Zuständigkeit eben in Wiesbaden läge. Grundsätzlich seien die Freien Wähler aber durchaus für eine wissenschaftliche Untersuchung der Zusammenhänge bei der Frage. Ein eigenes Gutachten im Auftrag des Kreises sei vielleicht rechtlich machbar, doch sollten die knappen Kreismittel lieber anders eingesetzt werden. Außerdem habe ein Gutachten des Landes mehr Gewicht.

Sollten die Freien Wähler sich bei einer Abstimmung klar gegen ein Kreisgutachten aussprechen, aber wie vermutet bei der Wahl nicht die absolute Mehrheit holen, könnte der Kreistag theoretisch als eine seiner ersten Handlungen in großer Einstimmigkeit der übrigen Fraktionen ein solches Gutachten auf den Weg bringen.

OL baut Informationstool, ähnlich dem „Wahl-o-Mat“

Die Frage zum Wasserexport war eine von insgesamt 25 Forderungen, zu denen OL die Parteien und Listen gebeten hat, mit den Antworten “Stimme zu”, “Neutral” oder “Stimme nicht zu” Stellung zu beziehen. Hintergrund ist, dass Oberhessen-live für die Kreistagswahl ein interaktives Informationsangebot anbieten wird, mit dem Wählerinnen und Wähler einfach ermitteln können, mit welcher politischen Gruppe sie bei möglichst vielen Punkten übereinstimmen. Vorbild dafür ist der bekannte “Wahl-o-Mat”, den die Bundeszentrale für politische Bildung vor größeren Wahlen anbietet. Die OL-Version des Angebots wird demnächst freigeschaltet.

Zusätzlich dazu werden ab diesem Montag 20 Uhr fünf Artikel erscheinen, in denen die Parteien und Listen jeweils drei offene Fragen zu den Politikfeldern Bildung, Gesundheit und Soziales, Umwelt- und Klimaschutz, Wirtschaft und schließlich noch Tourismus beantworten. Dabei haben wir die Gefragten auch gebeten, die Wichtigkeit der einzelnen Politikfelder aus ihrer Sicht zu ordnen – jeweils beginnend mit dem Wichtigsten. Das sind die Ergebnisse:

AfD
Alle Politikfelder sind wichtig. Hier eine Reihung vorzunehmen ist für uns wenig zielführend.

CDU
Wirtschaft/Bildung
Gesundheit und Soziales
Umwelt und Klimaschutz (nur mit Wirtschaft gemeinsam machbar)
Tourismus

FDP
Eine Fangfrage! Alle diese Felder sind sehr wichtig für die Region.

Freie Wähler
Bildung
Wirtschaft
Umwelt- und Klimaschutz
Gesundheit und Soziales
Tourismus

Grüne
Gesundheit
Bildung
Umwelt- und Klimaschutz
Soziales und Wirtschaft (inkl. Tourismus)

Klimaliste
Umwelt- und Klimaschutz
Bildung, Gesundheit und Soziales (gleichwertig)
Wirtschaft
Tourismus

Linke
Bildung
Umwelt- und Klimaschutz
Gesundheit und Soziales
Wirtschaft
Tourismus

SPD
Bildung
Gesundheit und Soziales
Wirtschaft
Umwelt- und Klimaschutz
Tourismus

Keine starre Reihenfolge, Themen beeinflussen sich gegenseitig

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