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Corona: App aus dem Vogelsberg ermöglicht schnelle Kontaktverfolgung in Geschäften und RestaurantsMit „nowayt“ zurück in den Normalbetrieb

ALSFELD (ol). Aus der Mutmacher-Reihe „Auf eine TelKo mit…“ in Corona-Zeiten: Die beiden Alsfelder Unternehmer Frank Galfe und Maximilian Hill stellen dem Gießener Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich ihre selbstentwickelte Web-App „nowayt“ vor: Kontakt-Nachverfolgung in Sekunden.

Die Krise ist bekannt: Die Gastwirte dürfen keine Gäste bewirten und die Eventveranstalter keine Events veranstalten. Das Corona-Virus macht den gewohnten Alltag unmöglich. Die Web-App „nowayt“ soll die Rückkehr zu einem möglichst normalen Betrieb ermöglichen, in sie Besucherdaten von einem Restaurant, bei einem Konzert, einer Hochzeit oder Messe – ganz ohne Zettelwirtschaft – den Gesundheitsbehörden in Sekunden zur Verfügung stellt. Dann, wenn es wieder möglich sein wird. Das Gespräch mit Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich kam nicht ganz zufällig zustande, sondern fand im Rahmen der Reihe „Auf eine Telko…“ – mittelhessische Mutmacher in der Corona-Krise im Regierungsbezirk der fünf Landkreise zwischen Limburg und Schlitz, Münchhausen und Hungen.

Wie sind die Erfinder auf die App gekommen?

Die beiden Initiatoren sind das, was man Lokalpatrioten nennt. Der eine Mode-Designer und Inhaber der Veranstaltungshalle „güterbahnhof alsfeld“, der andere Autodidakt und Geschäftsführer des Tech-Startups „connect2“. Zusammen hatten sie nicht nur die Idee und haben sie umgesetzt, auch das Rechenzentrum dafür steht in Alsfeld: eine IT-Lösung komplett „Made im Vogelsberg“. Ausgangspunkt war die eigene Betroffenheit als Veranstalter in Corona-Zeiten und  der Wille, „eine Lösung zu finden und nicht auf sie zu warten“, wie sie formulieren.

„Im Miteinander mit Veranstaltern, Hallenbetreibern und Gastronomen auf kommunaler Ebene hier habe ich festgestellt, es gibt so viel Digitales, das wir haben“, berichtet Frank Galfe, „aber im einfachen Bereich, der uns wirklich viel helfen würde, da fehlt es ein bisschen.“ Gemeint ist die Aufnahme der Gästedaten. „Da sind ganz viele Donald Ducks mit einer Nummer, die nach Entenhausen führt – und der Donald geht dann nicht ans Telefon“, beschreibt es Maximilian Hill. Das sorge ja bei den Gesundheitsbehörden gerade für große Probleme, wenn es darum gehe, Kontaktpersonen ausfindig zu machen. „Gebraucht wird eine vorliegende Nummer, und die am besten digital, dass die Gesundheitsbehörde in einem Fall, in dem eine Infektion vorliegt, sehr kurzfristig reagieren kann.“ In  der aktuellen Zettelwirtschaft brauche es für Reaktionen eine  vergleichsweise große Spanne. Wesentlicher Faktor bei der Kontaktermittlung ist aber gerade der Faktor Zeit. „Wir können diese Spanne auf Sekunden reduzieren.“

Wie funktioniert die App im Alltagsbetrieb?

Eine App muss dafür nicht einmal auf das Handy heruntergeladen werden. „Wir machen das Ganze browserbasiert“, lautet es in der Sprache des IT-Spezialisten. Für den Nutzer heißt das, wie er übersetzt: „Es ist eine sehr geringe Medienkompetenz erforderlich, um das Produkt zu nutzen.“ Angelehnt ist es an bekannte Kartenvorverkauf-Apps, allerdings mit kleinen, aber feinen Unterschieden. Bei der Eingabe werden die persönlichen Daten auf Plausibilität überprüft.

„Die Daten werden lokal gespeichert im Telefon und beim Besuch der Webseite oder beim Einchecken im Lieblingslokal wird dann vom Benutzer eine PIN eingeben wie bei einem Bankkonto – ohne dass dieser jedes Mal erneut seine Daten eingeben muss.“ Bei Bedarf, also wenn ein positiver Corona-Fall aufgetaucht ist, können die jeweiligen Kontaktdaten der Gesundheitsbehörde auf digitalem Weg zur Verfügung gestellt werden.

Wie wird die Sicherheit garantiert?

„Außerdem bleiben die Daten verschlüsselt, bis sie im Fall eines Falles vom Gesundheitsamt abgerufen werden, womit wir bei einem weiteren Unterschied zu klassischen Registrierungs-Apps wären: der schnellen, datensicheren und problemlosen Weiterleitung an die Behörden – wenn sich diese vorher akkreditiert haben“, erläutert Maximilian Hill das Prinzip des Angebots.

„Da ich selbst in einer Verwaltung arbeite und weiß, wie komplex Datensicherheit an mancher Stelle ist: Wie funktioniert dann der Umgang mit den gelieferten Daten in einem Gesundheitsamt?“, hinterfragt Regierungspräsident Ullrich den sensibelsten Teil. „Wir verschlüsseln das Ganze noch auf Standortebene“, antwortet Maximilian Hill. Jede Gesundheitsbehörde hat eine eigene Kennung im Internet. „Diese manuell zu akkreditieren, ist erst einmal ein Aufwand, aber der lohnt sich. Dadurch haben wir die größtmögliche Sicherheit, denn dadurch wird vermieden, dass Daten irgendwo sonst als in dem jeweiligen Gesundheitsamt entschlüsselt werden können.“

Wann soll es die App geben?

Eine Testphase bei verschiedenen Veranstaltungen hat „nowayt“ – übrigens ein englisches Wortspiel, das übersetzt „nicht warten“ heißt – erfolgreich bestanden, wie Frank Galfe berichtet: „Im September und Oktober haben wir unsere Idee in verschiedenen Feldversuchen eingesetzt, um zu sehen, wo wir noch Entwicklung investieren müssen.“ Jetzt sei es an einem Punkt, an dem das Produkt in die Welt soll. „Unser Ziel ist es, im ersten Schritt den Vogelsberg noch schneller sicherer zu machen, und dann auch gerne darüber hinaus.“

„Das klingt nach einem schlüssigen Konzept mit einem hohen Sicherheitsstandard“, sagt Regierungspräsident Ullrich, „da kann man auch nur wünschen, dass Sie damit am Ende auch erfolgreich sind, denn es ist ja sicher schon einiges an Know-how und Energie reingeflossen.“

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