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RMV stellt Entwurf zur Fortschreibung des Regionalen Nahverkehrsplanes vor - Stadt Alsfeld nimmt StellungBahnverbindung ins Rhein-Main-Gebiet stärken, zeitnaher barrierefreier Bahnhof für die Stadt

ALSFELD (ls). Neun Punkte sind es, die sich die Stadt Alsfeld für einen besseren Nahverkehr wünscht. Von einem zeitnahe, barrierefreien Ausbau des Bahnhofes, über deutlich bessere Bahnanbindungen ins Rhein-Main-Gebiet, bis hin zu Cross-Bussen in Richtung Marburg. Aufgenommen wurden sie jetzt in einer Stellungnahme, die der Magistrat zum Entwurf des neuen regionalen Nahverkehrsplanes abgeben soll.

„Wichtig ist doch, dass der Alsfelder Bahnhof endlich attraktiver wird. Seit Jahren wünschen wir uns einen barrierefreien Bahnhof, seit Jahren wird es diskutiert und die aktuellen Planungen sehen einen Baubeginn nicht vor 2024 vor. Wir wünschen uns einen zeitnahen Beginn und das wollen wir nochmal explizit betonen“, erklärte Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule bereits vor dem Bauausschuss am Dienstagabend. Am Ende waren es dann neun Wünsche, die in der Stellungnahme unter großer Einigkeit der Parlamentarier am Donnerstagabend aufgenommen werden sollen. Neun Punkte. Von einer besseren Bahnanbindung in Richtung Frankfurt, über einen barrierefreien Alsfeld Bahnhof, bis hin zu Cross-Bussen in Richtung Marburg.

Alsfelds Bürgermeister im Ausschuss am Donnerstagabend. Fotos: ls

Ende Dezember hatte der Rhein-Main-Verkehrsbund (RMV) einen Entwurf für die Fortschreibung des regionalen Nahverkehrsplans für die Jahre 2020 bis 2030 erstellt. Der Plan fungiert als zentrales Instrument für die weitere Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs im Rhein-Main-Verbund. Mit ihm werden wichtige Weichenstellungen und Schwerpunktsetzungen für die Entwicklung des öffentlichen Verkehrsangebots sowie der dazugehörigen Dienstleistungen in den kommenden Jahren vorgenommen. Genau dazu kann die Stadt Alsfeld noch bis Ende Februar eine Stellungnahme einreichen.

Zwei Punkte schlug die Stadt den Ausschussmitgliedern also vor: ein zeitnaher, barrierefreier Ausbau des Alsfelder Bahnhofes und eine Beschleunigung des gesamten Verfahrens und eine deutliche Verbesserung der Bahnanbindung von Alsfeld in das Rhein-Main-Gebiet, wobei auch der Ausbau der Schieneninfrastruktur in Betracht gezogen werden soll. Schon am Dienstagabend herrschte im Ausschuss große Einigkeit, wenn auch die zwei Forderungen der Stadt mit weiteren Wünschen der Fraktionen ausgebaut wurden.

Die CDU/UWA-Koalitions-Mitglieder am Dienstagabend.

„Der ländliche Raum soll attraktiver werden – besonders für Menschen die hier wohnen und im Rhein-Main-Gebiet arbeiten“, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Heinz zum CDU/UWA-Antrag vor den Ausschussmitgliedern am Dienstagabend. Darin enthalten eine deutlichere Verbesserung der Bahnanbindung in Richtung Frankfurt und ein Ausbau der Vogelsbergbahn, zweigleisig und elektrifiziert, mit einer einhergehenden engeren Taktung und einer direkten Verbindung nach Frankfurt. „Wir unterstützen das, wenn auch das Auto hier im ländlichen Raum meiner Meinung nach weiterhin das Mittel der Wahl sein wird“, machte Heinz seinen Standpunkt klar.

Auch der ALA-Vorschlag sah eine eine engere Taktung vor. „In der Planung des RMV ist schon der Einsatz eines Regionalexpresses, der RE44, angedacht, der eine schnellere und zusätzliche Verbindung in das Rhein-Main-Gebiet schaffen soll. Das sollten wir unterstützen“, erklärte Paule. Der Regionalexpress, der auf der Strecke Gießen-Alsfeld nicht alle kleineren Bahnhöfe anfahren soll, soll zusätzlich zur Vogelsbergbahn im 60- und 120-Minuten-Takt fahren.

Auch ein weiterer Wunsch fand im Ausschuss Beachtung: Die bessere Busanbindung in Richtung Marburg und Bad Hersfeld nach Vorbild der Expressbuslinie X39 nach Treysa. Das geht zurück auf die Anregungen der SPD und auch der ALA, wonach auch diese Anbindung attraktiver gestaltet werden soll. Am Ende war man sich einig und stellte auf Grundlage des ALA-Vorschlags neun Punkte zusammen, die der Stellungnahme ergänzt werden sollen.

ALA-Fraktionsvorsitzender Michael Riese am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung.

Der Zeitnahe, barrierefreie Ausbau des Alsfelder Bahnhofes mit einer Beschleunigung des Verfahrens. Eine deutlichere Verbesserung der Bahnanbindung in Richtung Frankfurt, wobei auch der Ausbau der Schieneninfrastruktur in Betracht gezogen werden soll unter Berücksichtigung der bereits zusätzlich geplanten RE44, die von der Stadt unterstützt werde. Der Ausbau der Vogelsbergbahn, zweigleisig, elektrifiziert und auch per Wasserstoff angetrieben, einhergehend mit einer engeren Taktung der Verbindungen nach Fulda und Gießen. Eine Verlängerung der Bedienzeiten am Abend und ein früherer Betriebsbeginn am Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen sei wünschenswert, sowie die Möglichkeit über ausreichend Sitzplatzangeboten, besonders nach der Einführung des Seniorentickets.

Außerdem sollen die Buslinien in Richtung Marburg und Bad Hersfeld ausgebaut werden und auch der Ausbau des Busverkehrs in die Innenstadt und Ortsteile über den Schülerverkehr hinaus. Wünschenswert sei auch eine zentrale Rufnummer für die Anmeldung des Anruf-Linien-Taxis und auf die Anschlusszeiten zu Bahn und nicht-lokalen Buslinien müsse man achten. Außerdem sollten Mobilitätsketten, also Fahrten mit Umsteigen) nicht durch Hinweise wie „Keine Innerortsbedienung“ unterbrochen werden, besonders wenn es sich um Krankenhaus, Bahnhof oder andere wichtige Institutionen handele.

Einstimmig wurde der Antrag beschlossen.

Während sich die Ausschussmitglieder einstimmig für die Empfehlung aussprachen, gab es auch in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag keine Einwände dazu. „Es war eine einwillige und konstruktive Arbeit aller Fraktionen, bei der gute Punkte zusammen gekommen sind“, freute sich Paule im Stadtparlament. Den über 500 Seiten des Nahverkehrsplans würden nun neun gute Punkte entgegengebracht werden, allerdings sei die Verwirklichung ein langer Weg.

„Man sieht, es hilft wenn man regelmäßig immer wieder nachbohrt“, erklärte er. Auch ALA-Fraktionschef Michael Riese freute sich über die gute und vernünftige Zusammenarbeit. „Das alles sind gute Vorschläge. Das ist nicht nur nice to have, sondern grundlegend wenn es heißt hier im ländlichen Raum zu leben und woanders zu arbeiten“, sagte er. Einstimmig wurde der gemeinsame Antrag mit den Vorschlägen aller Fraktionen vom Stadtparlament beschlossen.

4 Gedanken zu “Bahnverbindung ins Rhein-Main-Gebiet stärken, zeitnaher barrierefreier Bahnhof für die Stadt

  1. SKANDALÖS und unchristlich das es bis heute keinen barrierefreien Bahnhof gibt in Aalsfeld, eine zumutung für Frauen mit Kinderwagen und behinderten/älteren Menschen,diesen Bahnhof(steilen Treppen) zu nutzen.

    1. Ja, das isr wirklich skandalös. Statt für diese sinnvollen Infrastrukturmaßnahmen steckt der Bund am meisten Geld in das Ministerium für “Soziales” – nicht zuletzt, um damit sehr häufig Menschen zu alimentieren, die gar nicht arbeiten wollen, aber überall dicke Forderungen markieren.

  2. Die Vogelsbergbahn hat 2 Probleme:

    a) sie ist eingleisig
    b) sie ist nicht elektrifiziert

    Bevor beide Probleme nicht gelöst sind, sind die Träume von einer besseren und schnelleren Anbindung nur Schäume. Und wie das wird, wenn sich der Güterverkehr von Heggenstaller zum Personenverkehr dazugesellt, dürfte auch noch spannend werden.

  3. Die Pläne für den Ausbau der Vogelsbergbahn sind löblich und richtig. Jedoch sollte man sich auch Gedanken machen, woher die Lokführer kommen sollen, die die zukünftig zusätzlichen Züge fahren. Schon heute besteht eklatanter Personalmangel bei allen Eisenbahnverkehrsunternehmen. Gründe für diesen Mangel sind vor allem die schlechte Bezahlung und die immer mehr optimierten Schichten. Hier ist vor allem der Gesetzgeber in der Pflicht, wieder für eine ordentliche Ausbildung und Bezahlung zu sorgen. Es kann einfach nicht sein, dass Nahverkehrsausschreibungen stets zu Lasten des Fahrpersonal gewonnen werden, weil dort Geld eingespart wird.
    Die Idee eines RE zwischen (Fulda)- Alsfeld Gießen ist gut, aber nicht neu. Als die DB noch die Vogelsbergbahn bediente, gab es alle 2 Stunden einen Regionalexpress, jeweils in beide Richtungen. Ebenso war die Vogelsbergbahn von Beginn an zweigleisig geplant. Die Ausführung wurde aber wegen des 1.Weltkriegs verworfen und nie mehr aufgegriffen. Dies erkennt man am deutlichsten an den zahlreichen Brückenbauwerken, die allesamt für 2 Gleise errichtet wurden.

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