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Historischer Zunft- und Handwerkermarkt soll am Kräuter- und Märchentag wiederbelebt werdenAls man in Alsfeld ein Wochenende ins Mittelalter reiste

ALSFELD (akr). Er war das Highlight des städtischen Event-Kalenders, der historische Markt mit dem beliebten Alsfelder Marktspiel. Seit 13 Jahren müssen die Alsfelder jedoch auf beides verzichten. Das hat jetzt aber ein Ende: Zwar konnte das Marktspiel bislang noch nicht wiederbelebt werden, der historische Markt aber schon. Mit einem bunten Programm und tollen Aktionen wird er die Besucher am Kräuter- und Märchentag zurück in die Welt des Mittelalters entführen. Ein Einblick in die Entstehung und Entwicklung des historischen Markts und dessen Höhepunkt.

Der erste historische Markt soll1997 in Alsfeld Anklang gefunden haben. Der umfangreiche Markt mit zahlreichen Ständen zog sich vom Marktplatz über die kleinen Gassen bis zum Roßmarkt. Umfangreich und teuer sei er gewesen. Kosten, die die Stadt nicht habe tragen wollen und können. Doch verzichten wollte man auf ihn nicht. Eine Lösung musste her, wie man ihn trotz wenigerer Stände für die Besucher attraktiv machen könne – das Alsfelder Marktspiel wurde ins Leben gerufen und wurde zum jährlichen Highlight des historischen Städtchens, immer am zweiten Septemberwochenende. Die handwerklichen Stände seien zur „Nebensache“ geworden.

„Historie zum Anfassen“ – unter diesem Motto stand der historische Markt 1998 an dem es in der Altstadt einiges zu entdecken gab: Historisches Handwerk, mittelalterliche Trachten, historische Ess- und Trinkbräuche und natürlich Musik und Schauspiel. So konnte man beispielsweise dem Holzschuhmachermeister Heinrich Wassing aus Ahaus beim Schnitzen zusehen oder sich die Kunst des Korbflechtens von Erich Heßler aus Bad Düben erklären lassen. Die Alsfelder Geschäfte hatten ebenfalls Stände auf dem Markt aufgebaut, sich teilweise in aufwendige Kostüme geworfen.

Holzschuhe gab es am Stand vom Holzschuhmacher Heinrich Wassing. Fotos: Alle Bilder abfotografiert aus dem Privatbesitz von Jörg Köhler

Das Marktspiel als Highlight des historischen Marktes

Das Highlight war aber ohne Frage das Marktspiel mit der Premiere des „Alsfelder Bierkriegs“. Wegen der Braurechte der Bürger war es von 1666 bis 1680 zu einem „Bierkrieg“ zwischen den brauberechtigten Bürgern und dem Rat gekommen, der von seinen Vorrechten auf Kosten des „kleinen Mannes“ rücksichtlos Gebrauch machte. Um diesem „Streit“, um die Braurechte in Alsfeld, ging es in der Inszenierung der rund 30 Laienschauspieler. Mit vier Aufführungen begeisterten sie am Wochenende die zahlreichen Besucher auf dem Alsfelder Marktplatz, ein wahres Spektakel.


„Stadtgeschichte wird in Alsfeld nicht nur in den Archiven aufbewahrt, sie wird in Alsfeld lebendig. Mit dem historischen Markt und dem Alsfelder Marktspiel gehen wir zurück in die Vergangenheit, beleben unsere Gegenwart und erhoffen uns Impulse für die Zukunft“, eröffnete Jörg Köhler – damals der erste Vorsitzende des Verkehrsverein – den historischen Markt samt Marktspiel vor zehn Jahren.

Das Thema des Marktspiels: historische Hochzeit in Alsfeld. Eine riesige Bühne mitten auf dem Marktplatz, drumherum zahlreiche Bänke und Tische, an denen hunderte von Zuschauern platz nahmen, ein mittelalterliches Hochzeitsessen genossen und den vielen Akteuren begeistert zusahen.

Das Marktspiel zog jedes Jahr Tausende Besucher an.

In der Altstadt luden zudem noch 38 Stände zum Stöbern ein. Mit dabei waren unter anderem die Kranzbinderin Rita Bauer, die Töpferei Bauer, der Schindelmacher Hansel, Tongestalter Manfred Stroh oder der Holzschuhmacher Heinrich Wassing. Auch die Apotheke am Rathaus und das Ramspeck waren mit Ständen vertreten.

Für den dritten historischen Markt im Jahre 2000 hatte der Verkehrsverein erstmals ein professionelles Unternehmen eingeschaltet, um das traditionelle Programm aufzuwerten. So gab es weiterhin die Handwerksstände rund um den Marktplatz, doch zusätzlich zum beliebten Marktspiel sorgten auch der Herold Jörg von Winterfeld und die mittelalterliche Musikgruppe „Vivus temporis“ aus Chemnitz für Unterhaltung. Im Mittelpunkt des Markttreibens standen aber wieder die vier Aufführungen des Marktspiels. Inszeniert hatte das zum dritten Mal der italienische Regisseur Gian Andrea Scarello mit Alsfelder Laienschauspielern – in diesem Jahr erstmals im Stile eines Theaterstücks.


Er hatte alles im Blick: Regisseur Gian Andrea Scarello

Der neunte und letzte historische Markt fand vor 13 Jahren statt. Insgesamt 33 Stände luden mit alter Handwerkskunst und Kulinarischem zum Stöbern und Genießen in die Altstadt ein. Im Mittelpunkt des bunten Mittelalter-Geschehens stand aber wieder die Aufführung des Marktspiels mit dem „Alsfelder Bierkrieg – Streit um die Braurechte“ – allerdings in einer Neuauflage der Regisseurin und professionellen Schauspielerin Sabine Doetsch: Der selbe historische Hintergrund wie bei der Erstaufführung, aber mit neuen Handlungssträngen.

Das letzte Marktspiel im Jahre 2006 begeisterte wieder mit der Aufführung des „Alsfelder Bierkriegs“

Das Marktspiel am historischen Markt war immer mehr als gut besucht, zählte bis zu 1000 Zuschauer pro Aufführung. Von Vormittag bis in die Abendstunden war der Marktplatz mit Besuchern aus ganz Hessen belebt. Doch dann wurde sowohl Marktspiel als auch Historischer Markt mit der Begründung, dass 10.000 Euro fehlen, einfach eingestellt.

Historischer Zunft- und Handwerkermarkt integriert

Zwar konnten das Marktspiel bislang noch nicht wiederbelebt werden, der historische Markt aber schon – jedenfalls so halb. Am diesjährigen Kräuter- und Märchentag wird es nämlich nicht nur Kräuter und Märchen geben: erstmals wird der historische Zunft- und Handwerkermarkt am kommenden Sonntag, den 23. Juni integriert sein. Man kann sich am Kirchplatz also auf historische Händler und Handwerker mit Mitmachständen wie Glasblasen oder Kerzenziehen freuen.


Speziell für die jungen Besucher werden außerdem Bogenschießen, Katapultschießen, „Mäuseroulette“ und andere mittelalterliche Spiele angeboten. Für Abwechslung wird ebenfalls das Kinderkarussell „Hexenflugschule“ sorgen. Auf der Mittelalterbühne werden neben einer Fakirshow auch Gaukler und Musiker zu sehen und zu hören sein. Die passenden Klänge werden unter anderem die Mittelalterband „Nachtwindheim“ beisteuern, Gaukler und Walking-Acts sorgen für zusätzliche Unterhaltung auf dem Kirchplatz. Passende Verkaufsstände sowie eine Taverne und weitere kulinarische Leckerbissen runden das „historische Bild“ auf dem Kirchplatz ab.


2 Gedanken zu “Als man in Alsfeld ein Wochenende ins Mittelalter reiste

  1. Wenn Ihr wollt komme ich in Alsfeld wieder und machen wir nochmal :-)

    Umarmung, Regisseur Gian Andrea Scarello

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