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Mitgliederversammlung der SPD-Ortsverbandes Alsfeld - Ute Koch und Nils Bernhardt sind neue VorsitzendeWie die Alsfelder Sozialdemokraten wieder zu neuer Stärke finden wollen

ALSFELD (ol). Dass sich der Ortsverein der Alsfelder Sozialdemokraten neu aufstellen will, das ist seit Ende Februar kein Geheimnis mehr. Die ersten Schritte in Sachen Neuausrichtung sind mittlerweile gemacht, denn am Wochenende wurde auf der Mitgliederversammlung eine neue Doppelspitze gewählt, denn einen „Papiervorsitzenden“ soll es in Zukunft nicht mehr geben.

Ute Koch und Nils Bernhardt bilden die neue sozialdemokratische Doppelspitze des Alsfelder Ortsvereins, die am vergangenen Wochenende bei der Mitgliederversammlung der Ortsvereins gewählt wurde. Das bestätigte Bernhardt auf Rückfrage. Die 54-Jährige und der 26-Jährige wollen künftige die politische Arbeit in der Stadt lenken – und dazu hatte man bereits einige Ideen in petto und Spitzenpolitiker Thorsten Schäfer-Gümbel zu Gast.

Zunächst aber ein Blick zurück: Eine inhaltliche Neuausrichtung des Ortsvereins ist geplant, bei der sich wieder vermehrt auf die politische Arbeit vor Ort konzentriert werden soll. Umsetzen wolle man das mit einer geplanten „Zukunftswerkstatt“, in der zunächst mit allen Mitgliedern, dann mit allen Interessierten und auch parteiübergreifend Ideen für die künftige Entwicklung der Stadt sammeln. Daran soll sich dann auch die Arbeit der SPD orientieren, denn die sei in der Vergangenheit etwas zu kurz gekommen.

Bernhardt: „Ich bin überzeugt, dass wir das auch schaffen können“

„Zum ersten Mai war der Alsfelder Ortsverein am Marktplatz vertreten und zum Landtagswahlkampf im Oktober wurden wieder mehrere Infostände am Schwälmer Brunnen organisiert. Das geschah jedoch Dank des Engagements einzelner Mitglieder, ohne weitere Hilfe des Vorstandes, beziehungsweise des ersten Vorsitzenden“, erklärte Bernhardt in seiner Rede. Seitens des Vorsitzenden, Florian Sauermann, sei keine Reaktion mehr erfolgt. Das habe nicht nur die Landtagswahl, sondern auch die Bürgermeisterwahl in Alsfeld gelähmt. „Trotz allem bin ich aber sehr optimistisch und es liegt mir auch sehr am Herzen, dass die Alsfelder SPD wieder zur treibenden Kraft in der Stadtpolitik wird. Papiervorsitzende wird es auf jeden Fall keine mehr geben“, erklärte Bernhardt in seiner Rede.

Jetzt wolle man gemeinsam in die Zukunft schauen und alles daran setzen, bis 2021 wieder die stärkste Kraft im Stadtparlament zu werden und auch bei der nächsten Wahl wieder einen Bürgermeister stellen zu können, sodass die aktuellen Verhältnisse eine Ausnahme bleiben. „Ich bin überzeugt, dass wir das auch schaffen können“, erklärte Bernhardt.


Lagebericht von den SPD-Stadtverordneten

Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Christoph Stüber gab einen Lagebericht aus der Arbeit der Stadtverordnetenfraktion, die nach anfänglichen Schwierigkeiten nun besser laufe. Zwölf Stadtverordnete und drei Mitglieder im Magistrat stelle man derzeit und habe bislang 35 Anträge und zahlreiche Anfragen eingereicht. Die Mehrheit sei allerdings von der CDU/UWA-Koalition abgelehnt oder in einem Änderungsantrag der Koalition umformuliert worden.

Dennoch: man habe in der Stadtpolitik deutlich gemacht, dass es auch andere Meinungen und Vorgehensweisen gibt, zeigte sich Stüber optimistisch, denn man versuche aus der Opposition heraus das Beste für die Stadt zu erreichen.

Thorsten Schäfer-Gümbel über die Wichtigkeit der europäischen Idee

Als wäre das noch nicht genug, gab es außerdem noch hohen Besuch von Spitzenpolitiker und SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel, der erst vor wenigen Wochen seinen Rücktritt au den politischen Ämtern bekannt gab. Die Landtagswahl und vor allem das Ergebnis habe man sich anders vorgestellt, erklärte der Landesvorsitzende. Und dieses Ergebnis habe bei ihm inzwischen zu Konsequenzen geführt. Klar sei bereits am Wahlabend gewesen, dass es mit ihm keinen vierten Wahlgang in Hessen geben werde und sprach sich gleichzeitig für Nancy Feaser als eine Wunsch-Nachfolgerin aus, die sicherlich neue Akzente in der Hessen-SPD setzen werde.

Die Mitgliederversammlung nahm er allerdings auch zum Anlass, um über die anstehende Europawahl zu sprechen, die in seinen Augen nicht nur über die Zukunft der Europäischen Union entscheide, sondern auch über die Zukunft von Deutschland selbst. Europa bedeute gleichzeitig auch Zusammenhalt und Gerechtigkeit, erklärte Schäfer-Gümbel, der seine Rede unter das Motto „Europa ist die Antwort“ stellte. Das mache vor allem das Europa-Programm der Sozialdemokraten deutlich. Nicht nur Frieden und Sicherheit, sondern auch die Finanz- und Wirtschaftspolitik gelte es neu zu definieren.

In seinem gut eineinhalbstündigen Vortrag ging der scheidende Landesvorsitzende allerdings nicht nur auf die Wichtigkeit der europäischen Idee ein, sondern auch auf die Gefahren die vom Populismus kommen, auf den Brexit und auf tarifliche Sonderstellungen ein. Am Ende seinerRede betonte Schäfer-Gümbel allerdings eines: selbst wenn er nun aus den politischen Ämters ausscheide, dann sei er danach kein unpolitischer Mensch, sondern werde weiter für die Sozialdemokratie arbeiten – wenn auch anders als zuvor.



3 Gedanken zu “Wie die Alsfelder Sozialdemokraten wieder zu neuer Stärke finden wollen

  1. Der große Wurf ist der Alsfelder SPD ja nicht gelungen mit ihrem neuen Vorstand. Mit Ute Koch im Spitzenduo und Jürgen Udo Pfeiffer auf der Reservebank….da kommt Freude auf bei den Genossen. Ein Neuanfang sieht wahrlich anders aus.

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