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Dietmar Schnell von den Vogelsberger Linken kritisiert die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts im Kreis„Letzten drei Jahre waren für den Klimaschutz verlorene Zeit“

VOGELSBERG (ol). Als vor drei Jahren das Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept für den Vogelsbergkreis im Ausschuss vorgestellt wurde, waren unsere Erwartungen groß. Es zeigt die zur Erreichung der Klimaschutzziele notwendigen Maßnahmen für die nächsten 10 bis 15 Jahre auf“, erklärt Dietmar Schnell, Kreistagsabgeordneter der Linken. Doch die letzten drei Jahre seien für den Klimaschutz eine verlorene Zeit gewesen. Die Pressemitteilung wird im Folgenden im Wortlaut abgedruckt.


„Dieses Papier hätte ein entscheidender Leitfaden zur Bekämpfung der drohenden und hier und da schon deutlich spürbaren Klimakatastrophe sein können. Doch die letzten drei Jahre seien für den Klimaschutz eine verlorene Zeit gewesen. Das habe sich in der Sitzung des Ausschusses für Bauen, Umwelt und ländlichen Raum deutlich gezeigt.

Sehr schnell sei offenkundig geworden, dass CDU und SPD es stillschweigend in der Schublade versenken und sich mit sehr wenigen, nicht eben ambitionierten und nicht einmal verbindlichen Zielen zu begnügen gedachten. Und selbst diese Minimalziele werde die derzeitige Koalition nicht einmal ansatzweise erreichen, führt Schnell in der Pressemitteilung der Vogelsberger Linken weiter aus. Weder personell noch inhaltlich habe sich im Kreis etwas bewegt.

Das vorliegende Konzept enthalte fast 70 konkrete Vorschläge wie beispielsweise den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, die Nutzung kreiseigener Gebäude für Solarthermie-/Photovoltaik-Anlagen, die Einrichtung eines Klimaschutzmanagers und einer Klimaschutzagentur, jährliches Monitoring, Mobilitätsmanagement, Ausbau von Beratung und Schulung und vieles mehr. Umgesetzt werde praktisch nichts davon.

Kreis verschließe Augen vor verheerenden Schäden

Damit betreibe die Koalition im Kreis ebenso wie die große Koalition auf Bundesebene eine Vogel-Strauß-Politik und verschließe die Augen vor den verheerenden Schäden durch den Klimawandel. Die schlimmen Folgen von Starkregenfällen meist verbunden mit Bodenerosionen, Hitze- und Trockenheitsperioden, Hochwasserständen seien schon jetzt auch im Vogelsberg deutlich spürbar. In Verbindung mit dem sich beschleunigenden Artensterben ergebe sich eine extrem gefährliche Entwicklung, die kaum mehr beherrschbar scheine.

„In einer solchen Situation die Tatsache als Erfolg zu feiern, dass der Kreis nicht mehr Energie verbrauche als vor zehn Jahren, ist schlichtweg ungeheuerlich“, so Schnell. Der Kreis müsste, um die bei weitem nicht ausreichenden selbstgesteckten Ziele erreichen zu können, schon heute wenigstens 20 bis 25 Prozent der Einsparungen bei Energieverbrauch und CO2-Ausstoß erreicht haben, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Stattdessen sehe man einen klassischen Reboundeffekt – die Einsparungen, die dank der Fachleute in der Verwaltung erreicht wurden, würden durch Mehrverbrauch an anderer Stelle vollständig aufgefressen. „Hier macht sich leider bemerkbar, dass es am politischen Willen fehlt, den Klimawandel zu bekämpfen. Und die Kosten für die Folgen dieser Ignoranz werden bei weitem das übersteigen, was heute an falscher Stelle eingespart wird“, prophezeit Schnell.

„Hätte man seinerzeit das Konzept als Handlungsanweisung verabschiedet und sich engagiert auf den Weg gemacht, die Dinge anzupacken, wäre auch mit den zur Verfügung stehenden begrenzten Mitteln sehr viel mehr möglich gewesen. Doch kluge Papiere nutzen nichts, wenn daraus nicht kluges Handeln folgt“, so Schnell abschließend.