Wieder stärker gefragt - Steine sind der Rohstoff der Baukonjunktur. Doch eine entscheidende Bremse beim Neubau ist der Personalmangel in den Behörden, findet die IG Bau. Foto: William Diller/IG BAU

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Halbjahresbilanz: IG BAU fordert mehr Personal für BauämterBau von 115 neuen Wohnungen im Vogelsbergkreis genehmigt

VOGELSBERG (ol). Gebremster Bau-Boom: Zwischen Januar und Juni wurde im Vogelsbergkreis der Neubau von 115 Wohnungen genehmigt. Das sind 45 Prozent weniger als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mitteilt. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf neueste Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Investitionen von insgesamt 24,1 Millionen Euro planen demnach die Bauherren laut Pressemitteilung des IG Bau Mittelhessen im Vogelsbergkreis, um aus den erteilten Genehmigungen neue Wohnungen zu machen. Die IG BAU Mittelhessen sieht jedoch Luft nach oben. „Viele Sozialwohnungen sind aus der Preisbindung gefallen – und jetzt mit deutlich höherer Miete auf dem Markt. Gegen den Schwund bei Sozialmietwohnungen und gegen den Mangel an bezahlbaren Wohnungen hilft nur eins: bauen, bauen, bauen“, sagt Bezirksvorsitzende Doris Hammes.

Erschwert werde das Bauen und Planen allerdings durch fehlendes Personal in den Bauämtern. Nach IG BAU-Angaben sank die Zahl der Beschäftigten in den kommunalen Baubehörden in Hessen zwischen 1995 und 2010 um 17 Prozent – zwischen 2011 und 2016 dann noch einmal um weitere vier Prozent. Das hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) herausgefunden. Danach kamen auf 1.000 Einwohner in Hessen zuletzt lediglich 0,8 Vollzeit-Beschäftigte in den Bauverwaltungen.

„Der jahrelange Personalabbau in den Ämtern rächt sich in Zeiten einer anziehenden Baukonjunktur besonders“, sagt Hammes. Engpässe bei der Planung und Genehmigung führten dazu, dass wichtige Bauprojekte verschleppt würden. Das betreffe auch die kommunale Infrastruktur – wie den Bau von Schulen, Straßen und Krankenhäusern.

Laut DIW würden Städte und Gemeinden im Schnitt 85 Prozent ihrer Investitionen für Bauten ausgeben. „Mangelnde Planungskapazitäten haben daher enorme Auswirkungen auf das Bauen vor Ort“, so Hammes. Deshalb sei ein Großteil der Kämmerer auch weiterhin skeptisch, was den Abbau des Investitionsrückstands angehe. Nach einer Umfrage des aktuellen KfW-Kommunalpanels rechnen nur 32 Prozent der Kämmerer damit, den Rückstand bei der Verkehrsinfrastruktur in den nächsten fünf Jahren abzubauen – trotz einer guten finanziellen Entwicklung in den meisten Kommunen. 68 Prozent erwarten, dass der Investitionsstau gleich bleibt oder anwächst.

2 Gedanken zu “Bau von 115 neuen Wohnungen im Vogelsbergkreis genehmigt

  1. Anders sieht es natürlich bei den Pflegeheimen aus, die trotz prognostizierter Marktsättigung im Landkreis wie Pilze aus dem Boden schießen. Solche Bauprojekte rechnen sich – im Gegensatz zum Rhein-Main-Gebiet oder anderen Ballungsräumen – für Investoren und Betreibergesellschaften noch recht gut. Grundstücke werden von den Gemeinden förmlich aufgedrängt und die Errichtungskosten sind insgesamt niedriger, während die Pflege selbst nicht weniger einbringt als im teuren Ballungsraum.
    Es ist wohl richtig, dass Mieten von 4-6 Euro/m² auch im Vogelsberg nicht mehr kostendeckend sind. Aber „realistische“ Mieten müssen sich die Menschen auch leisten können. Wenn der hohe Beschäftigungsgrad im Vogelsberg bejubelt wird, sollte darüber nicht vergessen werden, dass auch qualifizierte Vollzeitstellen bei uns schlechter bezahlt werden als in Fulda, Gießen, Marburg, Kassel oder im Frankfurter Raum. Sehr viel Geld geht den Privathaushalten durch die Pendler-Kosten verloren. Und überproportional häufig sind die Erwerbstätigen (vor allem Frauen) nur teilzeitbeschäftigt oder haben prekäre Jobs. Wo soll’s denn herkommen?

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  2. Als alteingessenes Architektr- u. Ing.-Büro im Vogelsbergkreis können wir der Analyse, dass weniger Wohnungen aufgrund mangelnder Kapazitäten bei den Bauämtern gebaut werden nicht ohne weiteres zustimmen. Wir haben mit der Vogelsberger Bauaufsicht weitgehend sehr gute Erfahrungen.
    Das viel größere Problem liegt bei den immer schwieriger werdenden Anforderungen am Bau durch Regelungen/Gesetzgebungen wie Energieeinsparverordnung, Erneuerbare-Energiegesetz, Lüftungsnormen, Brandschutzanforderungen und immer höhere Qualitätsansprüche auch der Bauherrn. Dadurch bedingt steigt bereits die Planungszeit bei den Projekten so dass Personalmangel in den Planungsbüros der erste Engpaß ist. In der Ausführung fehlen dann Mitarbeiter in vielen qualifizierten Baufirmen, so dass es zu weiteren Verzögerungen kommt. Gleichzeitig werden die Baukosten immer höher und oft wird vergessen bei Mangelgutachten und Richtern, dass Bauen ein Handwerk und keine Präzisionsmaschinenarbeit ist. Das Handwerk, Absicherung und Bauleistung der Firmen wird komplizierter. Durch diese Punkte, die sich beliebig erweitern lassen steigen die Baukosten teilw. enorm. Wohnraum für Mietpreise von 4,00€-6,00€ pro m2 wie man es jahrelang gewohnt war sind im Neu/Sanierungsbau daher längst nicht mehr realistisch, werden aber in unserer Region gerne noch eingefordert. Auch aufgrund dieser Diskrepanz sind uns Investoren bekannt, die lieber nicht in unserer Region bauen, weil das Risiko der Wirtschaftlichkeit zu hoch ist, ohne dass es hier um „Abzokke“ geht !
    Der Mangel an guten Wohnungen ist daher vielschichtig und kann sicherlich nicht auf Personalmangel bei Bauaufsichten reduziert werden, eine Deregulierung und Herabsetzen der Anforderungen beim Bau wären sicherlich hilfreicher…

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