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Sina Knöpper ist Miss Tattoo Hessen - Anfang Oktober nimmt sie bei der Miss Tattoo Germany Wahl teilMiss Tattoo Hessen: „Hinter meinen Tattoos steckt ein Stück meiner Lebensgeschichte“

REGION (ls). 29 Motive hat Sina Knöpper auf dem Körper verteilt – jedes einzelne hat eine ganz besondere und persönliche Bedeutung für sie. Schicksale, Erlebnisse, eine komplette Lebensgeschichte in Bildern. Besser: In Tattoos. Dass sie damit mal einen Miss-Wettbewerb gewinnt, damit hatte die 23-Jährige nicht gerechnet. Mit Oberhessen-live sprach die neue Miss Tattoo Hessen im Interview über die Wahl, ihre Tattoos und ihr Leben.

Dass sie einmal eine Miss-Wahl gewinnen wird, damit hatte Sina Knöpper nicht gerechnet – und das obwohl sie schon immer Interesse am Modeln hatte. Trotzdem: Mitte September gewann die junge Pohlheimerin die Wahl zu Miss Tattoo Hessen und qualifizierte sich damit zur Miss Tattoo Germany am 7. Oktober.

Interview mit Miss Tattoo Hessen Sina Knöpper

Oberhessen-live: Hallo Sina, danke dass du vorbei gekommen bist. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Sieg zur Miss Tattoo Hessen. Wie kam es dazu?

Sina: Vielen Dank. Ich gehe gerne auf Tattoo-Conventions und bei einer Convention bin ich auf die Wahl zur Miss Tattoo Hessen aufmerksam geworden. Kurzerhand hab ich mich dann dazu entschieden, mich zur Wahl aufstellen zu lassen. Es hat mich tatsächlich schon immer gereizt zu modeln – allerdings natürlich in der Tattoo-Branche. Und nach meiner Anmeldung kam dann irgendwann eine Mail zurück, dass ich zu den Kandidaten gehöre. Als ich dann letztendlich auch noch gewonnen habe, damit habe ich gar nicht gerechnet. Ich habe es anfangs sogar gar nicht verstanden, was die Jury sagte. Ich war so sprachlos und perplex. Als ich es dann aber endlich realisiert habe, habe ich mich wirklich sehr gefreut.

Mit vier weiteren Mitbewerberinnen bist du dann nach Trier eingeladen worden. Worauf kam es dabei an?

Genau. Zu fünft waren wir dann in Tier und sind über den Laufsteg gelaufen. Natürlich musste man Tattoos haben, aber es gab dafür keine Mindestanzahl. Unser Aussehen und unser Walk wurden dabei begutachtet und natürlich wurden die Tattoos durch die Jury genauer unter die Lupe genommen. Ich denke dabei kam es nicht nur auf die Art des Tattoos an und wie dieses gestochen wurde, sondern auch darauf, ob sie zum Körper und der Person passen und was wirklich dahinter steckt.

Rosen, Schriftzüge, ein Strichmännchen, eine Eule, zwei Portraits und diverse andere Bilder trägst du auf der Haut. Haben deine Motive denn etwas zu bedeuten?

Ja, hinter allen meinen Tattoos steckt ein Stück meiner Lebensgeschichte. Die zwei Strichmännchen beispielsweise stehen für meine Eltern. Die Eule für meine Oma und hinter dem Portrait von Harley Quinn aus dem Film „Suicide Squad“ stecke ein bisschen ich selbst. Meine Familie ist mir sehr wichtig und steht mit sehr nahe. Das möchte ich durch die Tattoos auch zeigen. Es sind für mich selbst sehr persönliche Motive, hinter denen meine Erfahrungen, Schicksale und meine Lebensgeschichte steckt. Ich habe viele Motive die, mit dem Tod zu tun haben, wie zum Beispiel die La Catrina auf dem Oberschenkel.

Ich schaue jeden Tag immer wieder auf das Tattoo und habe es keinen Tag bereut, mir diese persönliche Erinnerung an ihn geschaffen zu haben.Sina Knöpper über ihr Tattoo

Welches davon ist dein Lieblingstattoo?

Eindeutig der Schriftzug „Lele“ an meinem Handgelenk. Das hat einfach eine ganz besondere Bedeutung für mich. „Lele“ steht für „René“ – so hieß mein Bruder, der vor zehn Jahren bei einem Motorradunfall gestorben ist. Damit habe ich wirklich lange zu kämpfen gehabt und habe mir mit dem Schriftzug eine bleibende Erinnerung an ihn geschaffen. „Lele“ deshalb, weil ich als kleines Kind seinen Namen nicht richtig aussprechen konnte und stattdessen immer „Lele“ gesagt habe. Ich schaue jeden Tag immer wieder auf das Tattoo und habe es keinen Tag bereut, mir diese persönliche Erinnerung an ihn geschaffen zu haben. Aber eigentlich habe ich noch ein Lieblingsmotiv: Es ist die Harley Quinn. Sie mag mir zwar persönlich nicht so viel bedeuten, es sieht aber einfach super aus und ist wirklich hohe Tattookunst.

Mit 26 gestartet, aktuell 29 und bald sogar 30 Tattoos

Mit 26 Tattoos bist du in die Wahl gestartet. Gab es eine gewisse Anzahl, die man vorweisen musste?

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch 26 Stück, das stimmt. Eine bestimmte Anzahl gab es damals nicht, ich denke aber, dass es schon darauf ankam, dass man wirklich etwas hatte. Mittlerweile sind es aber schon 29 Stück – ich habe mir erst vor kurzem ein Kreuz auf das Schienbein stechen lassen und zwei Schleifen auf die Hinterseite des Oberschenkels. Und ich bin auch noch lange nicht damit fertig. Schon am Freitag ist der nächste Termin und dann kommt Nummer 30 dazu – vielleicht sogar auch gleich Nummer 31. Das entscheide ich spontan. Ich möchte auf jeden Fall noch ein Skeletteinhorn haben und einen kleinen Lückenfüller für mein Bein. Nach der Wahl soll dann der Bauch und der Rücken folgen, bisher befinden sich meine Tattoos ja eher an den Armen und Beinen.

Gibt es für dich auch Partien am Körper, die du nicht tätowieren lassen würdest?

Ja, mei Gesicht ist natürlich tabu. Ich würde mich sowieso nirgends tätowieren lassen, wo ich es nicht verdecken kann – das ist mir immer noch wichtig. Besonders wenn ich an meinen Beruf denke. Ich arbeite viel mit Kunden zusammen und auch wenn Tattoos mittlerweile gesellschaftsfähiger sind, gibt es immer noch Menschen, die Vorurteile haben. Das kann ich nicht verstehen, denn hinter den Tattoos steckt ja trotz allem der Mensch der man ist, egal ob man nun tätowiert ist oder nicht. Das ist mir aber sehr wichtig, dass man erkennt, wer der Mensch ist.

Meine Oma beispielsweise fand Tattoos immer sehr schlimm. Ich habe mich auch ganz lange nicht getraut ihr zu sagen, dass ich eins habe. Ich habe immer lange Sachen getragen, weil ich sie nicht verletzten wollte. Irgendwann vor einer Familienveranstaltung war es dann aber soweit: Ich musste es ihr sagen. Also hab ich sie besucht und es ihr gezeigt und sie gebeten es zu akzeptieren. Da hat sie schrecklich geweint und ich habe auch geweint. Ich wollte ihr einfach zeigen, dass in mir trotzdem noch der gleiche Mensch steckt. Letztendlich hat sie es toleriert würde ich sagen, auch wenn es ihr persönlich nicht gefallen hat.

Wann hast du dir dein erstes Tattoo stechen lassen?

Damals war ich 17 Jahre alt. Da habe ich mir den „Lele“-Schriftzug tätowieren lassen. danach ging es erst mit 18 weiter. Irgendwann denkt man sich „ach so eins alleine sieht ja auch traurig aus“ und dann folgt das nächste. So ging es dann irgendwie weiter bis jetzt.

Nach den Outlines ist das Schlimmste überstanden

Tut das denn nicht weh?

Doch, es gibt schon Partien, die wirklich weh tun. Besonders schmerzhaft war für mich der Innenarm und auch die Kniekehle. Da verlaufen viele Sehnen und Nerven und durch die ständige Punktur hat mein Bein richtig gezuckt. Aufhören konnte ich aber trotzdem nicht. Ich finde auch die Outlines schlimmer – also wenn der Tätowierer die Kontur des Tattoos sticht. Dabei fühlt sich der Schmerz anders an, weil er irgendwie kontinuierlich an einer Stelle ist. Wenn das vorbei ist, ist das Schlimmste überstanden. Das Ausfüllen und Schraffieren tut mir persönlich weniger weh, weil sich das anders verteilt. Da kann es sogar schon mal vorkommen, dass ich auf dem Stuhl oder der Liege einschlafe. Das hat aber auch viel damit zu tun, wie wohl man sich fühlt. Ich gehe beispielsweise nach Frankfurt zu Cult Custom Tattoo. Mein Tätowierer Rico macht wirklich eine sehr gute Arbeit und ich fühle mich da sehr wohl. Aber auch auf Conventions teste ich gerne internationale Tätowierer.

Zum Abschluss: Was wird sich jetzt bei der Wahl zur Miss Tattoo Germany ändern und welche Ziele hast du dir gesetzt?

Natürlich gibt es mehr Konkurrenz als bei der Wahl zur Miss Tattoo Hessen. Die Siegerin aus jedem Bundesland nimmt teil und präsentiert sich. Außerdem wird es professionell aufgezogen mit Walks und einer richtigen Choreografie, zu der wir sogar extra Coaches bekommen. Die ganze Wahl findet auf der Tattoo-Convention in Schwandorf statt und geht glaube ich bereits um 9.30 Uhr los und dann den ganzen Tag. Prinzipiell ist es wie eine ganz normale Miss-Wahl – nur einfach mit Tattoos. Ein bestimmtes Ziel habe ich nicht. Ich möchte nur gerne nicht Letzter werden und würde mich natürlich über einen Sieg sehr freuen. Das wäre klasse, weil ein Erfolg in diesem Bereich ja nochmal etwas anderes ist.

Wir sind alle hübsch und ganz bestimmt verdient mit dabei.Sina Knöpper über ihre Konkurrentinnen

Aber insgesamt habe ich meine Erwartungen nicht so hoch geschraubt- desto weniger tief kann man fallen. Ich denke, dass alle Mädchen einen Grund haben, warum sie für ihr Bundesland gewonnen haben. Wir haben alle eine gute Figur, ein schönes Gesicht und wir haben alle Tattoos. Wir sind alle hübsch und ganz bestimmt verdient mit dabei. Gerade deshalb denke ich, dass wir alle die gleiche Chance haben und es jeder Kandidatin gegönnt wäre.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir drücken dir am 7. Oktober auf jeden Fall die Daumen!