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EXKLUSIV: Sparkasse deckte Vorgang nicht alleine auf - Sprecher: "normaler Vorgang"Tipp aus Berliner Bank führte zur Aufdeckung des Untreueskandals in der Sparkasse Oberhessen

EXKLUSIV | REGION. Ein Mitarbeiter der Sparkasse Oberhessen hat zugegeben, fast neun Millionen Euro veruntreut zu haben. Die Sparkasse hat bislang stets betont, der Skandal sei – wenn auch erst nach acht bis zehn Jahren – von ihren eigenen Sicherungssystemen aufgedeckt worden. Doch das stimmt so nicht ganz. Recherchen von Oberhessen-live bringen nun ans Licht: Der entscheidende Tipp kam von einer Berliner Bank.

Vor einigen Wochen erreichte ein anonymer Brief die Redaktion von Oberhessen-live. Der Verfasser wünschte sich von der Presse eine bessere Berichterstattung über den Sparkassenskandal. Die Medien, so hieß es, würden nur noch das berichten, was sie von der Sparkasse vorgesetzt bekämen. Und bei der Sparkasse gelte die Devise, nur das zuzugeben, was sowieso schon längst bekannt sei.

Etwas weiter unten stellte der Autor eine steile Behauptung auf. Demnach sei die Veruntreuung des Millionenbetrags nicht von der Sparkasse selbst bemerkt worden. Vielmehr habe eine Bank aus Berlin die Sparkasse gewarnt, nachdem sie nicht alltägliche Überweisungseingänge bei sich registriert habe. Bei der Bank sollte es sich um die Deutsche Kreditbank AG (DKB) mit Sitz in der Bundeshauptstadt handeln.

Durch eine intensive Recherche gelang es Oberhessen-live, die in dem Brief aufgestellte Behauptung zu verifizieren. „Ich kann das bestätigen. Der entscheidende Tipp kam von der DKB“, sagte eine mit den Ermittlungen bestens vertraute Person gegenüber Oberhessen-live. Demnach sendete die DKB eine so genannte „Geldwäscheverdachtsmeldung“ an die Sparkasse Oberhessen. Erst daraufhin strengte das Institut eigene Ermittlungen an, die schließlich zur Enttarnung des mutmaßlichen Täters und dem Erstatten einer Anzeige gegen ihn seitens der Sparkasse führten.

Sparkasse bestätigt Meldung über „Unplausibilität“

Auch die Sparkasse selbst bestätigt den Vorgang: „Ich kann ihnen sagen, dass es eine Meldung über eine Unplausibilität bei einer Überweisung von einem anderen Kreditinstitut gegeben hat“, sagte ein Sparkassensprecher. Dies stehe jedoch nicht der Aussage entgegen, wonach die Sparkasse den Fall durch ihre eigenen Sicherungssysteme aufgedeckt habe. „Solche Meldungen – auch wenn sie von anderen Banken kommen – zählen zu unseren eigenen Sicherheitsmechanismen.“ Es sei ein normaler Vorgang zwischen Banken, derartige Verdachtsmeldungen auszutauschen. Die Sparkasse Oberhessen empfange solche Meldungen und verschicke selbst welche an andere Einrichtungen. Wie viele das in einem bestimmten Zeitraum ungefähr sind, konnte der Sprecher auf Nachfrage nicht sagen.

Die Sparkasse habe weder extern noch intern explizit kommuniziert, dass die hausinternen Ermittlungen auf eine Verdachtsmeldung einer anderen Bank zurück gingen, sagte der Sprecher. Wer diese Kommunikationsstrategie festgelegt habe, vermochte er nicht zu sagen. Er bestätigte aber, dass sich die Sparkasse von externen Experten in Sachen Krisenkommunikation beraten ließ, als der Skandal publik wurde. (Lesen Sie hier ein Kommentar der OL-Redaktion zu möglichen Konsequenzen des Skandals).

Eine Sprecherin der DKB wollte sich unter Verweis auf das Bankgeheimnis nicht zu dem Sachverhalt äußern. Landrat Manfred Görig war am Donnerstag für ein Statement leider nicht zu erreichen.

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Ein Gedanke zu “Tipp aus Berliner Bank führte zur Aufdeckung des Untreueskandals in der Sparkasse Oberhessen

  1. Anscheinend „normale“ Praktiken in einem Land, in dessen Hauptstadt ein geplanter Flughafen seit Jahren nicht fertiggestellt wurde und Millarden Steuergelder in dunkelen Kanälen versickert sind *Kopfschüttel*
    Mit solchen Aktionen wird der Staat/Steuerzahler betrogen nicht mit dem paranioden Fremdenwahn u. Islamaphobie was uns die AFD auftischen will.

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