
Reanimationstraining mit Übungspuppe „Anne“ – Investition in die Patientensicherheit„Staying alive“ bringt den rettenden Rhythmus
VOGELSBERGKREIS (kiri). „Ihre Patientin ist 76 Jahre alt, hatte vor drei Tagen eine Knie-Operation und fühlt sich jetzt nicht gut. Noch ist sie ansprechbar…“, erläutert Dr. Vera Rastan das Szenario und beginnt zu filmen. Die Darsteller: Ein vierköpfiges Team aus Assistenzärzten der Chirurgie. Sie befinden sich mitten in der Reanimationsfortbildung und üben den Notfall. Die Trainerin dokumentiert mit der Kamera den Ablauf, um die Aufnahmen später als Lehrvideo nutzen zu können.
Vera Rastan ist seit Frühjahr 2013 als Oberärztin in der Anästhesie-Abteilung des Kreiskrankenhauses tätig. Zeitgleich hat sie als ausgebildete Reanimationstrainerin mit Schulungen und Auffrischungskursen zur Wiederbelebung von Erwachsenen (Advanced Life Support) und Kindern (European Pediatric Life Support) begonnen. Seit Herbst diesen Jahres hat sie – neben der Anästhesie-Schwester Helga Kunze – eine begabte Helferin: Anne.
„Anne“ ist eine Übungspuppe, ein sogenannter Mega-Code-Trainer, den der Förderverein des Kreiskrankenhauses zur Schulung von Ärzten, Pflegekräften und Schülerinnen und Schülern der Krankenpflegeschule angeschafft hat. Auch ist künftig geplant, Interessenten aus niedergelassenen Praxen diese Weiterbildungen anzubieten. Die Übergabe des Wiederbelebungstrainers fand im Rahmen diesjährigen Herbstmesse am Stand des Kreiskrankenhauses im Beisein von Landrat Manfred Görig und Bürgermeister Stephan Paule statt.

Das Team der Chef- und Oberärzte zeigt sich souverän: Reanimation mit Hilfe von Beatmung, Herzdruckmassage, Defibrillator und Medikamente stellt für sie kein Problem dar.
„Anne“ kann mittels Eingabe über ein Navigationsgerät reale Szenarien darstellen, wie sie Tag täglich im Krankenhaus vorkommen können: Herz-Kreislauf-Zusammenbrüche, Lungenembolien, Atemnot, verlegte Atemwege und vieles mehr… „Anne“ spricht, röchelt, stöhnt, simuliert alle Symptome der verschiedenen Notfallsituationen und stellt damit die Ärzte und Pflegekräfte vor eine Herausforderung. So auch die vier Assistenzärzte, die in Hektik verfielen, als „Anne“ erst noch ansprechbar und plötzlich mit tachycardem Puls bewusstlos wurde.
Wer misst Blutdruck, wer hört die Lunge ab? Wer legt den Zugang, wer die Laryxnmaske? Wer übernimmt die Herzdruckmassage, wer defibrilliert… und vor allem: Wer denkt?! Denn bei einem solchen Notfall muss eine Person die Koordination übernehmen, Anweisungen geben, die Krankenakte studieren und nach möglichen Ursachen aus der Krankengeschichte suchen. Kommunikation, Koordination, gute Diagnostik und die richtige Behandlung müssen quasi per Knopfdruck funktionieren. In den Reanimationskursen von Dr. Rastan können die Mediziner und Fachpersonal dies üben.
Herzdruckmassage zur Belebung des Kreislaufs
Bevor die Ärzte jedoch praktisch an „Anne“ aktiv wurden, informierte Vera Rastan ihre „Schülerinnen und Schüler“ über neue Erkenntnisse und Neuerungen in den Leitlinien. Beispielsweise müsse man als Laienhelfer nicht zwingend beatmen. Was aber unerlässlich sei, sei die Herzdruckmassage. „Sie müssen drücken, damit ein Blutdruck aufgebaut wird. Mindestens fünf Zentimeter tief… aber vergessen Sie die Entlastung des Brustkorbes nicht!“, erinnert die 49-Jährige die Kursteilnehmer.
Auch schulte sie in der jüngsten Fortbildung die Teilnehmer im Legen von Knochenzugängen und im Umgang mit dem Defibrillator. „Nach dem Defibrillieren müssen Sie zwei Minuten drücken, dann erst nach dem Rhythmus schauen…“ Auch für den richtigen Rhythmus hatte Rastan einen kleinen, augenzwinkernden Tipp, den die amerikanische und britische Reanimationsgesellschaft veröffentlicht: „Singen Sie in Gedanken „Staying alive“ – dann sind Sie im richtigen Takt!“
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