
Bewohnerinnen und Bewohner erleben internationale Geschichten und gemeinsame Momente gegen Einsamkeit im AlterMärchen, Musik und Erdbeerduft: Sommerliche Sinnesreise im Haus Stephanus
ALSFELD (ol). Im Haus Stephanus Alsfeld stand eine besondere Märchenstunde ganz im Zeichen des Sommers. Mit chinesischen Geschichten, Akkordeonmusik, Erdbeerbowle und verschiedenen Sinneseindrücken erlebten die Bewohnerinnen und Bewohner eine gemeinsame Auszeit voller Erinnerungen und Begegnungen. Die Veranstaltung ist Teil eines Projekts, das soziale Teilhabe fördert und Einsamkeit im Alter entgegenwirken soll.
Erdbeerbowle, Akkordeonmusik und ein Märchen aus China: In der Alten und Pflegeeinrichtung Haus Stephanus in Alsfeld fand jetzt eine neue Märchenstunde für alle Bewohnerinnen und Bewohner statt. Das Angebot trug den Titel „Märchen erleben mit allen Sinnen“ und war Teil des Hausprojekts „Generationen Gesundheitsnetzwerk: Bewältigungsstrategie gegen Einsamkeit im Alter“. Gefördert wird das Projekt durch das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, so heißt es in der Pressemitteilung der Alsfelder Einrichtung.
Vorbereitet wurde die Runde vom Betreuungsdienst des Hauses. Minh Luis, Projektskoordinatorin, begrüßte die Teilnehmer nach rund zwei Monaten Pause. Diesmal war die Stunde bewusst sommerlich, sinnlich und international gestaltet: Auf dem Tisch standen selbst hergestellte Eisgefäße mit Kräutern und Erdbeeren, dazu Erdbeerbowle, frische Erdbeeren, Wassermelone und auf Wunsch Buttermilch mit Erdbeeren. Die Gestaltung sorgte für spontane Reaktionen, mehrere Bewohnerinnen sprachen von einem „richtigen Sommer“ und lobten den Anblick des Tisches als „wunderbar“.
Zu Gast war Märchenerzählerin Silvia Völker aus dem Alsfelder Märchenhaus. Weil viele Bewohnerinnen und Bewohner nicht mehr selbst ins Märchenhaus gelangen können, bringt Völker die Geschichten zu ihnen. Völker erzählte die Geschichte von der „blauen Rose“ aus China, in der ein Kaiser und seine Tochter der Frage nachgehen, was die Augen sehen und was das Herz erkennt. „Manchmal erkennt das Herz mehr als die Augen“, sagte Völker. Eine zweite Geschichte über Erdbeeren und Spargel schloss thematisch an und handelte von Liebe, Verschiedenheit und dem Reiz der Jahreszeiten.
Ein Fühlsäckchen sorgte für zusätzliche Beteiligung. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollten ertasten, was darin verborgen war, einige hielten sich an die Spielregel, andere holten die Erdbeerform neugierig gleich heraus. Erraten wurde schließlich: Erdbeeren. Die Runde kommentierte Bowle und Melone als „gut“ und „schön saftig“, eine Bewohnerin merkte an, sie habe das noch nie gesehen, eine andere: Es gebe eben immer mal etwas Neues. Dabei kamen auch biografische Erinnerungen auf: an heiße Sommertage, an Arbeit in Pflege, Krankenhaus oder Näherei. Musikalisch begleitete Mathias Langer die Stunde am Akkordeon und brachte mit bekannten Melodien Urlaubsstimmung in den Raum.
Erinnerungen, Gefühl, Fantasie
Für Minh Luis ist die Märchenstunde mehr als klassisches Vorlesen. „Märchen sind nicht nur für Menschen mit Demenz wertvoll. Sie sprechen viele Ebenen an: Erinnerung, Gefühl, Fantasie, Humor und Gemeinschaft“, sagt Luis. Deshalb sei das Angebot bewusst auf alle Sinne ausgerichtet, nicht nur auf eine bestimmte Zielgruppe: „Man muss nicht jedes Wort verstehen, um die Stimmung, die Musik, den Duft der Erdbeeren oder die Freude in der Gruppe zu spüren.“ Das gelte besonders für Menschen, die schlecht hören oder sich verbal kaum äußern können: „Wer nicht mehr gut hören kann, erlebt vielleicht die Farbe der Erdbeeren, den Geschmack der Bowle, das Tasten im Fühlsäckchen oder die Musik. Genau dort entsteht Teilhabe.“
Nach der Gruppenstunde zog das Betreuungsteam mit einem kleinen „Märchen-Mobil“ weiter in die Wohngruppen und Bewohnerzimmer. Dort standen Fühlsäckchen, Erdbeer-Anschauungsmaterial und kleine Erfrischungen für jene bereit, die nicht an der Gruppenrunde teilnehmen konnten. Eine Bewohnerin reagierte mit „prima“, eine andere sprach von „einer schönen Erfrischung“. In der Wohngruppe hieß es „Schmeckt ganz doll“ und „mal was Anderes“. Für das Haus Stephanus verbindet das Angebot Aktivierung, Biografie-Arbeit, Sinnesanregung und soziale Teilhabe, die internationale Märchenreihe soll mit neuen Geschichten und sinnlichen Zugängen fortgesetzt werden. Eine Rückmeldung aus der Runde brachte es auf den Punkt: „Das ist wirklich toll !“
Fotos: Minh Luis/Haus Stephanus
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